Nepal

Erdbeben-Hilfe in Nepal - Bericht von Dr. Prince Mathew aus der Region Kathmandu

Nach dem Erdbeben vom vergangenen Samstag wurde Dr. Prince Mathew sofort nach Nepal geschickt. Eigentlich arbeitet er für uns in Indien, wo er unsere Projekte in Bihar koordiniert. Er berichtet von den großen logistischen Herausforderungen vor Ort und von unseren ersten Hilfsaktivitäten wie mobilen Kliniken, mit denen unsere Mitarbeiter begonnen haben.

„Gemeinsam mit zwei anderen Kollegen verließ ich Dehli am Sonntag um 11 Uhr vormittags. Wegen der starken Nachbeben, die zur Evakuierung des Flughafens führten, kreisten wir stundenlang über der Stadt und wurden zunächst nach Dehli zurück geschickt. Schließlich landeten wir abends um 20 Uhr auf dem Flughafen in Kathmandu, wo völliges Chaos herrschte: Tausende Menschen wollten das Land verlassen, und Hunderte versuchten, hineinzukommen, um Hilfe zu leisten. Um 1 Uhr nachts kamen wir dort schließlich mit den medizinischen Hilfsgütern, die wir mitgebracht hatten, raus.

Flughafen überlastet, Hilfsgüter auf dem Landweg

Wir wussten, dass es extrem schwierig werden würde, Einsatzkräfte und Material über den Flughafen in Kathmandu ins Land zu bekommen. Daher machten sich vier unserer Teams aus Bihar auf dem Landweg mit einem Lastwagen auf, der 1.000 Kits mit Plastikplanen sowie 500 Hygiene-Kits und 500 Kits mit Hilfsgütern für Familien enthielt .Nach einigen Verzögerungen an der Grenze erreichten diese Teams am Montag die Stadt Gorkha, die 200 Kilometer nordwestlich von Kathmandu und damit in der Nähe des Epizentrums des Erdbebens liegt.

Am Montagmorgen haben wir alles in unserer Macht stehende versucht, um einen Hubschrauber in Kathmandu zu finden. Zum Glück fanden wir einen Piloten, der bereit war, uns nachmittags drei Stunden lang über Gebiete außerhalb Kathmandus zu fliegen, damit wir uns ein Bild von den betroffenen Regionen machen konnten. Die Verwüstungen waren eindeutig zu sehen. Wir flogen über Bezirke im Osten, Norden und Westen Kathmandus und konnten erkennen, dass von 65 Dörfern mindestens 45 ganz oder teilweise zerstört worden waren. Wir sahen Menschen in behelfsmäßigen Unterkünften - es war somit klar, dass es einen großen Bedarf für Notunterkünfte, Hygienematerialien und Kochutensilien gibt.

Menschen schlafen in Zelten und Notunterkünften

In Kathmandu selbst sind die Zerstörungen relativ gering – meisten Gebäude und Häuser stehen noch. Allerdings schlafen viele Menschen draußen in Zelten oder in Notunterkünften, da sie wegen der Nachbeben Angst haben, sich in Innenräumen aufzuhalten. Dabei ist zu bedenken, dass die saisonalen Regenfälle bereits begonnen haben und in den kommenden Tagen und Wochen zunehmen werden. Der enorme Druck auf die Krankenhäusern in und um Kathmandu, weil so viele Patienten operiert werden mussten, um Gliedmaßen oder ihr Leben zu retten, hat nachgelassen. Die Menschen warten jetzt auf kleinere oder Folge-Operationen sowie auf die Behandlung üblicher Krankheiten.

Größte Herausforderung sind Transportmittel

Wir haben noch keinen vollständigen Überblick über den Hilfsbedarf im Land, weil die am stärksten betroffenen Gebiete in der abgelegenen Bergregion außerhalb Kathmandus liegen. Es schwierig, Informationen zu bekommen und Klarheit über das Ausmaß der Beschädigungen und Verlust von Menschenleben. Die größte Herausforderung sind jetzt Transportmitteln. Es gibt viele kleine Dörfer, die sich über eine große Region mit sehr schwierigem Gelände verteilen. Sie waren bereits vor dem Erdbeben schwer erreichbar. Jetzt sind viele Straßen durch Lawinen abgeschnitten, und es besteht das Risiko von weiteren Erdrutschen. Man kann nur per Helikopter dorthin gelangen – die aber sind gerade extrem schwierig zu bekommen, vor allem Transporthubschrauber zur Beförderung von Tonnen von Hilfsgütern.

In den Tagen nach dem Erdbeben gab es einen großen Zustrom von Hilfsorganisationen und von staatlichen Hilfsteams aus aller Welt. Das Wichtigste ist jetzt, dass die Hilfe betroffene Gebiete außerhalb Kathmandus erreicht. Unsere Priorität ist es, Menschen in Orten zu erreichen, wo sonst niemand hingeht und die Unterstützung fehlt.  Es ist eine große logistische Herausforderung, die erforderlichen Lieferungen sicher ins Land zu bekommen und die Flüge über den überlasteten Flughafen durchzuführen, die wir benötigen, um die am dringendsten benötigte Hilfe leisten zu können.

Mobile Kliniken in entlegenen Regionen

Am Donnerstag starteten wir mobile Kliniken mit dem Hubschrauber in abgelegenen Dörfern der Bergregion nördlich von Kathmandu. In der Regel kommt es in der Folgezeit nach einer Naturkatastrophe wie einem Erdbeben zu Problemen mit der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung. Die Menschen können Durchfall-Erkrankungen bekommen oder Infektionen der Atemwege entwickeln, weil sie draußen leben. Wir müssen die Zahl der mobilen Kliniken daher so schnell wie möglich erhöhen und wachsam bleiben in Bezug auf Krankheiten wie Tetanus oder Masern. Unsere Teams planen auch, Tonnen von Material für provisorische Unterkünften, Hygiene und Kochutensilien zu verteilen. Da die Monsunzeit bevorsteht, machen wir uns sorgen, dass das Zeitfenster, um die Menschen zu erreichen, sich schnell schließen könnte.“

Für Interessenten an einer Mitarbeit im Erdbeben-Gebiet: Bitte beachten Sie unsere Hinweise.