Jemen

Ärzte ohne Grenzen fordert größeren Einsatz gegen Cholera-Epidemie

Ein Team von Ärzte ohne Grenzen richtet ein Zentrum zur Behandlung von wässrigem Durchfall in der Provinz Amran ein.

Sanaa/Berlin, 09. Mai 2017. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen im Jemen behandeln immer mehr Menschen in den Provinzen Amran, Hadscha, Al-Dhale, Tais und Ibb, die an Cholera und akutem wässrigem Durchfall erkrankt sind. Die Zahl der Patienten hat sich in den vergangenen zwei Wochen drastisch erhöht, seit dem 30. März sind es insgesamt mehr als 780 Fälle.

Aufgrund des erneuten Aufflammens der Cholera-Epidemie hat Ärzte ohne Grenzen in fünf Krankenhäusern des Landes Behandlungszentren eingerichtet, um Patienten, die Symptome aufweisen, zu isolieren und zu behandeln. Darüber hinaus unterstützen die Teams medizinische Einrichtungen, die vom Gesundheitsministerium betrieben werden.

Seit Ende April versorgte Ärzte ohne Grenzen im Krankenhaus von Al-Nasr und im medizinischen Zentrum von Al-Salam in der Provinz Al-Dhale 276 Patienten, die an Cholera und akutem wässrigem Durchfall erkrankt waren. Außerdem wurden im Krankenhaus von Abs in Hadscha 263 Patienten behandelt, alleine 168 von ihnen wurden in den letzten zwei Wochen aufgenommen. Auch im Krankenhaus von Al-Salam in der Provinz Amran, im Krankenhaus von Thi As Sufal in der Provinz Ibb sowie in der Geburts- und Kinderklinik von Al-Houban in Tais wurden in den vergangenen Wochen hunderte Patienten aufgenommen. Dazu kommen laut Meldung der jemenitischen Behörden rund 310 Fälle in Sanaa.

Seit Beginn der Kampfhandlungen im März 2015 mussten viele Krankenhäuser aufgrund der äußerst prekären Sicherheitslage schließen. Millionen von Menschen sind von jeglicher Gesundheitsversorgung abgeschnitten. Seit September 2016 wurde der Betrieb in zahlreichen medizinischen Einrichtungen eingestellt, weil die finanziellen Mittel nicht ausreichten, um das Personal zu bezahlen. Ärzte ohne Grenzen befürchtet, dass das bereits geschwächte Gesundheitssystem des Jemens nicht in der Lage sein wird, die Epidemie alleine in den Griff zu bekommen.

„Zu uns kommen Patienten aus verschiedenen Bezirken, etliche Kilometer von hier entfernt“, so Shinjiro Murata, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen im Jemen. „Wir haben Angst, dass sich die Krankheit weiter ausbreitet und außer Kontrolle gerät. Die Gesundheitsbehörden und alle beteiligten Stellen müssen eng zusammenarbeiten, um den Gesundheitseinrichtungen und der lokale Bevölkerung in den am stärksten betroffenen Gebieten schnellstmöglich zu helfen. Die humanitäre Hilfe muss unbedingt und dringend aufgestockt werden, um diese Epidemie einzudämmen und weitere zu vermeiden.“

Ärzte ohne Grenzen ist als internationale medizinische Hilfsorganisation weltweit in rund 70 Ländern aktiv. Im Jemen sind die Teams in elf Provinzen vertreten, wo Ärzte ohne Grenzen 13 Kliniken betreibt und 25 weitere unterstützt.