Deutschland

G7-Ministertreffen in Berlin muss endlich effiziente Epidemie-Bekämpfung und Forschungsfonds beschließen

Die G7-Gesundheits- und Wissenschaftsminister müssen den gesundheitspolitischen Ankündigungen des G7-Gipfels im Juni in Elmau endlich Taten folgen lassen. Das fordert die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen wenige Tage vor den G7-Ministertreffen Ende dieser Woche in Berlin. Die Organisation kritisiert gleichzeitig die Durchführung zweier paralleler Treffen hinter verschlossenen Türen. „In Elmau haben die Staats- und Regierungschefs auf Initiative von Bundeskanzlerin Merkel mit großen Worten beschlossen, globalen Gesundheitskrisen den Kampf anzusagen. Doch von den bisherigen Ergebnissen sind wir maßlos enttäuscht“, sagt Philipp Frisch von der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen.

„Millionen Patienten leiden an Krankheiten, die sträflich vernachlässigt werden, wie beispielsweise Tuberkulose oder Schlafkrankheit“, so Frisch. „Sie brauchen klare Zusagen der G7-Staaten für ausreichend große Behandlungsprogramme, deutlich mehr Forschungsförderung und eine bessere internationale Reaktion auf Gesundheitskrisen. Die G7-Ministertreffen in Berlin können dafür ein entscheidender Moment sein. Für die Bundesregierung sind sie die letzte Chance im Jahr ihrer G7-Präsidentschaft, die in der Abschlusserklärung von Elmau angekündigten Initiativen gegen globale Gesundheitsgefahren vor dem Scheitern zu bewahren.“

Auf dem G7-Gipfel im Juni hatten die Staats- und Regierungschefs entscheidende Initiativen im Kampf gegen Epidemien wie den Ebola-Ausbruch in Westafrika, vernachlässigte Krankheiten und resistente Krankheitserreger angekündigt. Nun müssen die G7-Minister Krisenreaktionskapazitäten schaffen, damit sich ein Versagen der internationalen Gemeinschaft wie bei der Ebola-Epidemie in Westafrika nicht wiederholt. Zudem sind im Bereich der Gesundheitsforschung dringend Veränderungen nötig. Das Fehlen von Medikamenten, Impfstoffen und Diagnostika gegen Krankheiten wie multiresistente Tuberkulose oder die Chagas-Krankheit kostet schon jetzt jährlich Hunderttausende Menschen das Leben. Die G7-Minister müssen konkrete Reformen des Forschungssystems einleiten und sich mit Blick auf die Weltgesundheitsversammlung im Mai 2016 schon jetzt für die Einrichtung eines nachhaltig finanzierten, globalen Forschungsfonds aussprechen, welcher Koordination, Zusammenarbeit und den Einsatz neuer und innovativer Anreize fördert.

„Uns ist völlig unverständlich, warum die Bundesregierung für das entscheidende Zukunftsthema Gesundheitsforschung in derselben Stadt parallel getrennte Treffen für die Gesundheitsminister und die Forschungsminister ausrichtet, anstatt alle an einen Tisch zu holen. Wir haben die Minister Hermann Gröhe und Johanna Wanka deswegen erfolglos angeschrieben“, so Frisch. „Die Einbindung der Zivilgesellschaft in den offiziellen Vorbereitungsprozess war mangelhaft, und die Treffen werden hinter verschlossenen Türen stattfinden. Von dem angekündigten umfassenden Dialog der deutschen G7-Präsidentschaft mit der Zivilgesellschaft ist vier Monate nach dem Gipfel in Elmau nicht mehr viel übriggeblieben.“