Geschichte: 2000 - 2002

In ein Ernährungszentrum in Angola werden Lebensmittel geliefert. Ärzte ohne Grenzen kritisiert 2000, dass die Bevölkerung des Landes immer wieder zur Zielscheibe von Gewalt wird.

2002

  • Ärzte ohne Grenzen macht mehrfach auf die Nahrungsmittelkrise in Afghanistan aufmerksam und versorgt in neun Provinzen des Landes unterernährte Menschen in Ernährungszentren. Die Mitarbeiter unterstützen in vielen Teilen des Landes Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen und stellen mit mobilen Kliniken die medizinische Versorgung der Bevölkerung sicher.
  • Obwohl UN-Truppen anwesend waren, wurde 1995 in Srebrenica ein Massenmord an bosnischen Männern begangen. Ärzte ohne Grenzen nimmt die Veröffentlichung eines Berichts des Niederländischen Instituts für Kriegsdokumentation (NIOD) zum Anlass, die internationale Gemeinschaft dazu aufzurufen, die damalige Rolle des Einsatzes der holländischen UN-Soldaten in der bosnischen Enklave Srebrenica sorgfältig zu analysieren. Nur so kann die Voraussetzung dafür geschaffen werden, dass es zukünftig nicht mehr zu einer solchen Katastrophe kommen kann und Menschen in akuten Konfliktsituationen angemessen geschützt werden.
  • Nach dem Waffenstillstandsabkommen in Angola Anfang April erhält Ärzte ohne Grenzen erstmals Zugang zu Gebieten, die über mehrere Jahre von humanitärer Hilfe abgeschnitten waren. Zeugenaussagen belegen, dass die Zivilbevölkerung während der Kriegsjahre in Angola extremer Gewalt ausgesetzt war. Die Mitarbeiter berichten von Tausenden hungernden und kranken Menschen, die dringend Hilfe benötigen. Die Krankheits- und Sterblichkeitsraten sind so hoch wie nirgends sonst seit der Hungersnot im Sudan 1998. In kurzer Zeit wird der Einsatz in Angola für Ärzte ohne Grenzen zur größten Hilfsaktion weltweit.
  • In einem Bericht macht die internationale Organisation Ärzte ohne Grenzen alle Konfliktparteien im Sudan für die hohe Zahl der Todesfälle unter der Zivilbevölkerung in der südwestlichen Provinz Western Upper Nile (WUN) verantwortlich. Ärzte ohne Grenzen zufolge greifen alle Kriegsfraktionen zunehmend Zivilisten und medizinische Einrichtungen an. Ärzte ohne Grenzen fordert die sudanesische Regierung, die Rebellenorganisation SPLA sowie Milizen auf, alle Angriffe auf Zivilisten, medizinisches Personal und medizinische Einrichtungen zu stoppen.
  • Im August wird in Dagestan ein Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen entführt. Arjan Erkel war dort als Landeskoordinator für Ärzte ohne Grenzen tätig. Die Aktivitäten in Dagestan und Tschetschenien werden daraufhin ausgesetzt, in Inguschetien nimmt Ärzte ohne Grenzen die Projektarbeit nach einigen Wochen wieder auf. Ärzte ohne Grenzen fordert die unbekannten Täter auf, Arjan Erkel sofort und bedingungslos freizulassen. Der Kollege kommt schließlich im April 2004 frei.

 

