Erfolge

Erfolge der Medikamentenkampagne in Deutschland

Das internationale Engagement der Medikamentenkampagne trägt auch weltweit Früchte. So konnten seit der Gründung 1999 viele wichtige Erfolge gefeiert werden:  

  • Nachdem Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel 2010 angekündigt hatte, bei der Finanzierung des „Globalen Fonds zur Bekämpfung von AidsTuberkulose und Malaria“ (GFATM) massiv zu sparen, trug die Medikamentenkampagne entscheidend dazu bei, Druck auf die Bundesregierung auszuüben. Druck, der tatsächlich etwas bewegt hat: Die geplanten Kürzungen wurden nicht umgesetzt. Bei der nächsten Wiederauffüllungskonferenz Ende 2013 fordert Ärzte ohne Grenzen von der Bundesregierung eine deutliche Erhöhung der zur Verfügung gestellten Mittel auf jährlich 400 Millionen Euro. 

    Für das Jahr 2014 hat die Bundesregierung ihren Beitrag sogar auf 245 Millionen Euro erhöht. Ärzte ohne Grenzen fordert jedoch von der Bundesregierung eine sehr viel deutlichere Erhöhung der zur Verfügung gestellten Mittel. Ein der Wirtschaftskraft von Deutschland angemessener Beitrag wäre 400 Millionen Euro jährlich. Weitere Informationen

  • Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat 2011 ein Förderkonzept zur Erforschung und Entwicklung vernachlässigter und armutsassoziierter Krankheiten erarbeitet, mit dem sich die Bundesregierung vermehrt für die Interessen von Patienten in ärmeren Ländern engagiert. Im Rahmen dieses Konzepts wird auch die von Ärzte ohne Grenzen mitbegründete Forschungsinitiative Drugs for Neglected Diseases Initiative (DNDi) gefördert.  Ihr Ziel es ist, bis zum Jahr 2018 etwa 11 bis 13 neue Therapien gegen vernachlässigte Krankheiten zu entwickeln. Nun muss sichergestellt werden, dass für die geförderten Projekte in Zukunft ausreichend Finanzmittel zur Verfügung stehen. Wichtig ist, dass auch die kostenintensiven späten Entwicklungsphasen finanziert werden, damit Präparate nicht in der Pipeline stecken bleiben.
     
  • Die Öffentlichkeit ist über die schädlichen Auswirkungen des geplanten EU-Indien-Freihandelsabkommens auf den weltweiten Zugang zu lebensnotwendigen Medikamenten zunehmend informiert. Hier geht es zu unserer Kampagnenseite „Europa – Hände weg von unseren Medikamenten“.

Internationale Erfolge der Medikamentenkampagne

Das internationale Engagement der Medikamentenkampagne trägt auch weltweit Früchte. So konnten seit der Gründung 1999 viele wichtige Erfolge gefeiert werden:

  • Die umfassende Behandlung von HIV mit antiretroviralen Medikamenten wurde umgesetzt und international zur Priorität erklärt. Ermöglicht wurde dies dank massiver Preissenkungen. Denn die zunehmende Konkurrenz von kostengünstigen Generika für die ersten Generationen von antiretroviralen Medikamenten drückte die Preise: Therapien, die zuvor mehr als 10.000 US-Dollar pro Patient pro Jahr kosteten, sind heute für teilweise unter 60 US-Dollar auf dem Markt. Eine verbesserte Erstlinientherapie kostet heute unter 130 US-Dollar. Ärzte ohne Grenzen hat zudem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) aufgefordert, die Qualität dieser Arzneimittel zu bewerten. Dies geschieht heute mit dem WHO-eigenen Vorqualifikationssystem. Trotzdem bleibt noch viel zu tun. Denn dringend erforderliche, neuere HIV-Medikamente sind noch immer sehr teuer. Eine groß angelegte Ausdehnung der Behandlung hängt aber von der dauerhaften Verfügbarkeit erschwinglicher Medikamente ab. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, lesen Sie unsere Publikation Untangling the Web of ARV Price Reductions.
     
  • Eine wirksame Malaria-Therapie wurde in den meisten afrikanischen Ländern eingeführt. Die Artemisinin-basierte Kombinationstherapie (ACT) wurde nach zahlreichen Studien von Ärzte ohne Grenzen zu Behandlungsresistenzen  als neue Therapie von der WHO empfohlen und gilt heute in vielen Ländern als Therapie der ersten Wahl. Dazu beigetragen hat auch der Druck der Medikamentenkampagne, die sich für eine schnelle Umstellung des Behandlungsprotokolls eingesetzt hat. Gegenwärtig ist es das Ziel von Ärzte ohne Grenzen, bei der Behandlung schwerer Malaria von Chinin auf das neue Medikament Artesunat umzusteigen, das als Injektion schneller und effektiver wirkt. Mehr Informationen finden Sie in unserem Report Making the Switch: Ensuring Access to Improved Treatment for Severe Malaria in Africa.
     
