Start der deutschen G20-Präsidentschaft: Ärzte ohne Grenzen fordert mehr Forschung zu Antibiotikaresistenzen

Am 1. Dezember 2016 beginnt die deutsche Präsidentschaft der G20 - der 19 reichsten Länder der Welt sowie der Europäischen Union. Das Gipfeltreffen wird am 7. und 8. Juli in Hamburg stattfinden.
Dazu erklärt Florian Westphal, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland:

"Wir begrüßen es, dass die Bundesregierung mit den Themen "Antimikrobielle Resistenzen (AMR)" und "Reaktionsfähigkeit auf Gesundheitskrisen wie Ebola" zwei Themen hoch auf die Agenda ihrer G20-Präsidentschaft gesetzt hat, die Ärzte ohne Grenzen sehr beschäftigen. Es sind globale Herausforderungen, denen gerade die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer aus allen Teilen der Welt dringend gerecht werden muss. Für die Betroffenen müssen konkrete Verbesserungen erreicht werden. Das muss aber weltweit geschehen, besonders für Menschen in ärmeren Ländern.

Die Bedrohung durch Antibiotikaresistenzen ist beispielsweise nicht nur ein Problem im globalen Norden. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen stellen in ihrer Arbeit in den Projekten zunehmend fest, dass sich resistente Bakterien vermehrt ausbreiten und es kaum noch effektive Antibiotika gibt. Das ist bereits seit Jahren bei resistenten Formen der Tuberkulose besonders dramatisch zu sehen, denn eine Behandlung ist nicht nur langwierig und mit extremen Nebenwirkungen wie Gehörverlust verbunden, sondern der Behandlungserfolg liegt weltweit bei nur rund 50 Prozent. Von den 700.000 Menschen, die 2015 an AMR gestorben sind, waren über ein Drittel Menschen mit resistenter Tuberkulose. In den letzten 50 Jahren wurden aber nur zwei neue Tuberkulose-Medikamente entwickelt. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein.

Auch zweieinhalb Jahre nach dem Ebola-Ausbruch ist die Welt nicht auf eine Gesundheitskrise diesen Ausmaßes vorbereitet

Auch die Ebola-Epidemie in Westafrika hat gezeigt, dass es für Krankheiten, die vor allem arme Menschen betreffen, oft keine geeigneten Impfstoffe, Diagnostika und Medikamente gibt. Und es ist auch 2,5 Jahre nach der Hochphase der Ebola-Epidemie immer noch fraglich, ob die Welt besser auf einen Ausbruch in gleichem oder sogar größerem Ausmaß vorbereitet ist. Die G20 sollten daher ganz konkrete Maßnahmen beschließen, die die globale und vor allem auch die lokale Prävention und die Reaktionsfähigkeit auf Gesundheitskrisen verbessern. Dazu gehört insbesondere auch, dass die heutige biomedizinische Forschung stärker koordiniert und finanziert wird, damit sie sich an den medizinischen Bedürfnissen der Menschen orientiert und nicht daran, was am profitabelsten für die Pharmaindustrie ist. Erst kürzlich hat das "Hochrangige Gremium zum Zugang zu Medikamenten des Generalsekretärs der Vereinten Nationen" sich dafür ausgesprochen, dass Regierungen Forschungsanreize setzen sollten, die dem Konzept von "de-linkage" entsprechen. Damit werden die Forschungskosten vom Produktpreis entkoppelt, so dass Forschung zu Krankheiten auch dann stattfindet, wenn sie keinen hohen Profit verspricht. Die entwickelten Produkte müssen letztlich bezahlbar sein."