2001

  • Im Januar und Februar ereignen sich schwere Erdbeben in El Salvador und Indien. Ärzte ohne Grenzen schickt medizinische Teams und Hilfsgüter in beide Regionen.
  • Im Süden Guineas spitzt sich die Flüchtlingstragödie weiter zu. Es wird geschätzt, dass rund 400.000 Menschen vor den Bürgerkriegen in Sierra Leone und Liberia nach Guinea geflohen sind. Ärzte ohne Grenzen leistet medizinische Nothilfe, wo immer der Zugang zu den Flüchtlingen möglich ist.
  • Zwei Entführungen gehen glimpflich aus. In Kolumbien wird ein Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen nach sechs Monaten unversehrt freigelassen, in Tschetschenien geht die Entführung eines Mitarbeiters nach einem Monat zu Ende. Beide Mitarbeiter befinden sich in guter gesundheitlicher Verfassung.
  • Innerhalb von sechs Wochen unterzeichnen über 300.000 Menschen und 131 Organisationen aus 132 Ländern eine Petition von Ärzte ohne Grenzen, die die Pharmafirmen zur Rücknahme ihrer Klage gegen die südafrikanische Regierung aufruft. Aufgrund massiver weltweiter Proteste ziehen im April 39 Pharmaunternehmen ihre seit drei Jahren anhängige Klage bedingungslos zurück. Damit kann das 1997 von der südafrikanischen Regierung verabschiedete Gesetz in Kraft treten, das den Import kostengünstiger Arzneimittel und den Gebrauch von erschwinglichen Generika (Nachahmerpräparaten) erlaubt.
  • Im Juli kritisiert Ärzte ohne Grenzen die Konfliktparteien in Angola scharf. Die Organisation wirft der Regierung und den UNITA-Rebellen vor, für die Vertreibung von Zehntausenden Menschen verantwortlich zu sein und gleichzeitig den Menschen in den von ihnen kontrollierten Gebieten keine Hilfe zu gewähren. Nach UN-Angaben lebt zudem etwa eine halbe Million Angolaner in Regionen, die für humanitäre Hilfe völlig unzugänglich sind.
  • Ärzte ohne Grenzen versucht erneut die internationale Aufmerksamkeit auf die humanitäre Katastrophe in Afghanistan zu lenken. Doch erst die Terroranschläge in den USA und die darauf folgenden Bombenangriffe auf Afghanistan rücken das Land wieder ins Zentrum des öffentlichen Interesses. Während fast alle internationalen Mitarbeiter wegen der Sicherheitslage in Afghanistan aus den Projekten evakuiert werden müssen, laufen währenddessen viele Projekte mit Hilfe der nationalen Mitarbeiter weiter.

2000

  • Im südlichen Afrika werden zu Jahresbeginn infolge von heftigen Regenfällen und Wirbelstürmen ganze Landstriche überschwemmt. Am schlimmsten trifft es Mosambik, wo die Fluten derart steigen, dass Hunderttausende obdachlos werden und Tausende nur noch per Hubschrauber von Dächern und Bäumen gerettet werden können. Ärzte ohne Grenzen schickt mehrere Teams vor Ort.
  • Ärzte ohne Grenzen ruft die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) auf, die Stationierung einer Beobachtermission für Tschetschenien zu veranlassen. Einer Untersuchung von Ärzte ohne Grenzen zufolge sind viele Gesundheitseinrichtungen schwer beschädigt, und es besteht ein akuter Mangel an Medikamenten und medizinischem Material. Trotz des großen Bedarfs ist der Zugang für humanitäre Organisationen aus Sicherheitsgründen nur begrenzt möglich.
  • Im Norden Ugandas kommt es zu einem Ebola-Ausbruch. Da es keine Behandlung für Ebola gibt, konzentrieren sich die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen darauf, die Bevölkerung über die Übertragungswege der Krankheit zu informieren sowie Infizierte aufzusuchen und zu isolieren. Darüber hinaus wird das nationale Gesundheitspersonal im Umgang mit Patienten geschult.
  • Anlässlich des 25-jährigen Jahrestages der Unabhängigkeit Angolas kritisiert Ärzte ohne Grenzen, dass die Bevölkerung des Landes wieder zur Zielscheibe der Gewalt durch die Konfliktparteien wird. Die Organisation beruft sich dabei auf Zeugenberichte, die ihre Mitarbeiter in verschiedenen Provinzen gesammelt haben.
  • Der Weltsicherheitsrat kündigt Ende Dezember Sanktionen gegen Afghanistan an, falls die Taliban den Terroristen Osama bin Laden nicht ausliefern. Aus Sicherheitsgründen ziehen sich daraufhin die UN-Organisationen zurück. Durch den Abzug der UN verzögert sich die Versorgung der Bevölkerung vor allem in der westlichen Provinz Herat sowie in den Nachbarprovinzen. Seit Juni 2000 sind Zehntausende vor den anhaltenden Kämpfen nach Herat geflohen, wo sie u.a. von Ärzte ohne Grenzen versorgt werden.

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