Haiti

Drei Monate nach dem Hurrikan: Verteilung von Hilfsgütern für Familien in Süd-Haiti

Bewohner des abgelegenen Ortes Douillette im Südwesten Haitis empfangen Hilfsgüter, die im Rahmen einer Verteilaktion von Ärzte ohne Grenzen ausgegeben werden.

Vor drei Monaten, im Oktober 2016, fegte Hurrikan „Matthew“ über Haiti hinweg: Hunderte Menschen starben, tausende Häuser wurden zerstört. Ärzte ohne Grenzen leistete vor Ort dringende medizinische Nothilfe und startet nun eine große Verteilaktion von Hilfsgütern. Diese kommen rund 10.000 Familien zugute, die in der bergigen Region Sud-Ouest leben. Dieser südwestliche Teil der Insel wurde durch den Wirbelsturm besonders schwer getroffen.

Baumaterial, Hygienekits, Behelfsmittel für die Wasserspeicherung, Reinigungstabletten, Decken und Energieriegel - all das verteilen derzeit unsere Teams an 9.530 Familien in einer der entlegensten Regionen Haitis. Jede dieser Familien erhält auch zehn Wellblech-Platten, mit denen das Dach für eine 12m²-Unterkunft gebaut werden kann. So haben die Menschen eine Behausung mit einem Mindestmaß an Würde.

Menschen haben kaum Schutz vor Wind und Wetter

„In dieser entlegenen Bergregion waren die Menschen gezwungen, ihr Zuhause schnellstmöglich wiederaufzubauen - und zwar mit Material, das vom Wind angetrieben worden war, oft zerbrochen und löchrig. Die schlechte Substanz der Häuser schützt die Bevölkerung nicht ausreichend vor der Naturgewalt, besonders den schweren Regenfällen. Das wiederum hat direkte Auswirkungen auf ihre Gesundheit“, erklärt Lily Caldwell, die unsere Nothilfeteams vor Ort koordiniert.

Die Koordination der Verteilaktion, die mit Unterstützung des Welternährungsprogramms (WFP) durchgeführt wird, ist eine riesige Herausforderung. Denn diese Region zu erreichen, ist besonders schwer. Es gibt oftmals keine richtigen Straßen und es herrscht eine schwierige Sicherheitslage. „Das schlechte Wetter engt oft unser Zeitfenster ein, in dem wir aktiv werden können. Manchmal haben selbst unsere Helikopter Flugverbot. Sie sind unsere einzige Möglichkeit, diese isolierten Gebiete zu erreichen. Die langen Verzögerungen sind äußerst frustrierend für die Bevölkerung. Deshalb müssen unsere Einsatzteams oft viel Zeit darauf verwenden, unsere Hilfsaktivitäten zu erklären. Erst dann können wir fortfahren und sicherstellen, dass die Verteilung unter den richtigen Rahmenbedingungen stattfinden kann. All das braucht dann nochmals mehr Zeit!“ so Lily Caldwell.

„Wir sind sehr dankbar für die Hilfe.“

„Welche Freude, all diese Dinge von Ärzte ohne Grenzen zu bekommen! Es ist wie ein Schluck frisches Wasser, nachdem man tagelang nichts zu essen oder zu trinken hatte. Wir brauchen mehr, sind aber wirklich sehr dankbar für diese Hilfe“, so Jean Marc, Bewohner des Dorfes Chardonnières. Wir haben die Aktivitäten zusammen mit den Gemeinden geplant, um den Erfolg der Hilfsaktion zu gewährleisten.

„Die Verteilung funktioniert wirklich gut. Während ein Team von Ärzte ohne Grenzen anwesend ist, holt ein Familienmitglied die Hilfsgüter für die Familie von einem Dorf-Repräsentanten ab. Dieser wiederum hat all die Dinge vorab entgegengenommen“, erklärt François Giddey erfreut. Er koordiniert die Verteilaktion vor Ort.

Soforthilfe nach der Naturkatastrophe

Im Rahmen der Hilfe nach Hurrikan „Matthew“ sind immer noch 250 nationale und 39 internationale Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Ärzte ohne Grenzen in Haiti im Einsatz. Zusätzlich arbeiten unsere regulären Teams in sechs Gesundheitseinrichtungen im Land.

Nach dem Wirbelsturm versorgten wir die Gebiete Grand'Anse, Sud und Nippes mit medizinischer Soforthilfe. Auch die Krankenhäuser in Nord, Artibonite und Ouest wurden unterstützt, damit sie besser auf den Bedarf der Menschen reagieren konnten. Die Organisation versorgte während des Hurrikans 832 Verletzte und betreute 6.341 Patienten und Patientinnen, darunter 458 Cholera-Kranke. Es wurden außerdem 26 Wasserstellen gereinigt und mehr als 10 Millionen Liter sauberes Trinkwasser mittels Tankwagen bereitgestellt. Gleichzeitig wurden in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium 13.800 Menschen in den am schwersten betroffenen Gebieten gegen Cholera geimpft. Im Jahr 2017 wird Ärzte ohne Grenzen weiterhin laufend in Port-à-Piment präsent sein, um die dort angebotenen Gesundheitsleistungen zu verstärken.

Ärzte ohne Grenzen ist seit dem Jahr 1991 laufend in Haiti tätig. Heute ist die Organisation in sechs Krankenhäusern der Region Port-au-Prince aktiv: Im auf Verbrennungsopfer spezialisierten Drouillard-Krankenhaus, im Notfallzentrum Martissant, in der chirurgischen Traumaklinik Nap Kenbe, im CRUO-Referenzzentrum für geburtshilfliche Notfälle, in der Pran Men'm-Klinik für Betroffene sexueller Gewalt sowie im Rahmen einer Cholera-Soforthilfe-Einrichtung, die innerhalb weniger Stunden einsatzbereit ist. Ärzte ohne Grenzen unterstützt auch das Gesundheitsministerium im Rahmen des Diquini-Zentrums bei der Versorgung von Cholera-Kranken.