Georgien

Erste Hilfsmaßnahmen

Nach dem Aufflammen der Kämpfe in Georgien und der abtrünnigen Region Südossetien hat Ärzte ohne Grenzen Teams entsendet, um die Lage zu erkunden. Filipe Ribero, Programmleiter von Ärzte ohne Grenzen, hat mehrere Erkundungen in den Städten Tiflis (Tbilisi) und Gori geleitet, in denen viele Vertriebene Zuflucht gesucht haben. Derzeit gibt es laut seinen Aussagen mehr internationale Hilfsangebote als Möglichkeiten, tatsächlich Hilfe zu leisten. Im Interview geht er auf die Lage vor Ort ein. Ärzte ohne Grenzen hofft, auch Zugang zur abtrünnigen Region Südossetien zu bekommen, bislang ist dies allerdings nicht gelungen.

Wie ist die aktuelle Situation in Georgien?

Die Situation scheint sich zu entspannen. Dennoch bangt die Zivilbevölkerung immer noch, ob die Zukunft wirklich eine schnelle Rückkehr zur Normalität bringen wird. Die jüngsten Konfrontationen haben viele Ängste ausgelöst und die Lage war zunächst extrem angespannt, so dass das Reisen kompliziert war. Dennoch konnten wir uns Ende der vergangenen Woche einfacher bewegen. Nach unseren Beobachtungen organisieren georgische Gesundheitseinrichtungen die Behandlung der Verwundeten umfassend. Wir können zusätzliche Medikamente stellen, wenn nötig.

Welche Bedürfnisse haben die vom Konflikt vertriebenen Menschen?

Wir haben zwei Orte rund um Tiflis besucht, wo sich schätzungsweise 200 bis 500 Menschen versammelt haben. Sie wohnen in öffentlichen Gebäuden, brauchen Wasser und Hilfsgüter wie Kanister, Hygieneartikel und Kochutensilien. Wir werden auch mit mobilen Teams medizinische Versorgung anbieten. Rund um Tiflis werden etwa 20 ähnliche Orte vermutet, die wir in den nächsten Tagen mit einem medizinischen Team besuchen wollen, um gegebenenfalls eine Grundversorgung anbieten zu können.

Was haben Sie in der Stadt Gori beobachtet?

Die Stadt ist menschenleer. Der Großteil der Bevölkerung scheint sie verlassen zu haben. Während des Kurzbesuchs gingen wir zum Militärkrankenhaus, das als einziges noch in Betrieb ist. Sehr wenige Verwundete waren dort untergebracht. Die meisten wurden erstversorgt und dann nach Tiflis überwiesen. Wir wollten auch in den Dörfern um Gori Evaluierungen durchführen, aber es war unmöglich, Zugang zu diesen Gebieten zu bekommen. Wir wollen zurückkehren, sobald die Sicherheit es erlaubt. Ebenso versuchen wir immer noch, für Einschätzungen nach Südossetien zu kommen, aber diese Region bleibt für alle Hilfsakteure in Georgien derzeit unzugänglich.

Wie ist der Stand bei den Programmen von Ärzte ohne Grenzen, die Patienten mit multiresistenter Tuberkulose (MDR-TB) behandeln?

Die beiden Programme in Georgien laufen weiter. Eines liegt in der abtrünnigen Region Abchasien. In der Stadt Sukhumi behandelt unser Team 80 Patienten. In die Stadt Zugdidi (Georgien) sind die internationalen Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen zurückgekehrt, nachdem sie nach einer Aufforderung der georgischen Behörden aus der Stadt evakuiert worden waren. Allerdings sieht es so aus, als ob einige der 120 Patienten nicht für ihre Behandlung zum ambulanten Zentrum zurückgekehrt sind.