Forschung und Entwicklung

Monica lebt mit HIV und war zusätzlich an Tuberkulose erkrankt. Heute ist sie von Tuberkulose geheilt.

Jeden Tag erleben die Teams von Ärzte ohne Grenzen, dass Menschen, die dringend Hilfe benötigen, nicht adäquat behandelt werden können. Es gibt keine geeigneten Präparate für sogenannte armutsassoziierte und vernachlässigte Krankheiten, obwohl sie dringend benötigt werden.

Wir sehen in Swasiland, dass Patientinnen und Patienten mit multiresistenter Tuberkulose ihr Gehör verlieren, weil die zur Verfügung stehenden Antibiotika toxische Nebenwirkungen haben. In der Demokratischen Republik Kongo können nicht alle Patientinnen und Patienten auf die Schlafkrankheit untersucht werden, weil eine Kühlkette, die für die diagnostischen Verfahren erforderlich ist, nicht gewährleistet werden kann. In Tadschikistan stellen unsere Kolleginnen und Kollegen selbst Tuberkulose Medikamente für Kinder zusammen, weil keine geeigneten Dosierungen für sie entwickelt werden. Dies sind nur einige Beispiele eines inzwischen globalen Phänomens.

Die fehlende Forschung an bestimmten Impfstoffen, Diagnostika und Medikamenten ist das Resultat eines fehlgeleiteten Forschungssystems. Forschung und Entwicklung findet hauptsächlich zu Produkten statt, die am Ende möglichst hohe wirtschaftliche Gewinne generieren. Forschung orientiert sich damit nicht an den größten medizinischen Bedürfnissen. Was zählt, ist der Unternehmensumsatz. Daher sind Krankheiten, die zwar Millionen Menschen in ärmeren Ländern betreffen, in wohlhabenderen Ländern aber nicht häufig auftreten, oder Krankheiten, die nicht dauerhaft behandelt werden müssen, in der Forschung und Entwicklung vernachlässigt – obwohl der Bedarf sehr hoch ist. Wenn es brauchbare Präparate gibt, sind sie für die Betroffenen oft nicht bezahlbar – sowohl in armen als auch in reichen Ländern.