Ausstellung: "Willkommen in Europa? EU-Politik gefährdet Menschenleben"

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Die Ausstellung

Die Ausstellung zeigt Fotos aus verschiedenen Ländern entlang der Außengrenzen Europas und auf dem Balkan. Die Bilder sind im Rahmen dieser humanitären Projekte in den Jahren 2015 und 2016 entstanden. Sie zeigen Momentaufnahmen von Menschen und ihren Geschichten – und drücken die Traumata der lebensgefährlichen Flucht aus.

Krieg, Verfolgung, Armut – es gibt viele Gründe, weshalb Menschen ihre Heimat verlassen müssen. Weltweit sind mehr als 65 Millionen Menschen auf der Flucht. Die meisten werden innerhalb ihrer Herkunftsländer vertrieben oder fliehen in ein Nachbarland. Ein verhältnismäßig kleiner Teil macht sich aus den Krisenregionen im Nahen Osten, in Afrika und in Asien auf den Weg nach Europa. In der Europäischen Union (EU) sind die Geflüchteten jedoch nicht erwünscht, eine legale Einreise ist nur für die allerwenigsten möglich. Immer mehr Menschen riskieren daher ihr Leben bei der Flucht über das Mittelmeer.

Dabei wird die Überfahrt für die Menschen immer gefährlicher. Schleuser transportieren sie für viel Geld in vollkommen überfüllten Booten, es kommt zu Überfällen, Misshandlungen und Erpressungen. Tausende sterben unterwegs: Im Jahr 2017 sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration mehr als 3.100 Männer, Frauen und Kinder im Mittelmehr ertrunken – 2016 waren es sogar mehr als 5.000.

Die Ankunft in Europa ist für die Überlebenden häufig ein Schock. Viele werden in überbelegten, vollkommen ungeeigneten Unterkünften festgehalten. Sie erhalten kaum Hilfe oder werden ganz sich selbst überlassen. Trotz Grenzschließungen versuchen viele Menschen über die Balkanstaaten weiter zu reisen, um in West- und Nordeuropa Asyl zu beantragen. Dabei werden sie zum Teil brutal von Polizei oder Armee zurückgedrängt und stecken
dann fest – ohne Unterkunft, medizinische Hilfe, Trinkwasser oder Nahrung.

Ärzte ohne Grenzen leistet seit dem Jahr 2000 an den Außengrenzen der EU medizinische Nothilfe für die Menschen. Im Jahr 2015 weitete die Organisation die Aktivitäten in ganz Europa und in den Balkanstaaten aus und startete darüber hinaus Such- und Rettungsaktionen auf dem Mittelmeer. Unsere Teams behandeln und versorgen die Menschen und erfahren dabei von ihren Erlebnissen. Sie sehen, wie die medizinischen und psychischen Probleme der Ankommenden häufig direkt mit den Erfahrungen der Flucht und den schlechten Aufnahmebedingungen in Europa zusammenhängen.

Wir fordern...

Wir fordern, dass die EU endlich den Schutz von Menschenleben statt von Grenzen in den Mittelpunkt ihrer Politik rückt. Insbesondere muss die Politik den medizinischen und psychologischen Bedürfnissen der Menschen gerecht werden. Solange Kriege, Konflikte und Menschenrechtsverletzungen weltweit anhalten – sei es in Afghanistan, Eritrea, Irak, Somalia oder Syrien – werden die Menschen weiter versuchen, auf der Suche nach Frieden und
Sicherheit nach Europa zu gelangen. Die Erfahrung von Ärzte ohne Grenzen zeigt: Abschottung, restriktive Asylpolitik oder der einseitige Kampf gegen Schleuser können die Menschen nicht stoppen. Vielmehr zwingt die restriktive Politik der EU die Menschen, immer größere Risiken einzugehen und ihr Leben auf der Flucht aufs Spiel zu setzen. Deutschland hat im Jahr 2015 hunderttausende Menschen aufgenommen – aber insgesamt hat Europa zu spät und zu wenig auf die steigende Anzahl der Schutzsuchenden reagiert. Die EU muss sicherstellen, dass die Menschen auf sicheren und legalen Wegen nach Europa fliehen können und bei ihrer Ankunft angemessen versorgt werden.