Geschichte: 1995 - 1999

1999 verleiht das Nobelpreiskomitee in Oslo Ärzte ohne Grenzen den Friedensnobelpreis. Der damalige Präsident James Orbinski spricht in seiner Dankesrede unter anderem den mangelnden Zugang zu lebensrettenden Medikamenten und den Tschetschenienkrieg an.

1999

  • Der Grenzkrieg zwischen Äthiopien und Eritrea, der 1998 begann, flammt im Februar erneut auf. Ärzte ohne Grenzen arbeitet bereits in verschiedenen Landesteilen Äthiopiens und wird auch in der umkämpften Grenzregion aktiv. Erste Kontakte zu den eritreischen Autoritäten werden geknüpft.
  • Ende 1998 erreicht der Bürgerkrieg in Sierra Leone einen blutigen Höhepunkt, in dessen Folge sich die Teams von Ärzte ohne Grenzen kurzfristig zurückziehen müssen. Im Februar kehren fünf Ärzte in die Hauptstadt zurück, später werden die Projekte landesweit wieder aufgenommen.
  • Während des Kosovo-Krieges müssen sich die Teams von Ärzte ohne Grenzen aus Sicherheitsgründen zurückziehen, werden aber in den Nachbarländern Mazedonien, Albanien und Montenegro aktiv. Dort versorgen sie Hunderttausende Flüchtlinge. Ärzte ohne Grenzen plädiert wiederholt für eine strikte Trennung von militärischen und humanitären Aktivitäten, um die Unabhängigkeit der Hilfe sicherzustellen. Nach dem Ende des Krieges werden in verschiedenen Regionen Kosovos Projekte gestartet, um die rückkehrende Bevölkerung zu versorgen.
  • Im August erschüttert ein Erdbeben der Stärke 7,4 auf der Richterskala die Türkei. Bis zu 40.000 Menschen kommen ums Leben. Ärzte ohne Grenzen entsendet vier Teams in die Erdbebenregion, darunter auch Nierenspezialisten, die das sogenannte Crush-Symptom behandeln. Es tritt bei Erdbebenopfern besonders oft auf.
  • Im Zuge der kriegerischen Auseinandersetzungen um die Unabhängigkeit in Ost-Timor wird Ärzte ohne Grenzen Anfang September des Landes verwiesen. Zeitgleich mit der Ausweisung beginnen die Vorbereitungen zur Rückkehr. Zwei Wochen später gelingt es einem ersten Team, Zugang zu den Bürgerkriegsopfern zu erhalten. Nach und nach werden verschiedene Projekte in Ost-Timor gestartet.
  • Im Oktober gibt das Nobelkomitee in Oslo bekannt, dass der Friedensnobelpreis 1999 an MÉDECINS SANS FRONTIÈRES/Ärzte ohne Grenzen verliehen werden soll. Am 10. Dezember wird der Preis übergeben.

1998

  • Im Februar und Mai ereignen sich schwere Erdbeben im Nordosten Afghanistans. Ärzte ohne Grenzen ist eine der ersten Organisationen vor Ort und leistet medizinische Nothilfe.
  • Im Südsudan startet Ärzte ohne Grenzen ein Nothilfeprogramm für die Opfer der Hungerkatastrophe in der Region Bahr el Gazal. Bis zum Ende des Jahres werden in 18 Ernährungszentren mehr als 12.000 schwer unterernährte Kinder versorgt.
  • Die Situation für die Zivilbevölkerung im Kosovo verschlechtert sich zunehmend: Die Menschen werden aus ihren Dörfern verjagt, Häuser werden verbrannt und geplündert. Ärzte ohne Grenzen versucht, die Menschen mit mobilen Kliniken zu erreichen.
  • Im Oktober stellt Ärzte ohne Grenzen die Projekte in Nordkorea ein, obwohl dringend medizinische Hilfe und Lebensmittel benötigt werden. Die Regierung Nordkoreas weigert sich, die akute Not der Bevölkerung anzuerkennen und behindert massiv die humanitäre Hilfe.
  • Am letzten Oktoberwochenende fegt ein Hurrikan mit gewaltiger Kraft über Zentralamerika hinweg: Honduras, Nicaragua und Guatemala werden besonders stark zerstört. Tausende verlieren ihr Leben. Ärzte ohne Grenzen verstärkt die Hilfsprogramme, die bereits in der Region laufen und bringt rund 100 Tonnen Medikamente und medizinisches Material in die betroffenen Länder.

