Südsudan

Patientenzahlen im Vertriebenenlager Malakal verdreifacht – angesichts katastrophaler Lebensbedingungen dringend Hilfe mehr nötig

Die dreimonatige Mary James hat eine schwere Lungenentzündung. Wir behandeln sie im Vertriebenenlager in Malakal im Südsudan. Im Camp herrschen katastrophale Lebensbedingungen. Zahlreiche Kinder sind lebensbedrohlich erkrankt.

Ärzte ohne Grenzen ist äußerst besorgt über die Gesundheitssituation der Menschen im UN-Vertriebenenlager in der Stadt Malakal im Norden des Südsudans. Derzeit suchen dort rund 48.000 Südsudanesen Schutz vor dem anhaltenden Bürgerkrieg. Doch die Lebensbedingungen in dem völlig überfüllten Lager sind katastrophal – mit schlimmen Folgen: Immer mehr Menschen leiden an lebensbedrohlichen Krankheiten wie Lungenentzündung und Malaria. Sie müssen mit weniger als vier Quadratmeter Lebensraum pro Person auskommen – weniger als ein Siebtel dessen, was humanitäre Standards mindestens für einen Menschen vorsehen. Wir befürchten, dass sich die Lage noch verschlimmern wird.

Erst im Juli und August sind Tausende Südsudanesen aus umkämpften Regionen in das UN-Camp geflohen. Viele der Neuankömmlinge waren zuvor monatelang von jeglicher humanitären Hilfe abgeschnitten. Die Anzahl der Patientinnen und Patienten, die wir in Malakal behandelt, hat sich seit Juni mehr als verdreifacht. Unsere Teams versorgen zudem fünfmal mehr Kinder unter fünf Jahren als zuvor. Unser Krankenhaus mit 50 Betten und einer Notaufnahme ist daher seit einigen Wochen über die Kapazitätsgrenzen hinaus belegt. Dabei werden mehr als die Hälfte der Kinder wegen schweren Atemwegs-Erkrankungen aufgenommen.

Mary James kämpft um ihr Leben

Eines dieser Kinder ist die drei Monate alte Mary James. In den ersten beiden Lebensmonaten musste das Baby in einer der beengten, feuchten Notunterkünfte im Camp ohne Matratze oder Decke schlafen. Ihre Mutter brachte sie vor einem Monat mit einer schweren Lungenentzündung in unser Krankenhaus. Seitdem behandeln unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Mädchen. Bis vor kurzem musste sie noch künstlich beatmet werden, und auch jetzt strengt das Atmen das Kind noch an.

Lebensbedingungen im Camp dringend verbessern

„Die Erkrankungen unserer Patienten haben direkt mit der Überfüllung im Lager und den prekären Lebensbedingungen zu tun“, sagt Monica Camacho, unsere Projektleiterin im Südsudan. „Die Menschen brauchen dringend mehr Platz, und sie müssen mit den wichtigsten Gütern versorgt werden.“ In dem Camp leben Tausende in behelfsmäßigen Unterkünften auf sumpfigem Gelände ohne Zugang zu Trinkwasser oder ausreichende Sanitärversorgung. Bis zu 70 Menschen teilen sich eine Latrine. Kinder spielen im Schlamm zwischen Stacheldrahtzäunen und Müllhaufen. „Nachts hört man alle husten und die Krankheiten können sich so verbreiten. Wir brauchen dringend mehr Platz“, sagt Nya Gaw, die mit ihrer Familie in einem Zelt mit insgesamt 55 Menschen lebt. In diesem Teil des Lagers müssen die Menschen mit weniger als vier Quadratmeter Lebensraum pro Person auskommen – das ist weniger als ein Siebtel dessen, was die international vereinbarten humanitären Standards mindestens für einen Menschen vorsehen. Wir befürchten eine weitere Verschlechterung der Lage im Camp, wenn nicht so rasch wie möglich mehr Hilfe geleistet wird. Dringend benötigt werden mehr Raum, ausreichend Sanitäranlagen, Trinkwasser und essentielle Hilfsgüter wie z. B. Decken.