Kommentar von Ärzte ohne Grenzen zur heute veröffentlichten Studie des Tufts Center for the Study of Drug Development

Zu der heute veröffentlichen Studie des „Tufts Center for the Study of Drug Development“ zu den Kosten von Forschung und Entwicklung von Medikamenten erklärt Philipp Frisch, Koordinator der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen:

„Die tatsächlichen Kosten medizinischer Forschung sind immer wieder Gegenstand intensiver Auseinandersetzungen. Die hohen Kosten der Forschung werden von der Industrie immer wieder als Argument für exorbitante Medikamentenpreise angeführt.

Das von der Pharmaindustrie finanzierte Tufts-Zentrum hat heute einen neuen Bericht veröffentlicht, der die Kosten für pharmazeutische Forschung eines neuen Medikaments auf 2,56 Milliarden US-Dollar errechnet. Eine solche Summe kann und darf nicht ernst genommen werden.

Kosten für die Entwicklung eines Medikaments liegen bei ca. 150 Million Euro

 Aus der Erfahrung mit nicht-gewinnorientierter, gemeinnütziger Pharmaforschung wissen wir längst, dass die Kosten für die Entwicklung eines Medikaments (inklusive Verlustrisiko) bei zirka 150 Million Euro liegen*. Darüber hinaus wird schon heute fast die Hälfte aller Forschungsausgaben in diesem Bereich von öffentlichen Institutionen oder durch gemeinnützige Stiftungen finanziert.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die private Pharmaindustrie entweder unbegreiflich ineffizient forscht, oder die von ihr präsentierten Zahlen deutlich aufgeblasen sind. Gleichzeitig werden zentrale Bereiche der medizinischen Forschung von der Privatwirtschaft weiter ignoriert. Vor allem vernachlässigte Krankheiten wie Tuberkulose oder die Schlafkrankheit bleiben weiter unter-erforscht, während hohe Preise im Bereich HIV/Aids oder Hepatitis C Millionen Menschen den Zugang zu lebensnotwendigen Medikamenten versperren. Wir müssen dieses ineffiziente System dringend ändern und endlich die Patienten in den Mittelpunkt stellen – nicht den Gewinn der Pharmawirtschaft.“

*Drugs for Neglected Diseases initiative