Geschichte: 1990 - 1994

Nachdem Ärzte ohne Grenzen 1990 Afghanistan verlassen hat, werden die Projekte zwei Jahre später wieder aufgenommen. 1993 führen unsere Teams eine große Impfkampagne gegen Masern durch: 80% der Kinder im Alter von 6 Monaten bis 5 Jahren werden geimpft.

1994

  • Bosnien: In der von den Serben unter Beschuss genommenen Enklave Gorazde ist Ärzte ohne Grenzen gemeinsam mit dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) die einzige neutrale Informationsquelle über die humanitäre Situation in der Stadt.
  • Das Attentat vom 6. April auf ein Flugzeug des Präsidenten Ruandas führt innerhalb weniger Wochen zu einem Völkermord an bis zu einer Million Tutsi und oppositionellen Hutu. Zum ersten Mal ruft Ärzte ohne Grenzen zu einer militärischen Intervention auf, um dem Völkermord Einhalt zu gebieten, denn "ein Genozid kann nicht mit einer Handvoll Ärzte gestoppt werden".
  • Massenflucht nach Goma: Aus Angst vor Repressalien der siegreichen Rebellentruppen flieht die ruandische Bevölkerung ins benachbarte Zaire. Als die Cholera ausbricht, läuft eine der größten Hilfsaktionen von Ärzte ohne Grenzen mit zeitweise 400 internationalen Mitarbeitern und Tausenden nationalen Helfern an. Einige Monate später verlässt Ärzte ohne Grenzen unter Protest die Lager, da sie von den ehemaligen ruandischen Machthabern und Milizen, den Tätern des Völkermords, kontrolliert werden: Flüchtlinge, die nach Ruanda zurückkehren wollen, werden gewaltsam daran gehindert, unter Druck gesetzt oder getötet, Hilfslieferungen abgezweigt und Helfer bedroht.
  • Am 11. Dezember 1994 beschließt Boris Jelzin nach dreijähriger Blockade, russische Truppen in die autonome Republik Tschetschenien zu entsenden. Drei Monate später besteht die tschetschenische Hauptstadt nur noch aus Ruinen. Tausende tschetschenische Zivilisten, Widerstandskämpfer, aber auch russische Soldaten werden durch Bomben, Granaten und Heckenschützen getötet. Mehr als 420.000 Tschetschenen ergreifen die Flucht und suchen vor allem in den Nachbarländern Inguschetien und Dagestan Zuflucht. Ärzte ohne Grenzen entwickelt Hilfsprogramme für Grosny und den Süden des Landes sowie für die Nachbarländer.

1993

  • Irakisches Kurdistan: Die Nichtregierungsorganisationen werden zur Zielscheibe. Nach der Ermordung eines Mitarbeiters von Handicap International stoppt Ärzte ohne Grenzen sämtliche Aktivitäten.
  • Nach dem Staatsstreich in Burundi und der Ermordung des ersten demokratisch gewählten Präsidenten setzt sich eine Flüchtlingswelle in Bewegung. Ärzte ohne Grenzen leistet medizinische Nothilfe für 600.000 burundische Flüchtlinge in Ruanda, Tansania und Burundi selbst. Innerhalb weniger Wochen befinden sich 180 internationale Mitarbeiter im Krisengebiet im Einsatz.
  • Ärzte ohne Grenzen wird für seinen Einsatz für Flüchtlinge auf der ganzen Welt mit der Nansen-Medaille ausgezeichnet, die durch ein Komitee unter dem Präsidium des UNO-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) vergeben wird.
  • Ärzte ohne Grenzen prangert die Vorgehensweise der Vereinten Nationen in Somalia öffentlich an, da genau jene humanitären Prinzipien verletzt werden, die der Intervention in Somalia zugrunde liegen. So wird beispielsweise das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen durch amerikanische Truppen bombardiert.
  • Ärzte ohne Grenzen entsendet chirurgische Teams nach Srebrenica, Gorazde, Tuzla und Sarajewo.

1992

  • Wiederaufnahme der Projekte im Südsudan und in Afghanistan.
  • Immer mehr Menschen sterben in Somalia aufgrund des Bürgerkrieges und der Hungersnot. Ärzte ohne Grenzen verstärkt die Aktivitäten vor Ort und alarmiert die internationale Öffentlichkeit über die Lage im Land.
  • Im Herbst kritisiert Ärzte ohne Grenzen die sogenannten ethnischen Säuberungen in Bosnien und die durch serbische Truppen verübten Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

1991

  • Bürgerkrieg in Somalia: Anfang Januar schickt Ärzte ohne Grenzen erste Teams und medizinisch-chirurgisches Material sowie logistische Güter.
  • Kurdenkrise im Nahen Osten: Ärzte ohne Grenzen ist in allen Ländern aktiv, die in die Krise verwickelt sind: Syrien, Türkei, Iran, Jordanien, Irak. Im Frühjahr leistet Ärzte ohne Grenzen den bis dahin größten Einsatz: Die aus dem Nordirak geflohenen Kurden werden in der Türkei und im Iran betreut: 57 Flugzeuge bringen 2.000 Tonnen Hilfsmaterial und 150 Mitarbeiter vor Ort.
  • Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien: Bei der Evakuierung der Verletzten aus einem Krankenhaus im belagerten Vukovar (Kroatien) werden zwei Krankenschwestern von Ärzte ohne Grenzen bei einem Anschlag schwer verletzt. Die 150 Kranken, die Ärzte ohne Grenzen nicht evakuieren kann, werden später von den serbischen Truppen ermordet.

1990

  • Erste Projekte im vom Bürgerkrieg geschüttelten Liberia.
  • Ein Logistiker von Ärzte ohne Grenzen wird in Afghanistan ermordet, woraufhin die Organisation die Aktivitäten im Land unterbricht.

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