Europa - Hände weg von unseren Medikamenten!

Millionen Menschen in ärmeren Ländern sind zum Überleben auf kostengünstige generische Medikamente angewiesen. Mehr als 80 Prozent der Medikamente, die Ärzte ohne Grenzen in ärmeren Ländern zur Behandlung von HIV/Aids verwendet, werden in Indien produziert. Nun will die Europäische Kommission diesen Hahn zudrehen und greift in Verhandlungen zu einem EU-Indien-Freihandelsabkommen die Produktion, die Zulassung, den Transport und den Export indischer Generika an. Diese Politik gefährdet die Überlebenschancen der Menschen, die auf solche Nachahmerpräparate angewiesen sind.

Unsere Kampagne „Europa - Hände weg von unseren Medikamenten!" hat das Ziel, die aggressive Handelspolitik der Europäischen Union (EU), die den Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten für Millionen Menschen in ärmeren Ländern bedroht, zu stoppen.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass bis zu 90 Prozent der HIV/Aids-Medikamente, die von internationalen Gebern im Jahr 2008 gekauft wurden, von Generika-Produzenten in Indien stammten. Die Durchsetzung der EU-Forderungen in dem Freihandelsabkommen mit Indien hätte katastrophale Folgen:

„Die Europäer nähmen uns mit dem Abkommen die Medikamente aus den Händen", sagt Marius Müller, medizinischer Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Kenia. „Weil Generika für uns bezahlbar sind, können wir immer mehr Menschen mit HIV/Aids-Medikamenten behandeln. Dies bedeutet Hoffnung für unsere Patienten, die so wieder arbeiten gehen und ihre Kinder großziehen können. Wenn Europa aber seinen Willen durchsetzt und den Zugang zu bezahlbaren Medikamenten versperrt, riskieren wir den Erfolg der vergangenen fünf Jahre."

Update September 2012: Hier können Sie den aktuellen Stand der Verhandlungen nachlesen

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Das EU-Indien-Freihandelsabkommen ist nur einer von vielen Angriffen der Europäischen Kommission auf die Generika-Produktion. Auch mit anderen bilateralen Handelsabkommen gefährdet die EU die Produktion von sicheren, effektiven und kostengünstigen Medikamenten, indem sie strengere geistige Eigentumsrechte einfordert als nach internationalem Recht erforderlich sind.

Im Rahmen der Kampagne von Ärzte ohne Grenzen wurden dem Handelskommissar der Europäischen Union, Karel de Gucht, dem Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler und der Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits tausende E-Mails geschickt, in denen sie aufgefordert wurden, diese Politik zu beenden.

Jetzt stehen die Verhandlungen des Freihandelsabkommens kurz vor dem Abschluss, doch die schädlichen Bestimmungen sind noch nicht vom Verhandlungstisch. Deshalb fordern wir Sie auf, uns (erneut) zu helfen und unseren neuen Aufruf an Karel de Gucht zu unterzeichnen und ihm damit eine Nachricht zukommen zu lassen. Gehen Sie auf unsere Kampagnenseite und fordern Sie: EU - Hände weg von unseren Medikamenten! Unterzeichnen Sie unsere Petition auf: action.msf.org

Mehr Informationen gibt es auch auf der unserer Englischsprachigen Webseite:

http://msfaccess.org/hands-off-our-medicine-campaign

Weitere Informationen: Zu den Details der Forderungen der EU
 

Publikationen zum EU-Indien Freihandelsabkommen

Pressemitteilungen zum EU-Indien Freihandelsabkommen

Artikel über das EU-Indien Freihandelsabkommen