Statement von Ärzte ohne Grenzen im Vorfeld des EU-Gipfels zur Flüchtlingspolitik

Am 7. März findet der Sondergipfel der EU mit der Türkei zum Thema Flüchtlingspolitik statt. Die humanitäre Lage in Idomeni bleibt weiterhin dramatisch. Ärzte ohne Grenzen betreibt in dem Transit-Camp an der Balkanroute eine Klinik und versorgt die Menschen auch mit Zelten, Schlafsäcken, Decken und 30.000 Mahlzeiten täglich.

Florian Westphal, Geschäftsführer in Deutschland:

„Die dramatische humanitäre Lage an der griechisch-mazedonischen Grenze zeigt das Versagen der europäischen Regierungen, Kriegsflüchtlingen Schutz zu gewähren. Die Regierungen sind offenbar nicht einmal willens oder in der Lage, den Menschen minimale Unterstützung zukommen zu lassen. Sie haben eine humanitäre Krise mitten in Europa heraufbeschworen. Menschen, die Krieg und Flucht hinter sich haben, sitzen jetzt in Europa in der Kälte im Schlamm und werden krank. Es ist eine Schande. Statt entschlossener Hilfe der Regierungen sind hunderte freiwillige Helfer und zahlreiche Nichtregierungsorganisationen in Idomeni im Einsatz. Allein Ärzte ohne Grenzen gibt jeden Tag 50.000 Euro Spendengelder für Zelte, Schlafsäcke, Decken, medizinische Versorgung und mehr als 30.000 Mahlzeiten am Tag aus.

Wenn die europäischen Regierungen die Schlepper tatsächlich bekämpfen wollen, müssen sie sichere und legale Fluchtwege schaffen und sich auf eine europaweit koordinierte Unterbringung verständigen. Europa muss den Zugang zu einem Asylverfahren nach völkerrechtlichen Standards sicherstellen. Wenn weiterhin Zäune gebaut, Grenzen geschlossen und Seewege abgeriegelt werden, werden die Menschen gefährlichere Routen nehmen. Die Politik der Festung Europa erzeugt neues Leid."