G20: Gesundheitsminister müssen global denken

Berlin, 16. Mai 2017. Kurz vor dem Treffen der G20-Gesundheitsminister in Berlin fordert Ärzte ohne Grenzen globale Lösungsansätze für die Probleme Antibiotikaresistenzen, Gesundheitskrisen wie Ebola sowie Angriffe auf Krankenhäuser. Diese Themen betreffen Millionen Menschen weltweit, argumentiert die internationale Hilfsorganisation. Daher müsse es in den Diskussionen auch in erster Linie um die gesundheitlichen Bedürfnisse der Betroffenen gehen, nicht um potentielle Risiken für reichere Länder. Die Gesundheitsminister und –ministerinnen der 19 größten Industriestaaten und der Europäischen Union treffen sich am 19. und 20. Mai 2017 unter deutscher Präsidentschaft.

„Wir rufen die einflussreichsten Regierungen der Welt auf, die Themen Antibiotikaresistenzen, Reaktionsfähigkeit auf Gesundheitskrisen sowie Angriffe auf Krankenhäuser umgehend anzugehen“, schreibt Joanne Liu, internationale Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen in einem offenen Brief an die G20-Gesundheitsminister. „Nur so können alle Menschen weltweit die medizinische Versorgung und die Medikamente erhalten, die sie brauchen.“

Wenn die G20 über die Stärkung nationaler und globaler Gesundheitssysteme sprächen, dürften sie dabei die Zerstörung von Gesundheitssystemen nicht außer Acht lassen, so Liu. „Wir fordern die G20 auf, die UN-Resolution zum Schutz medizinischer Einrichtungen in die Praxis umzusetzen und Angriffe auf Krankenhäuser und deren Mitarbeiter zu stoppen.“

Die G20 müssten außerdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrer Rolle stärken. Wenn die WHO die nötigen Mittel und politische Unterstützung bekäme, könne sie im Fall eines Krankheitsausbruchs zum Wohl der betroffenen Menschen handeln – und nicht erst, wenn potentielle Risiken für reichere Länder bestünden.

Bei den Diskussionen um Antibiotikaresistenzen dürfe es den G20 nicht nur um resistente Krankenhauskeime gehen, es müssten auch resistente Formen der Tuberkulose (TB) Beachtung finden. Jährlich sterben rund 250.000 Menschen an resistenter TB, in die Forschung und Entwicklung geeigneter Therapien wird jedoch seit Langem kaum investiert. „Ich musste mindestens drei Medikamente einnehmen, mehr als 20 Tabletten täglich über zwei Jahre, sowie weitere ergänzende Mittel und Injektionen. Das ist einfach zu viel“, erinnert sich Phumeza Tilise, die Ärzte ohne Grenzen in Südafrika gegen extrem resistente TB behandelte und die durch die Medikamente taub wurde. „Wir fordern die G20 auf, in die Forschung und Entwicklung von wirksamen Therapien und geeigneten Diagnostika für resistente TB zu investieren“, so Liu.

„Die G20 als Gemeinschaft der wirtschaftlich stärksten Nationen weltweit haben es in der Hand, nicht nur im Rahmen der deutschen Präsidentschaft, sondern auch darüber hinaus, einen wirklich globalen Ansatz zu verfolgen, der die Bedürfnisse der Menschen in den Mittelpunkt stellt“, sagt Marco Alves von der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen Deutschland. „Unabhängig davon, ob sie arm oder reich sind.“