Statement der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen zur Abschlusserklärung des G20-Gipfels in China: Mehr Forschung und Entwicklung für neue Antibiotika nötig

Heute endet der G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs der 19 führenden Industrie- und Schwellenländer sowie der Europäischen Union in Hangzhou,
China. Deutschland übernimmt am 1. Dezember 2016 die G20-Präsidentschaft, im Juli 2017 findet der nächste G20-Gipfel in Hamburg statt.
 
Zur G20-Abschlusserklärung sagt Marco Alves, Koordinator der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen Deutschland:
 
„Wir begrüßen, dass die G20 in ihrer Abschlusserklärung anerkennen, dass Antibiotikaresistenzen ein drängendes Problem darstellen. Die Forschung und Entwicklung neuer Impfstoffe, Diagnostika und Medikamente muss dringend stärker vorangebracht werden. Das gilt nicht nur für antibiotikaresistente Infektionen, die heute in reicheren Ländern stark diskutiert werden, sondern auch für vernachlässigte und armutsassoziierte Krankheiten wie Schlafkrankheit oder Tuberkulose, die vor allem Menschen in armen Ländern betreffen. Das heutige Innovationssystem ist fehlgeleitet, weil sich die kommerzielle biomedizinische Forschung zu sehr daran orientiert, womit sich am meisten verdienen lässt. Die Forschung sollte aber dazu beitragen, den dringenden medizinischen Bedarf von Menschen weltweit zu decken und bestehende Forschungslücken zu schließen – darum müssen Regierungen aktiv werden. Es müssen neue Modelle gefördert werden, die Forschungskosten von den Produktpreisen und Verkaufsmengen entkoppeln. So passiert notwendige Forschung auch ohne Aussicht auf hohe Profite, und es wird sichergestellt, dass die entwickelten Produkte auch bezahlbar sind. Die Deutsche Bundesregierung sollte für ihre anstehende G20-Präsidentschaft die wichtigen Impulse aus China übernehmen und in substanzielle Maßnahmen übersetzen.“