Italien

Italien: Unser Einsatz gegen das Coronavirus

Unsere Teams unterstützen in Codogno, Norditalien, das Krankenhauspersonal bei der Bekämpfung des Coronavirus. Die Einhaltung hygienischer Maßnahmen ist besonders wichtig.

In Italien unterstützt Ärzte ohne Grenzen aktuell drei Krankenhäuser in der Lombardei, um die Coronavirus-Pandemie einzudämmen. Oberste Priorität: der Schutz des Krankenhauspersonals, das besonders gefährdet ist. Wir helfen Hausärzt*innen und Pfleger*innen, die Covid-19-Erkrankte zu Hause behandeln. In 30 Alten- und Pflegeheime in der Region Marken im Osten des Landes (u.a. in Fabriano, Jesi, Senigallia and Ancona) schulen wir das IPC sowie lokale Mitarbeiter bei der Infektionskontrolle. In Rom helfen wir mit einer von uns betriebenen Klinik und Gesundheitsförderung im Selam-Palast, wo mehr als 500 vor allem afrikanische Flüchtlinge leben.

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Insgesamt arbeiten 50 Mitarbeiter*innen in Italien. Die Krankenhäuser sind voll. „In der Notaufnahme des Krankenhauses in Lodi gibt es jetzt 80 Betten“, sagt Chiara Lepora Projektkoordinatorin in Lodi. „Selbst mit dieser zusätzlichen Kapazität ist die einzige Möglichkeit neue Patient*innen einzuweisen, wenn andere Patient*innen sich erholen oder sterben.“

Coronavirus-Pandemie traumatisiert viele Klinikmitarbeiter*innen

Für die Mitarbeiter*innen des Gesundheitswesens in Italien ist die Coronavirus-Pandemie eine neue Situation. „Als wir in Lodi in der Lombardei ankamen, waren viele Krankenhausmitarbeiter*innen offensichtlich traumatisiert“, erzählt Claudia Lodesani, Notfallkoordinatorin unseres Pandemie-Einsatzes in Italien. „ Sie waren geschockt, wie schnell alles dramatisch geworden war. Sie wollten darüber reden – wir hörten zu und fühlten mit ihnen, weil wir diese Erfahrung kannten. Offen zu reden und zu weinen vor Menschen, die verstehen, was man selbst erlebt, ist sehr wichtig. Es zeigt: Du bist nicht allein. Es gibt Kraft weiterzumachen.“

Chiara Lepora erzählt von einer kleinen Bäckerei nahe dem Krankenhaus in Lodi. „Gestern sprach ich mit der Bäckerin, die Krankenhausmitarbeiter*innen aus der Nachtschicht ab 5.00 Uhr morgens mit Kaffee und Croissants versorgt. Sie erzählte, dass viele Ärzt*innen und Pflegekräfte sich mit ihrem Kaffee in eine Ecke setzen und dort weinen. Um das Erlebte zu bewältigen und danach nach Hause zu gehen und sich um ihre Familien zu kümmern, ohne zu zeigen, wie schwer das alles ist.“

Hohes Infektionsrisiko mit dem Coronavirus für Gesundheitspersonal

Im Krankenhaus in Codogno diagnostizierte man erstmals das Coronavirus in Italien. Unsere Ärzt*innen, Pfleger*innen und Hygieneexpert*innen unterstützen täglich das Krankenhauspersonal – und helfen ihnen, sich selbst vor dem Coronavirus zu schützen.  

Das Risiko, sich bei der Arbeit anzustecken, ist hoch: Das Virus verbreitet sich schnell. Es kommen viele Infizierte und Erkrankte Covid-19 in die Gesundheitseinrichtungen. In ganz Italien fehlt es an Schutzkleidung. Viele Helfer*innen wurden schon positiv getestet.

„Bei all dem, was das Krankenhauspersonal tun muss, um sich um die Patienten zu kümmern, haben sie wenig Zeit, über sich selbst nachzudenken“, sagt Carlotta Berutto, Krankenschwester und Koordinatorin unseres Einsatzes in. „Heute helfen wir ihnen, die Pandemie sicher zu bekämpfen, damit sie ihre Arbeit fortsetzen und sich um die Covid-19-Patient*innen wie um alle anderen Kranken kümmern können.“

Coronavirus bringt Mediziner*innen an ihre Belastungsgrenze

Unser Fokus in den Krankenhäusern liegt auf der Infektionskontrolle: Die Mitarbeiter*innen müssen sich vor dem Coronavirus schützen und zugleich die Erkrankten bestmöglich versorgen. „Hier arbeiten alle an ihrer Belastungsgrenze und darüber hinaus. Es ist unglaublich, Menschen zu sehen, die rund um die Uhr arbeiten, die versuchen sich anzupassen, die versuchen zusammenzuarbeiten, um so viele Leben wie möglich zu retten – und das alles angesichts von so viel Tod“, sagt Chiara Lepora.

Erfahrungen teilen im Umgang mit großen Epidemien

„Diese Notsituation betrifft uns alle. Deshalb erfordert die Reaktion Teamarbeit", sagt Angelo Rusconi,  der für uns als Experte für Wasser- und Hygienelogistik in Codogno arbeitet. „Wir teilen unsere Erfahrung im Umgang mit großen Epidemien mit unseren Kolleg*innen in Italien und arbeiten als ein vereintes Team.“

Solange man uns im Einsatz gegen das Coronavirus in Italien braucht, helfen wir. In einer Krise wie dieser mit einem überwältigenden medizinischen Bedarf müssen harte Entscheidungen getroffen werden. „Als Ärzte ohne Grenzen wissen wir das sehr gut aus den kritischen Situationen, mit denen wir weltweit konfrontiert sind“, sagt Chiara Lepora.

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Mit Ihrer Spende ermöglichen Sie es uns, jederzeit auf humanitäre Krisen reagieren zu können, so wie auch jetzt angesichts der Coronavirus-Pandemie. Wir helfen nicht nur in Italien, sondern passen auch überall dort, wo wir bereits vor dem Ausbruch von Covid-19 im Einsatz waren, unsere Hilfe entsprechend an und führen gleichzeitig unsere Nothilfe fort. Denn noch immer benötigen weltweit viele Menschen dringend medizinische Hilfe. Im Tschad impfen wir zum Beispiel Kinder gegen Masern, in Afghanistan oder dem Jemen helfen wir Frauen dabei, ihre Kinder gesund und sicher zur Welt zu bringen. Und wir versorgen in zahlreichen Ländern wie Bangladesch, Mexiko oder dem Südsudan Geflüchtete und Vertriebene.

Dank Ihnen können wir unabhängig, schnell und professionell helfen, überall dort, wo Menschenleben in Gefahr sind.

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