  • Die Behandlung der multiresistenten Tuberkulose (MDR-TB) wurde  international zur gesundheitspolitischen Priorität erhoben. Ärzte ohne Grenzen und andere Organisationen hatten bereits niedrigere Preise für MDR-TB-Medikamente ausgehandelt, bevor die WHO sich dieser Aufgabe annahm. Doch noch immer sind die Preise für MDR-TB-Medikamente zu hoch, und die Versorgung ist nach wie vor unsicher. Bislang werden nur rund drei Prozent der Patienten auf Resistenzen getestet und nur etwa 20 Prozent der positiv getesteten MDR-TB-Patienten behandelt. Hinzu kommt: Mit den derzeit verfügbaren Medikamenten wird nur rund die Hälfte der Behandelten geheilt. Eine Chance für die bessere Behandlung der multiresistenten Tuberkulose stellt die Einführung der neuen Medikamente Delamanid und Bedaquilin dar. Besonders für Menschen in ärmeren Ländern muss der Zugang zu diesen Medikamenten gewährleistet werden. Dies ist nur möglich, wenn sie zu erschwinglichen Preisen erhältlich und auch verfügbar sind. Wenn Sie mehr über die Situation von Menschen mit MDR-TB erfahren möchten, lesen Sie das von behandelnden Ärzten und Patienten verfasste Tuberkulose-Manifest „Teste mich, behandle mich“.
     
  • Es wurden neue Wege im Kampf gegen die am meisten vernachlässigten Krankheiten gefunden. Dazu gehören zum Beispiel die Schlafkrankheit, Kala-Azar (Leishmaniose) oder Chagas. Neben dem Einsatz für neue Behandlungsverfahren wurde auch die erneute Produktion eines Medikaments gegen die Schlafkrankheit, Eflornithin, erreicht. Sie war zuvor aufgrund mangelnder Profitabilität eingestellt worden. Ärzte ohne Grenzen hat außerdem die nicht gewinnorientierte Forschungsinitiative Drugs for Neglected Diseases Initiative mitbegründet, die bereits neue Therapien entwickelt hat. Zudem wurde erreicht, dass die Initiative durch das „Förderkonzept vernachlässigte und armutsassoziierte Krankheiten“  des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unterstützt wird.
     
  • Der Novartis-Fall wurde im April 2013 zugunsten von Patienten in ärmeren Ländern entschieden.  Bereits 2006 hatte die indische Patentbehörde festgestellt, dass das Novartis-Krebsmedikament „Glivec“ in Indien kein Patent erhalten würde, weil es sich lediglich um eine leicht veränderte Form eines bereits bestehenden Medikaments handelt.  Denn Abschnitt 3(d) des indischen Patentrechts sieht vor, dass derlei künstliche Erneuerungen von Patentmonopolen durch kleine Änderungen eines Wirkstoffs nicht möglich sind. Noch im selben Jahr zog Novartis vor Gericht, um gegen diese Schutzvorkehrung für die öffentliche Gesundheit zu klagen. Ärzte ohne Grenzen startete damals die internationale Kampagne „Drop the case“, an der sich 450.000 Menschen beteiligten. Novartis ließ sich jedoch nicht zur Einstellung des Verfahrens bewegen und klagte sich weiter durch alle Instanzen. Am 1. April 2013 entschied das Oberste Gericht Indiens in letzter Instanz, dass „Glivec“ endgültig kein indisches Patent erhalten wird. Für Ärzte ohne Grenzen und vor allem für die Menschen in ärmeren Ländern, die auf günstige Generika angewiesen sind, ist dies ein Grund zum Jubeln. Hätte das indische Gericht anders entschieden, wäre der Zugang zu günstigen Generika wesentlich erschwert worden. Jetzt bleibt zu hoffen, dass möglichst viele Länder dem indischen Beispiel folgen und ähnliche patientenfreundliche Klauseln in ihr heimisches Recht aufnehmen. Weitere Informationen zu unserer Novartis-Kampagne

     

  • Das Recht, gesundheitliche Bedürfnisse mit geistigen Eigentumsrechten abzuwiegen, wurde 2001 in der Erklärung von Doha zu TRIPS (Trade Related Intellectual Property) und öffentlicher Gesundheit bestätigt. Einige Länder wie Indien, Thailand oder Brasilien haben die internationalen Handelsregeln dazu genutzt, unangemessene Patentierungen zu verhindern oder Patente zu übergehen, um den Zugang zu wichtigen Medikamenten zu ermöglichen. Ärzte ohne Grenzen war eng an diesen Entwicklungen beteiligt. Die Medikamentenkampagne schlug zudem die Schaffung eines Patent-Pools vor, der dann tatsächlich Mitte 2010 gegründet wurde. Der „Medicines Patent Pool“ ist heute eine der führenden Stimmen, wenn es um alternative Vorschläge für bedürfnisorientierte Innovationen geht, die nicht zu hohen Preisen für die Endprodukte führen. Weitere Informationen zum Patent-Pool