Humanitäre Debatte

Die Idee der humanitären Hilfe klingt einfach: Nothilfe rettet Leben und lindert Leid inmitten von Krieg und Gewalt. Damit dies gelingt, müssen humanitäre Organisationen unparteilich, unabhängig und neutral sein, da sie nur dann von allen Konfliktparteien akzeptiert werden und den Betroffenen aller Seiten beistehen können.

Die Wirklichkeit aber bleibt oft beträchtlich hinter diesem Ideal zurück, und Ärzte ohne Grenzen stößt immer wieder auf massive Behinderungen. Insbesondere seit dem "Krieg gegen den Terror" (2001) wird humanitäre Hilfe immer stärker als Mittel eingesetzt, um politische oder militärische Ziele zu erreichen obwohl sich z.B. alle europäischen Regierungen im 'European Consensus' darauf verpflichtet haben, dies zu vermeiden und die Unabhängigkeit der humanitären Hilfe unter allen Umständen zu garantieren. Ärzte ohne Grenzen kritisiert seit langem diese politische Vereinnahmung und fordert die entsprechenden Akteure dazu auf, zwischen politischen und militärischen Zielsetzungen einerseits und medizinischer humanitärer Hilfe andererseits zu unterscheiden.

Klärung der Konzepte und der Aufgaben der Akteure

Es gibt politische Gründe oder logistische, militärische oder sogar finanzielle Gründe dafür, dass leidende Menschen vernachlässigt oder nicht erreicht werden. Und obwohl es mehr humanitäre Hilfe denn je auf der Welt gibt, ist sie äußerst ungerecht verteilt. Das verletzt die Grundregel schlechthin der humanitären Hilfe - die Unparteilichkeit. Diese besagt, dass - wie für alle Mediziner - die Schwächsten und Verletzlichsten zuerst behandelt werden müssen, und das nur aufgrund ihrer vitalen Bedürfnisse, ohne jedwede Diskriminierung.

Ärzte ohne Grenzen setzt sich seit vielen Jahren für eine Klärung der Konzepte und der jeweiligen Aufgaben der unterschiedlichen Akteure der humanitären Hilfe ein. Hier können Sie sich anhand von Essays und Debattenbeiträgen über unseren Standpunkt informieren. Die Beiträge stehen Ihnen unter Publikationen zur Verfügung.

Zudem veranstaltet Ärzte ohne Grenzen in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen jedes Jahr den "Humanitären Kongress. Theorie und Praxis der humanitären Hilfe". Auf der Website der Veranstaltung finden Sie auch die Kongressdokumentationen der vergangenen Jahre.