Noch immer sterben zu viele Menschen an Aids - Bericht

Winnie ist 25 und kommt aus Homa Bay, Kenia. Sie wurde 2015 HIV-positiv getestet und musste seitdem oft die Gesundheitseinrichtung und die Behandlung wechseln. 47 Prozent der Betroffenen haben bis heute keinen angemessen Zugang zu Behandlung.

In vielen Ländern Subsahara-Afrikas leben alarmierend viele Menschen mit einem fortgeschrittenen Stadium von HIV oder Aids. Dies zeigt der Bericht „Waiting Isn’t An Option – Preventing and Surviving Advanced HIV“, den Ärzte ohne Grenzen anlässlich der Konferenz der International Aids Society in Paris (23.-26.7.2017) veröffentlicht.

Wie der Bericht zeigt, sterben in von Ärzte ohne Grenzen betriebenen oder unterstützten Kliniken in Guinea, Kenia, Malawi und der Demokratischen Republik Kongo 30 bis 40 Prozent der Patienten mit HIV – rund ein Drittel von ihnen innerhalb von 48 Stunden nach Aufnahme in die Klinik. Die hohe Zahl an Todesfällen sowie an Fällen mit fortgeschrittenem Stadium von HIV oder Aids ist darauf zurückzuführen, dass die Infektion oft zu spät oder gar nicht diagnostiziert wird. Zudem werden die Infektion mit dem HI-Virus oder opportunistische Infektionen oft nicht ausreichend behandelt. Bei Resistenzen oder Behandlungsversagen werden Patienten nicht schnell genug auf neue wirksame Medikamente umgestellt.

Trotz Erfolgen in der Bekämpfung von HIV und Aids haben laut aktuellen Zahlen von UNAIDS noch immer 47 Prozent der Menschen mit HIV keinen Zugang zu einer angemessenen Behandlung.

„Wir dürfen uns nicht von den Erfolgen blenden lassen“, sagt Marco Alves von der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen Deutschland. „Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit HIV ist zwar im Jahr 2016 auf eine Million gesunken. Für Ärzte ohne Grenzen sind das aber noch immer zu viele Tote infolge von HIV – vor allem, weil sie absolut vermeidbar wären. Es muss darum gehen, allen Menschen mit HIV die bestmögliche Gesundheitsversorgung zugänglich zu machen. Dafür müssen Prävention, Behandlung und eine angemessene Betreuung der Patienten dringend weiter ausgebaut werden. Die Vereinten Nationen haben sich dazu verpflichtet, Aids bis 2030 zu beenden. Es ist fraglich, ob das zu schaffen ist in einer Zeit, in der die Finanzierung von Präventions- und Behandlungsprogrammen zu HIV und Aids stagniert und große Geberländer wie die USA ihre Förderung zurückfahren wollen.“

Ärzte ohne Grenzen ist seit Ende der 1990er Jahre in der Behandlung von Menschen mit HIV aktiv. Heute unterstützen Teams der Organisation rund 230.000 Menschen mit HIV in 19 Ländern weltweit. Da sich inzwischen viele Akteure im Kampf gegen HIV engagieren, fokussiert sich Ärzte ohne Grenzen zunehmend auf die Unterstützung von Patienten mit fortgeschrittenem Stadium von HIV und Aids, die derzeit zu den am stärksten vernachlässigten Patientengruppen gehören.