1997

  • In Afghanistan kämpft Ärzte ohne Grenzen erfolgreich darum, den Ausschluss von Frauen zur medizinischen Versorgung in Kabul aufzuheben. Der Zugang zu Krankenhäusern bleibt jedoch für Frauen schwierig.
  • Im April nimmt Ärzte ohne Grenzen die Arbeit in dem von der Außenwelt weitgehend abgeschnittenen Nordkorea auf. In drei Provinzen verteilen die Teams Medikamente an Gesundheitszentren und Krankenhäusern und bauen Ernährungszentren auf.
  • Nachdem die Flüchtlingslager im ehemaligen Zaire Ende 1996 von Rebellenführer Laurent Kabila aufgelöst werden, flüchten Hunderttausende ins Landesinnere. Ärzte ohne Grenzen setzt sich nachdrücklich dafür ein, dass die ruandischen Flüchtlinge Zugang zu humanitärer Hilfe erhalten.

1996

  • In einer großangelegten Gelbfieber-Impfkampagne in Liberia werden in drei Wochen mehr als eine Million Menschen geimpft. Im April müssen alle Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen kurzfristig aufgrund der erneuten brutalen Auseinandersetzungen in Monrovia das Land verlassen. Bereits einige Tage später kann jedoch ein dringend benötigtes chirurgisches Team entsandt werden. Im September eröffnet Ärzte ohne Grenzen ein Ernährungsprogramm in Tubmanburg, da die Bevölkerung dort unter schwerer Unternährung leidet.
  • China: Ärzte ohne Grenzen hilft den Erdbebenopfern der Provinz Yunnan und entsendet nach den heftigen Regenfällen und sich daran anschließenden Überschwemmungen medizinische Teams in die betroffenen Regionen ins Landesinnere.
  • Trotz der Machtübernahme der Taliban-Milizen in Afghanistan kann Ärzte ohne Grenzen die Projekte im Süden, Westen und Norden des Landes sowie in Kabul fortsetzen.
  • Ärzte ohne Grenzen entsendet rund 20 internationale Mitarbeiter sowie mehrere Tonnen medizinisches Material in den Iran, um rund 50.000 kurdische Flüchtlinge zu versorgen, die sich entlang der iranischen Grenze in Flüchtlingslagern gesammelt haben.

1995

  • Ärzte ohne Grenzen ist die einzige private Hilfsorganisation, die nach den schweren Überschwemmungen in Nordkorea tätig werden kann. 143 von 200 Distrikten der Region sind betroffen, Hunderte von Häuser sind zerstört, Lebensmittel werden knapp, Krankheiten breiten sich aus. Zum ersten Mal in der Geschichte hat Nordkorea selbst um internationale Hilfe gebeten.
  • Nach mehr als zwei Jahren Tätigkeit in Ruanda wird die französische Sektion von Ärzte ohne Grenzen zusammen mit 37 weiteren humanitären Organisationen des Landes verwiesen. Zuvor hatte Ärzte ohne Grenzen öffentlich das durch ruandische Truppen verursachte Blutbad im Vertriebenenlager Kibeho sowie die unhaltbaren Zustände in den ruandischen Gefängnissen kritisiert.
  • Bosnien: Im Juli fällt die UN-Sicherheitszone Srebrenica in die Hände der bosnischen Serben. Zwischen 5.000 - 8.000 Zivilisten werden ermordet, Zehntausende werden aus Srebrenica deportiert. Ärzte ohne Grenzen ist die einzige Organisation, die bis zum Fall der Enklave in Srebrenica tätig ist.
  • Der Bürgerkrieg in Sierra Leone erreicht einen neuen gewalttätigen Höhepunkt. Zivilisten werden systematisch ermordet oder grausam verstümmelt. Ärzte ohne Grenzen entsendet chirurgische Teams und alarmiert die Weltöffentlichkeit.

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