Jahresrückblick 2020

Hoffen und Bangen im Schatten einer weltweiten Bedrohung

An das Jahr 2020 werden wir uns wohl noch lange erinnern. Die Covid-19-Pandemie hat selbst hochentwickelte Gesundheitssysteme in Europa und Amerika an ihre Grenzen gebracht. In Krisengebieten kam die Pandemie für viele Menschen zu ohnehin schon lebensbedrohlichen Herausforderungen hinzu.

Doch nicht alles war schlecht und in jeder Krise steckt auch eine Gelegenheit. So hat die Covid-19-Krise verdeutlicht, wofür wir uns bereits seit Jahren einsetzen: Gesundheit muss global gedacht werden. Impfstoffe oder Medikamente müssen allen gerecht zugänglich gemacht werden. Denn diese Pandemie ist erst vorbei, wenn sie für alle vorbei ist!

Andere Themen kamen aufgrund der Fokussierung auf Covid-19 deutlich zu kurz in der öffentlichen Berichterstattung. Menschen wurden Opfer von Umwelt- und anderen Katastrophen. Kriege und ausufernde Gewalt bestimmten den Alltag von vielen und die Zahl der Menschen auf der Flucht ist weltweit weiter gestiegen.

Auch 2020 standen wir unseren Patient*innen in mehr als 70 Ländern weltweit zur Seite. In Anbetracht der Stärke dieser Menschen und ihren großen Herausforderungen wollen wir die positiven Momente nicht vergessen. Denn es gab auch gute Nachrichten in diesem Ausnahmejahr - von besiegten Krankheiten, Rettungen in letzter Minute und wiedergefundener Hoffnung.

Die guten Nachrichten

↑ Ocean Viking

Reine und ihre Mama Laurel stiegen an Bord des Schlauchboots, als das Meer noch ruhig war. Sie wollten den Internierungslagern und dem Bürgerkrieg in Libyen entkommen. „Aber nach einer Stunde veränderte sich das Wasser. Alle im Boot haben geschrien,“ berichtet Laurel. Die Ocean Viking von Ärzte ohne Grenzen und SOS Mediterranee rettete sie aus ihrer Seenot. Ein Hoffnungsstern am Horizont.

 


 

Menschen auf der Flucht

2020 ist die Zahl der Menschen auf der Flucht auf 80 Millionen gestiegen. Das sind in etwa so viele Menschen, wie in Deutschland leben. Unvorstellbar. Die Gründe für die Flucht sind vielfältig: Menschen werden verfolgt, fliehen vor Konflikten und Kriegen und hoffen auf ein besseres Leben und eine Zukunft an einem sicheren Ort.

Ihre Situation wird durch lebensgefährliche Fluchtrouten und meist lebensunwürdige Verhältnisse in Geflüchtetenlagern noch verschlimmert. Die Bilder vom Brand im Camp Moria auf Lesbos im September sind auch in Deutschland noch vielen präsent. Doch auch in anderen Teilen der Erde, wie in Südamerika oder in der Zentralafrikanischen Republik flüchten Männer, Frauen und Kinder vor Kriegen und Katastrophen.

↑ Syrien

In Syrien herrscht seit fast zehn Jahren Krieg. Die Region Idlib steht zurzeit im Fokus der Luftangriffe der syrischen Armee und ihrer Verbündeten. Geflüchtete Familien werden immer wieder vertrieben, landen in Geflüchtetencamps oder müssen ohne Obdach im Freien ausharren. Die Angriffe machen auch vor zivilen Einrichtungen nicht halt. Unsere Teams waren 2020 hier nicht nur medizinisch im Einsatz, sondern halfen auch bei der Verteilung von Notfall-Kits.

 


 

Covid-19-Pandemie

Das alles bestimmende Thema 2020 war die weltweite Covid-19-Pandemie. Sie hat uns gezeigt, wie schnell auch die Gesundheitssysteme in Deutschland und den europäischen Nachbarländern an ihre Grenzen stoßen können. Die Pandemie wird erst dann vorbei sein, wenn sie für alle vorbei ist! Umso wichtiger wird die Frage, ob es der Weltgemeinschaft gelingt, Impfstoffe und Medikamenten weltweit gerecht zugänglich zu machen.


 

Klimakrise und Katastrophen

Hochwasser und Überschwemmungen, Erdbeben und Dürren haben das Leben von Millionen in Gefahr gebracht. Besonders in Ländern des Globalen Südens hat die Klimakrise verheerende Folgen. Denn in vielen ärmeren Ländern sind Infrastruktur und medizinische Versorgung mit den Katastrophen überfordert. Betroffene haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und sind Krankheiten wie Cholera ausgeliefert. Die Wege zu medizinischer Versorgung sind weit und gefährlich. Millionen verlieren ihre Häuser und werden aus ihrer Heimat vertrieben.

↑ Südsudan

Stephen Manyan Chang watete zwei Stunden lang durch brusthohes Wasser, um unsere Klinik im Südsudan zu erreichen. Damit rettete er seinem 13-jährigen Sohn das Leben. „Es gibt keine Straßen zum Krankenhaus, nur Wasser“, erzählt er. Seit August hatten immer wieder schwere Regenfälle zu Überflutungen geführt. Mehr als 800.000 Menschen sind durch das Hochwasser von Nahrungsmittel- und Trinkwasserknappheit bedroht.