Geschichte: 2005 - 2006

Nach einem Tsunami im Dezember 2004 ist die Stadt Meulaboh in Indonesien zu 50 Prozent zerstört und die Region nur noch per Hubschrauber oder Boot zu erreichen. Ärzte ohne Grenzen leistet medizinische Notfallhilfe im lokalen Krankenhaus und mit mobilen Kliniken.

2006

  • Obwohl der Krieg in der Demokratischen Republik Kongo offiziell beendet ist, hat sich die Situation der Bevölkerung in einigen Landesteilen nicht verbessert. Die Programme in der D.R. Kongo gehören zu den größten der Organisation. Im März arbeiten allein in Katanga mehr als 50 internationale und fast 1.000 nationale Mitarbeiter.
  • Zehntausende Menschen sind von der schlimmsten Choleraepidemie in der Geschichte Angolas betroffen. Die Organisation wird bis Juni 2006 26.000 Menschen versorgen und rund 400 Tonnen medizinische und logistische Hilfsgüter vor Ort bringen.
  • Auf das Erdbeben auf Java am 26. Mai 2006 reagieren lokale Nothilfeteams schnell, kümmern sich um die Schwerstverletzten und führen innerhalb der ersten Tage nach der Katastrophe rund 5.000 chirurgische Behandlungen durch. Dennoch sind die Krankenhäuser durch die immense Zahl von Patienten völlig überfordert. Daher leistet Ärzte ohne Grenzen medizinische Hilfe.
  • Am 12. Juli 2006 beginnen schwere Kämpfe zwischen der Hisbollah und Israel, in deren Verlauf es zu großen Zerstörungen im Libanon kommt: Rund eine Millionen Libanesen werden zu Vertriebenen im eigenen Land. Viele von ihnen haben auf ihrer Flucht kaum Zugang zu medizinischer Versorgung und Trinkwasser. Während der einmonatigen Kampfhandlungen können durch Ärzte ohne Grenzen insgesamt mehr als 60.000 Vertriebene mit Hilfsgütern versorgt werden.
  • Wachsende Sicherheitsprobleme bei zurückgehender internationaler Hilfe verschärfen die schwierige Lage der Bevölkerung in der sudanesischen Krisenregion Darfur. Nach drei Jahren des Konfliktes, in dem Millionen von Vertriebenen täglich mit Gewalt und Krankheiten zu kämpfen haben, gestaltet sich der Zugang zu den Menschen schwieriger als je zuvor. Mehr als 2.000 internationale und sudanesische Mitarbeiter arbeiten in den drei Provinzen der Region. Mit einem geplanten Volumen von fast 20 Millionen Euro für 2006 gehören die Projekte in Darfur zu den wichtigsten der medizinischen Hilfsorganisation weltweit.
  • In der zweiten Novemberhälfte kommt es im Grenzgebiet zwischen Somalia und Kenia nach heftigen Regenfällen zu schweren Überflutungen. So sind z.B. die Stadt Dadaab und ihre Umgebung betroffen, und dort vor allem Lager, in denen bis zu 140.000 Flüchtlinge aus Somalia untergebracht sind. Von Dadaab aus sind für Ärzte ohne Grenzen Helikopter im Einsatz, um Hilfsgüter zu verteilen.

2005

  • Wenige Tage vor Jahresbeginn 2005 erschüttert am 26. Dezember 2004 ein schweres Seebeben Südasien. Die ersten Teams von Ärzte ohne Grenzen erreichen die betroffenen Gebiete innerhalb von 24-48 Stunden nach der Katastrophe. Sie bringen Hilfsgüter, helfen bei der Wasser- und Sanitärversorgung und leisten medizinische sowie psychosoziale Hilfe. Im Laufe des Jahres konzentrieren sich die Aktivitäten vor allem auf die Provinz Aceh in Indonesien sowie auf Indien. Das Nothilfeprogramm in Sri Lanka wird im April 2005 geschlossen, und in Thailand entwickelt sich aus der Hilfe nach dem Tsunami ein Projekt zur Unterstützung der Wanderarbeiter aus Myanmar.
  • Ärzte ohne Grenzen verstärkt die Hilfsprogramme in Niger, um auf die Ernährungskrise zu reagieren, von der insbesondere Kinder stark betroffen sind. Die Anzahl unterernährter Kinder in den Programmen der Organisation steigt im Vergleich zum Vorjahr drastisch an. Die internationalen Maßnahmen reichen auch im Laufe des Jahres nicht aus, um der Lage angemessen zu begegnen. Die Teams behandeln rund 60.000 schwer unterernährte Kinder und verteilen Nahrungsmittel an Familien von unterernährten Kindern.
  • Ärzte ohne Grenzen wirft der Führung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor, sich nicht genug für eine Verbesserung des Zugangs zu erschwinglichen Medikamenten in ärmeren Ländern einzusetzen. Im Juni 2005 unterstützt die Organisation einen Appell, in dem die Entwicklung neuer Medikamente, Diagnosetests und Impfungen gegen Krankheiten gefordert werden, die vor allem ärmere Länder betreffen. Die Unterzeichner fordern die politische Führungsriege auf, Prioritäten für die Forschung zu setzen und finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Forschung und Entwicklung sollen auch dadurch gefördert werden, dass Barrieren durch beispielsweise geltendes Patentrecht reduziert werden.
  • Angesichts zunehmender Gewalt in Haitis Hauptstadt Port au Prince fordert Ärzte ohne Grenzen alle bewaffneten Gruppen auf, die Sicherheit der Zivilbevölkerung zu respektieren und Verwundeten sofortigen Zugang zu medizinischer Versorgung zu gewähren. In dem Operations- und Behandlungszentrum, das Ärzte ohne Grenzen seit Dezember 2004 in Port au Prince betreibt, haben die Mediziner, darunter auch Chirurgen, über 3.100 Patienten versorgt. Mehr als 1.100 Patienten hatten
  • Ärzte ohne Grenzen ist alarmiert über das Ausmaß an Gewalt, unter dem afrikanische Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa in Marokko leiden. Die Organisation betreut Einwanderer aus dem subsaharischen Afrika in Marokko. Medizinische Daten und Zeugenaussagen belegen, dass etwa ein Viertel der ärztlichen Behandlungen durch direkte oder indirekte Gewaltanwendung nötig wurden. Im Oktober 2005 stößt ein Team von Ärzte ohne Grenzen in der Wüste im Süden Marokkos auf 500 Einwanderern aus dem subsaharischen Afrika und leistet medizinische Hilfe. Die Menschen berichten, die marokkanische Polizei habe sie in die Wüstengegend 600 Kilometer südlich von Oujda gebracht, nachdem sie von der spanischen Polizei abgeschoben worden waren.
  • Ärzte ohne Grenzen leistet nach dem schweren Erdbeben am 8. Oktober 2005 in Kaschmir sowohl im pakistanischen als auch im indischen Teil Hilfe, zudem in der pakistanischen Nord-West-Provinz. Die Teams konzentrieren sich vor allem auf die Hilfe für die Überlebenden in abgelegenen Bergdörfern. Als Hilfe für den Winter verteilen die Teams Zelte, Decken und Kits mit Baumaterialien - darunter Bleche, Plastikplanen und Werkzeuge. Zudem leisten sie medizinische und psychosoziale Hilfe.

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