Jahresrückblick 2019

Hürden, Hoffnung, Humanität

2019 war ein sehr ereignisreiches Jahr. Manche humanitären Notlagen erfuhren medial mehr Aufmerksamkeit als andere. Insbesondere diejenigen Krisen, die sich in Europas Nähe abspielen, wie auf der Balkanroute, auf den griechischen Inseln, in Libyen oder auf dem Mittelmeer bleiben im Gedächtnis. Doch auch in Bangladesch, im Jemen, in Mexiko oder in Mosambik brauchten Menschen 2019 humanitäre Hilfe. Weltweit waren unsere Mitarbeiter*innen im Einsatz, um Menschen in Not mit medizinscher Versorgung und psychologischer Unterstützung zur Seite zu stehen. Millionen waren von Epidemien und Mangelernährung betroffen, viele haben aufgrund von bewaffneten Konflikten oder klimabedingten Krisen ihre Lebensgrundlagen verloren. Doch gab es immer wieder auch Momente der Hoffnung, Menschen die aufgefangen und Leben, die gerettet werden konnten. Und auch 2019 hat sich einmal mehr gezeigt, dass man Krisen überstehen kann, wenn Menschen sich gegenseitig unterstützen.

Manche Krisen bestehen schon seit vielen Jahren, andere erreichen uns ganz unvermittelt und verlangen schnelles Handeln. Immer begegnen unseren Teams dabei Menschen, deren Lebensfreude und Kraft unsere Arbeit erst wirksam werden lassen. Darum arbeiten wir mit Leidenschaft ...

von Mensch zu Mensch

Spürbare Grenzen, unsichtbare Schicksale

Die Mehrzahl der Menschen, die von Vertreibung betroffen sind, suchen innerhalb ihres Herkunftslandes Schutz. Andere sehen sich gezwungen, ihre Heimat zu verlassen, um eine Perspektive zu haben. Die Grenzen, auf die die Menschen stoßen, sei es auf den griechischen Inseln, dem Balkan, in Libyen oder zwischen Mexiko und den USA, sind für sie schier unüberwindbar. Die individuellen Schicksale der Gestrandeten bleiben meistens verborgen.

Viel zu oft werden allerdings auch ganze Krisenkontexte unsichtbar. Dabei besteht ihre Aktualität unverändert fort. Gerade bei solchen Krisen, die drohen, in Vergessenheit zu geraten - wie in Bangladesch, der Demokratischen Republik Kongo oder in der Zentralafrikanischen Republik - ist unsere Arbeit unverzichtbar. Sowohl, um den Betroffenen medizinisch beizustehen, als auch, um für sie als Sprachrohr aufzutreten und dafür zu sorgen, dass die Weltöffentlichkeit von ihrer Situation erfährt.  

Fünf Tage im Jemen-Krieg

Der Konflikt im Jemen bedeutet seit 2015 enormes Leid für die Bevölkerung. Seit 2017 verschlimmerte sich die Lage noch einmal deutlich. Es gibt kaum Lebensmittel, Wasser und Medikamente und auch Treibstoffe und Transportmöglichkeiten fehlen. Aufgrund des Ausbruchs von Krankheiten und eines zusammengebrochenen Gesundheitssystems leisten wir trotz wiederholter Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen Hilfe, wo immer wir können. Insbesondere das Gebiet zwischen Hodeida und Aden gleicht einer medizinischen Einöde. Für Notfälle gibt es weit und breit nur unser kleines chirurgisches Notfallkrankenhaus in der Hafenstadt Mocha. Mit einer Videoreihe gaben wir im Frühjahr fünf Tage Einblick in den Arbeitsalltag in einem Krankenhaus nahe der Front.

Klima und humanitäre Krisen

2019 haben wir deutlich gesehen, dass Menschen nicht nur aufgrund von bewaffneten Konflikten ihre Lebensgrundlagen verlieren und ihre Heimat verlassen müssen, sondern auch aufgrund von Umweltfaktoren. Stürme, Überschwemmungen und extreme Dürre sind nur einige der Folgen der Klimakrise, die humanitäre Notlagen weltweit verschlimmert. Besonders hart trifft es Menschen in Regionen, die ohnehin bereits von Armut, Krankheit, extremen Wetterverhältnissen sowie einer unsicheren Ernährungssituation betroffen sind.