Geschichte: 2003 - 2004

Nach einem schweren Erdbeben im Iran entsendet Ärzte ohne Grenzen 2004 Teams mit mobilen Kliniken nach Bam. Viele Familien haben ihre Zelte neben den Ruinen ihrer Häuser aufgebaut.

2004

  • Wenige Tage vor Jahresbeginn 2004 erschüttert im Iran ein schweres Erdbeben die Stadt Bam. Ärzte ohne Grenzen ist bereits am gleichen Tag vor Ort und schickt u.a. Dialysegeräte in das Chafa-Krankenhaus in Kerman. Nierenspezialisten helfen dort bei der Behandlung des so genannten Crush-Syndroms, das infolge einer Verschüttung entstehen kann.
  • Die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und den Rebellen der "Lord´s Resistance Army" (LRA) im Norden Ugandas führen zu brutalen Angriffen auf Hunderttausende Zivilisten. Ärzte ohne Grenzen startet dort ein Nothilfeprogramm für Zehntausende Vertriebene, die vor den Gewaltakten fliehen.
  • Seit Februar 2003 ist die Region Darfur im Westen des Sudans Schauplatz eines Konflikts zwischen Regierungstruppen und Rebellen. Laut Schätzungen der Vereinten Nationen leben dort im März 2004 bereits 700.000 Vertriebene, 170.000 sind in das Nachbarland Tschad geflohen. Ärzte ohne Grenzen warnt vor der sich verschlimmernden Ernährungslage und fordert mehr internationale Hilfe für die Menschen in Darfur. Für die Organisation bleibt der Einsatz im Sudan während des Jahres 2004 einer der größten in ihrer Geschichte.
  • Ärzte ohne Grenzen kündigt die Beendigung aller Projekte in Afghanistan an, nachdem am 2. Juni fünf Mitarbeiter der Organisation erschossen wurden. Sie starben, als ihr Fahrzeug in der nordwestlichen Provinz Badghis gezielt angegriffen wurde. Dieser gezielte Mordanschlag ist beispiellos in der Geschichte der Organisation, die seit über 24 Jahre in Afghanistan tätig war. Bis zur Ermordung der fünf Mitarbeiter arbeitete Ärzte ohne Grenzen mit 80 internationalen sowie 1.400 afghanischen Mitarbeitern in 13 Provinzen des Landes.
  • Ärzte ohne Grenzen befragte Anfang 2004 Menschen, die als Vertriebene in Tschetschenien leben oder nach Inguschetien geflohen sind nach der Geschichte ihrer Vertreibung, nach ihren Lebensumständen sowie nach ihrem allgemeinen, psychischen und gesundheitlichen Befinden. Im August wird der Bericht mit dem Titel "The Trauma of ongoing War in Chechnya" veröffentlicht. Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass sowohl bei den Vertriebenen als auch bei den Flüchtlingen Unsicherheit und unterdurchschnittlich schlechte Lebensbedingungen vorherrschen.

2003

  • Seit Beginn des US-geführten Kriegs gegen den Irak befindet sich ein sechsköpfiges Team von Ärzte ohne Grenzen vor Ort. Die Mitarbeiter unterstützen das Personal des "Al-Kindi"-Krankenhauses. Nach dem Ende des Kriegs arbeitet Ärzte ohne Grenzen vor allem in den Vierteln eines armen Gebietes in Sadr Stadt, in dem es an jeglicher Gesundheitsversorgung fehlt.
  • G8-Treffen in Evian: Ärzte ohne Grenzen fordert die Regierungen dazu auf, ihren finanziellen Zusagen für den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria nachzukommen. Allein in diesem Jahr fehlen dem Fonds 1,4 Milliarden US-Dollar. Die deutsche Regierung hat bis zu diesem Zeitpunkt lediglich zwölf Millionen US-Dollar in den Fonds einbezahlt. Damit stellt Deutschland das Schlusslicht unter den G8-Staaten dar.
  • Bereits im Mai kommt es im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo zu schweren Unruhen. Ärzte ohne Grenzen nimmt angespannter Lage die Arbeit in der Stadt Bunia (Region Ituri) wieder auf.
  • Im Sommer spitzt sich die Lage in Liberia und vor allem auch in der Hauptstadt Monrovia zu. Die Situation für die Bevölkerung in der umkämpften Stadt ist dramatisch. Nachdem das letzte öffentliche Krankenhaus evakuiert werden musste, errichtet Ärzte ohne Grenzen auf dem Gelände der Organisation provisorische Notkliniken. Aber auch außerhalb der Stadt wird gekämpft: Aus Montserrado County strömen Tausende Vertriebene nach Monrovia, wo sie Zuflucht im Samuel Doe Stadion suchen. Dort sind bereits 20.000 Vertriebene untergebracht.
  • Diskriminierung, Gewalt und Zwangsarbeit haben in den Jahren 1991-1992 eine Massenflucht von mehr als 250.000 muslimischen Rohingya aus Myanmar (Birma) ausgelöst. Heute leben noch rund 19.000 Rohingya in zwei Flüchtlingslagern in Bangladesch nahe Cox Bazar. Nachdem das Gesundheitsministerium von Bangladesch und der UNHCR dort die medizinische Versorgung übernommen haben, beendet die Organisation ihre elfjährige medizinische Arbeit in den Lagern.
  • Allein im Oktober 2003 kommen 600 Flüchtlinge auf der süditalienischen Insel Lampedusa an. Viele der von Libyen aus über das Meer fliehenden Menschen sterben bei der Überfahrt nach Europa. Ärzte ohne Grenzen fordert die italienische Regierung dazu auf, ihrer Verantwortung für das Schicksal dieser Menschen gerecht zu werden. Nach wie vor ist die Aufnahme der Flüchtlinge nicht organisiert, sie erhalten kaum Unterstützung und keinerlei Auskünfte über ihre Rechte.

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