Italien

Italien: Unser Einsatz gegen das Coronavirus

Unsere Teams unterstützen in Codogno, Norditalien, das Krankenhauspersonal bei der Bekämpfung des Coronavirus. Die Einhaltung hygienischer Maßnahmen ist besonders wichtig.

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Denjenigen helfen, die besonders gefährdet sind: In Italien unterstützt Ärzte ohne Grenzen aktuell drei Krankenhäuser in der Lombardei, einem Epizentrum des Ausbruchs, bei der Eindämmung der Coronavirus-Pandemie. Unsere oberste Priorität ist der Schutz des Krankenhauspersonals –  denn es ist in der Krise besonders gefährdet. Zudem haben wir begonnen, Hausärzt*innen und Pfleger*innen, die Covid-19-Erkrankte zu Hause behandeln, zu unterstützen. Außerdem unterstützen wir Alten- und Pflegeheime in der Region Marken im Osten des Landes (u.a. in Fabriano, Jesi, Senigallia and Ancona) bei der Infektionsvorbeugung und -kontrolle. Mit unserer langjährigen Erfahrung in der Bekämpfung von Epidemien helfen wir dabei, das Coronavirus unter Kontrolle zu bekommen.

Wir arbeiten mit einem Team von 40 Mitarbeiter*innen in Italien. Die Krankenhäuser sind hier angesichts der Coronavirus-Pandemie und der vielen Covid-19-Patient*innen an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Unsere Projektkoordinatorin in Lodi, Chiara Lepora erzählt: „In der Notaufnahme des Krankenhauses in Lodi gibt es jetzt 80 Betten. Doch selbst mit dieser zusätzlichen Kapazität ist die einzige Möglichkeit neue Patient*innen einzuweisen, wenn andere Patient*innen sich erholen oder sterben.“

Für viele Krankenhausmitarbeiter*innen ist die Coronavirus-Pandemie traumatisierend

Für die Mitarbeiter*innen des Gesundheitswesens in Italien ist die Coronavirus-Pandemie eine vollkommen neue Situation. Unsere Notfallkoordinatorin für den Einsatz gegen die Pandemie in Italien, Claudia Lodesani, sagt: „Als wir in Lodi in der Lombardei ankamen, war es offensichtlich, wie traumatisiert viele der Krankenhausmitarbeiter*innen waren. Sie waren geschockt, wie schnell alles dramatisch geworden war. Sie wollten darüber reden – wir hörten zu und fühlten mit ihnen, weil wir diese Erfahrung kannten. So offen reden und weinen zu können vor Menschen, die verstehen, was man selbst erlebt, ist sehr wichtig. Es zeigt dir: Du bist nicht allein. Es gibt dir die Kraft weiterzumachen.“

Chiara Lepora erzählt von einer kleinen Bäckerei in der Nähe des Krankenhauseingangs in Lodi. „Gestern habe ich mit der Bäckerin gesprochen. Sie öffnet ab 5.00 Uhr morgens, damit sie den Krankenhausmitarbeiter*innen, die aus der Nachtschicht kommen, einen Kaffee und ein Croissant geben kann. Sie erzählte mir, dass viele der Ärzt*innen und Pflegekräfte ihren Kaffee holen, sich in eine Ecke setzen und anfangen zu weinen. Sie weinen dort, um das Erlebte bewältigen zu können, um nach Hause gehen zu können, damit sie sich um ihre Familien kümmern können, ohne zu zeigen, wie schwer das alles ist.“

Hohes Infektionsrisiko mit dem Coronavirus für Gesundheitspersonal

Im Krankenhaus in Codogno, in dem das neuartige Coronavirus in Italien zum ersten Mal festgestellt wurde, werden rund die Hälfte der 100 Betten gegenwärtig von Patient*innen belegt, die schwer an Covid-19 erkrankt sind. Sie leiden also an der Lungenkrankheit, die durch das neue Coronavirus ausgelöst wird. Unser Team arbeitet täglich Seite an Seite mit dem Krankenhauspersonal, um ihnen zu helfen, sich vor einer Infektion mit dem Virus zu schützen. Dafür sind wir mit Ärzt*innen, Pfleger*innen und Hygieneexpert*innen vor Ort.

Die Mitarbeiter*innen im Gesundheitswesen in Italien sind einem hohen Infektionsrisiko mit dem Coronavirus ausgesetzt. Viele von ihnen wurden positiv auf das Virus getestet. Die Gründe liegen unter anderem in der schnellen Ausbreitung dieses neuen Erregers, über den noch immer sehr wenig bekannt ist. Außerdem kommen an Covid-19 Erkrankte und mit dem Coronavirus Infizierte in rasantem Tempo in die Gesundheitseinrichtungen und in ganz Italien fehlt ausreichend Schutzkleidung für die Helfer*innen. Da das Gesundheitspersonal im Kampf gegen das Coronavirus in der vordersten Reihe arbeitet, ist ihr Schutz so wichtig wie nie.

„Bei all dem, was das Krankenhauspersonal tun muss, um sich um die Patienten zu kümmern, haben sie wenig Zeit, über sich selbst nachzudenken“, sagt Krankenschwester Carlotta Berutto, die unseren Einsatz in Codogno koordiniert und mehr als zehn Jahre Erfahrung in humanitären Einsätzen hat. „Heute helfen wir ihnen, die Pandemie sicher zu bekämpfen, damit sie ihre Arbeit fortsetzen und sich um alle Patienten kümmern können, die von Covid-19 betroffen sind, und um alle anderen Kranken, die eine Behandlung brauchen.“

Das Coronavirus bringt Mediziner*innen an ihre Belastungsgrenze

Unser Fokus in den Krankenhäusern liegt auf der Infektionskontrolle. Wir möchten erreichen, dass sich die Mitarbeiter*innen vor dem Coronavirus schützen können und gleichzeitig die bestmögliche Versorgung der Erkrankten gewährleisten können. Außerdem helfen wir Hausärzt*innen und ambulanten Pflegediensten, die Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind, in Quarantäne zu Hause zu betreuen.

„Hier arbeiten alle an ihrer Belastungsgrenze und darüber hinaus. Es ist unglaublich, Menschen zu sehen, die rund um die Uhr arbeiten, die versuchen sich anzupassen, die versuchen zu lernen, die versuchen zusammenzuarbeiten, um so viele Leben wie möglich zu retten – und das alles angesichts von so viel Tod“, sagt Chiara Lepora.

„Wir teilen unsere Erfahrung im Umgang mit großen Epidemien“

„Diese Notsituation betrifft uns alle. Aus diesem Grund erfordert die Reaktion Teamarbeit", sagt Angelo Rusconi, Experte für Wasser- und Hygienelogistik von Ärzte ohne Grenzen, der in Codogno arbeitet. „Wir teilen unsere Erfahrung im Umgang mit großen Epidemien mit unseren Kolleg*innen in Italien und arbeiten als ein vereintes Team.“

Solange wir in unserem Einsatz gegen das Coronavirus in Italien gebraucht werden, helfen wir den Menschen. In einer Krise wie dieser, in der der medizinische Bedarf überwältigend ist, müssen harte Entscheidungen getroffen werden. „Als Ärzte ohne Grenzen wissen wir das sehr gut aus den kritischen Situationen, mit denen wir weltweit konfrontiert sind“, sagt Chiara Lepora.

Mehr Informationen zu unserem Einsatz gegen das Coronavirus - auch in anderen Ländern.