Griechenland

Covid-19: Von der Leyen muss dringend Evakuierungen aus griechischen Lagern umsetzen

Schutzbedürftige Personen müssen schnell in andere EU-Staaten umgesiedelt werden. "Die Zeit läuft ab", warnt Florian Westphal, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen.

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Berlin, 2. April 2020. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen muss dringend die Evakuierung von Geflüchteten mit hohem Covid-19-Risiko aus den überfüllten EU-Hotspots beschleunigen. In der Pflicht sind die griechische Regierung und die übrigen EU-Mitgliedstaaten. Die Umsiedlung von 1.600 schutzbedürftigen Personen in andere EU-Staaten, auf die sich sieben Mitgliedstaaten Anfang März geeinigt hatten, muss rasch umgesetzt werden, fordert Florian Westphal, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland. „Die Zeit läuft ab“, warnt er. 

„Es ist nun drei Wochen her, seit sieben EU-Staaten vereinbart haben, Schutzbedürftige aufzunehmen. Doch bislang konnten kein einziges Kind, keine Frau und kein Mann die gefährlichen Lager verlassen und die Europäische Kommission hat als Koordinierungsstelle immer noch keine Lösung gefunden, um die angebotene Aufnahme umzusetzen“, so Westphal. „Wir verstehen nicht, warum dies so lange dauert, während gleichzeitig die Covid-19-Pandemie eine potenziell tödliche Bedrohung für die auf den Inseln festsitzenden geflüchteten Menschen darstellt. Seit Wochen sehen wir eine Katastrophe auf die Lager zukommen und verzweifeln langsam, weil niemand sich verantwortlich zu fühlen scheint. Deutschland will Kinder mit komplexen chronischen Krankheiten aufnehmen, die zur Covid-19-Risikogruppe gehören. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen behandeln allein auf Lesbos etwa 100 solcher Kinder, die eine spezielle Behandlung benötigen. Sie müssen jetzt dringend aus diesen gefährlichen Bedingungen geholt werden.“

Einen Ausbruch von Covid-19 in den überfüllten Lagern auf den griechischen Inseln einzudämmen wäre unmöglich. In einigen Teilen des Lagers Moria auf Lesbos müssen sich 1.300 Menschen den Zugang zu Wasser an einem Hahn teilen, und es gibt keine Seife. Familien müssen zu fünft oder sechst auf drei Quadratmetern schlafen. Das griechische Gesundheitsministerium hat einen Plan aufgestellt, um potenzielle Fälle von Covid-19 in den Lagern zu behandeln. Angesichts der Beschränkungen bei Personal, Ausrüstung und verfügbarem Platz ist dies jedoch unrealistisch. 

„Wir brauchen sofort eine Notevakuierung aller Geflüchteten der Covid-19-Hochrisikogruppe, bevor das Virus in die Lager gelangt - das heißt, von Menschen über 65 Jahre und von Patienten mit chronischen Erkrankungen“, so Westphal. „Auf Lesbos und Samos sind dies ungefähr 600 Personen und ihre Familien. Der Aufenthalt in den Lagern während eines Covid-19-Ausbruchs könnte ihr Leben gefährden. Ursula von der Leyen ist Ärztin, spezialisiert auf öffentliche Gesundheit. Sie weiß, dass diese Menschen in den EU-Hotspots gefährdet sind. Sie muss jetzt gemeinsam mit der griechischen Regierung alles tun, um in einem ersten Schritt Hochrisikogruppen dort herauszuholen.“

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen auf Lesbos und Samos stehen in Kontakt mit den griechischen Gesundheitsbehörden und sind bereit, das Gesundheitsministerium zu unterstützen. Bisher leisten die Teams Gesundheitsaufklärung zu Covid-19. In der Kinderklinik außerhalb des Lagers Moria durchlaufen Patienten ein spezielles Screening. Haben sie Husten, Durchfall, Erbrechen oder Fieber, werden sie in einen speziellen Triage-Bereich geleitet. Wenn Patienten Covid-19 typische Symptome haben, wenden sich die Teams an die griechischen Gesundheitsbehörden. So kann auch die reguläre Gesundheitsversorgung durch Ärzte ohne Grenzen fortgesetzt werden.