Frankreich

Junge Geflüchtete in Paris brauchen mehr Schutz und Unterstützung

Unser Mitarbeiter zeigt einem Geflüchteten den Weg zu unserem mobilen Team im Zentrum von Paris. Wir eröffnen zusätzlich ein Aufnahmezentrum, um vor allem jungen Geflüchteten Unterstützung im Umgang mit den Behörden zu leisten.

Paris/Berlin, 29. November 2017. Viele junge unbegleitete Geflüchtete erhalten in Frankreich weder eine Unterkunft noch Hilfe von den Behörden. Sie kommen nach einer oft anstrengenden und gefährlichen Flucht ohne Familie in Frankreich an und sind gezwungen, dort unter menschenunwürdigen Bedingungen auf der Straße zu leben. Ärzte ohne Grenzen eröffnet am 5. Dezember in Pantin im Großraum Paris ein Aufnahmezentrum, in dem junge Geflüchtete medizinische Hilfe und Unterstützung im Umgang mit den Behörden erhalten.

Bis Ende des Jahres 2017 werden rund 25.000 junge Menschen in Frankreich den Status als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge beantragt haben. Ihre Lage ist derzeit sehr besorgniserregend. „Viele junge Menschen, die angeben, minderjährig zu sein, leben unter entsetzlichen Bedingungen ohne Hilfe auf der Straße, mitten unter Erwachsenen und den Schleppern ausgeliefert. Sie benötigen dringend Schutz, Unterkünfte und eine systematische Unterstützung“, sagt Corinne Torre, Einsatzleiterin von Ärzte ohne Grenzen in Frankreich.

Im Aufnahmezentrum von Ärzte ohne Grenzen werden die jungen Menschen Unterstützung in vier Bereichen erhalten: rechtliche Hilfe, medizinische Versorgung sowie psychologische und soziale Unterstützung. In Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen wie ADJIE, Safe Passage oder Le COMEDE sowie Anwälten der Anwaltskammern von Paris und Seine Saint-Denis werden die Teams von Ärzte ohne Grenzen jeden einzelnen Fall begleiten und rechtlich unterstützen.

„Im Tageszentrum gibt es Platz für rund 50 junge Menschen, die von unseren Partnerorganisationen an uns verwiesen werden. Manche werden gerade in Frankreich angekommen sein, andere auf der Durchreise. Wieder andere haben ihren Status als Minderjährige vielleicht verloren. Wir möchten den jungen Menschen dabei helfen, ihre Rechte zu verstehen und gegebenenfalls Einspruch beim Jugendrichter einzulegen. Wir möchten ihnen auch medizinische Versorgung an einem sicheren Ort anbieten“, so Torre.

Die meisten dieser jungen Menschen waren entlang der Fluchtrouten extremen Gefahren ausgesetzt. In Frankreich sind sie in einer feindlichen Umgebung auf sich allein gestellt. Sie erhalten oft zu wenig oder gar keine transparenten Informationen, es gibt wenig Aufnahmezentren, und sie finden sich bei Behördenwegen nicht zurecht. Einige werden zwar als Minderjährige registriert und vom Jugendamt betreut. Aber jene, deren Antrag abgelehnt wird, sind von jeglichen Leistungen ausgenommen und stehen damit außerhalb des Rechtssystems. Torre: „Wir fordern den uneingeschränkten Schutz dieser jungen Menschen.“