Erdbeben – Entstehung, Auswirkungen und Maßnahmen

Wie hilft Ärzte ohne Grenzen in Erdbebenregionen?

Naturkatastrophen wie ein Erdbeben versetzen eine ganze Region in Ausnahmezustand. Menschen werden verletzt und brauchen medizinische Hilfe. Infrastruktur, Wasserversorgung und Unterkünfte können von einem Moment auf den anderen zerstört werden. Ärzte ohne Grenzen hilft kurz- und langfristig, wenn plötzlich nichts mehr so ist, wie es war.
Bei der Katastrophenhilfe verfolgen wir bestimmte Strategien, die flexibel der Region und den Gegebenheiten angepasst werden.

Maßnahmen in der akuten Phase nach einem Erdbeben:

  • Wir arbeiten in rund 70 Ländern weltweit. Daher haben wir oftmals bereits Projekte in einem betroffenen Land und unsere Teams können schnell vor Ort sein. Unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen analysieren dann die Lage und gehen dorthin, wo sie am nötigsten gebraucht werden. Häufig dringen sie dabei auch in schwer zugängliche und dünn besiedelte Regionen mit schlechter Infrastruktur vor, wo andere Akteure zunächst oft kaum hingehen. Wenn die Evaluierung der Lage ergibt, dass unsere Hilfe benötigt wird, beginnen wir schnell mit unserer Arbeit.
  • Unsere Teams leisten dann medizinische Ersthilfe und betreuen Verletzte. Oft kümmern sich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter recht bald auch um die Wasser- und Sanitärversorgung. Denn sauberes Trinkwasser ist in einer solchen Situation sehr wichtig, damit keine Epidemien ausbrechen. Zudem benötigen Menschen, die bei einem Erdbeben möglicherweise alles verloren haben, auch Gebrauchsgüter fürs erste Überleben wie Plastikplanen, Decken oder Haushaltsgegenstände, die wir gegebenenfalls ausgeben.
  • Schließlich muss auch an die Basisgesundheitsversorgung gedacht werden. Denn auch abseits der Behandlung von konkreten Folgen des Erdbebens muss die Bevölkerung weiter versorgt werden – z. B. bei Verletzungen durch Unfälle, chronischen Krankheiten oder in der Geburtshilfe. Erfahren Sie mehr über unsere konkrete Arbeit, am Beispiel unseres Einsatzes nach dem Erdbeben in Haiti.

Nachsorge in Erdbebenregionen:

  • Spätestens wenn die medizinische Erstversorgung abgeschlossen ist kümmern sich Psychologen bzw. speziell geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oft auch um die psychologische Unterstützung von Überlebenden. Dies geschieht je nach Bedarf in Gruppen- oder auch in Einzelsitzungen. Manchmal bilden wir auch vor Ort Personal darin aus, wie es Betroffene mit traumatischer Belastung erkennen und Ersthilfe leisten kann. Ein Beispiel für die psychologische Hilfe sind unsere Aktivitäten nach den Erdbeben in Mexiko. Auch Gemeindeaktivitäten gehören zu den möglichen Maßnahmen einer Nachsorge. Lesen Sie hier am Beispiel des Erdbebens auf Sumatra, wie unsere Teams zum Wiederaufbau und zur Betreuung der Bevölkerung beigetragen haben. Auch die anderen Aktivitäten gehen oftmals nach der akuten Phase der Erdbebenhilfe noch weiter. Es hängt sehr vom Ausmaß des Erdbebens und der jeweiligen Situation im betroffenen Land ab, wie lange unsere Hilfe weitergeht.

Wie entstehen Erdbeben?

Erdbeben zählen zu den besonders schweren Naturkatastrophen mit verheerenden Konsequenzen. Ein mittleres bis schweres Beben kann Bauten zerstören sowie Erdrutsche und Tsunamis auslösen. Die wissenschaftliche Erdbeben-Definition beschreibt mit diesem Begriff jedoch jegliche messbare Erschütterung des Erdkörpers.

Wo entstehen Erdbeben?

Erdbeben entstehen hauptsächlich durch große Massenverschiebungen. Meistens handelt es sich um Bewegungen der tektonischen Platten. Problematisch wird diese Bewegung an Bruchfugen, an denen verschiedene Platten kollidieren.

Wenn tektonische Platten aufeinandertreffen, entstehen enorme Spannungen, die sich messbar oder spürbar als Erdbeben entladen. Dies geschieht in der Regel nicht durch ein einmaliges Beben. Oft kündigt sich ein Hauptbeben durch leichtere Vorbeben an und klingt in mehreren Nachbeben ab. Findet diese Friktion unter dem Meer statt, spricht man von einem Seebeben. Eine mögliche Auswirkung von Seebeben ist ein Tsunami.

Glücklicherweise liegen die meisten Beben, die bei der Erdbebenüberwachung gemessen werden, in einem Bereich, der vom Menschen nicht einmal wahrgenommen wird. Mittlere und schwere Erdbeben bringen Menschen in der betroffenen Region allerdings in große, oft existentielle Gefahr.

Wie wird ein Erdbeben gemessen?

Ein Erdbeben kann auf zwei verschiedene Weisen kategorisiert werden: Durch seine Intensität und auf der Basis seiner Magnitude (Größe).

Die Intensitätsskala klassifiziert die Erschütterung nach ihrer Wahrnehmbarkeit durch den Menschen und dem Grad der Zerstörung, also der Erdbeben-Folgen. Man unterscheidet hier in zwölf Klassen von der Intensität 1, die vom Menschen nicht gespürt wird, bis zur Intensität 12, die durch vollkommene Zerstörung mit maximalen Schäden und Landschaftsveränderung gekennzeichnet ist.

Die in der Berichterstattung oft zitierte Richter-Skala bezieht sich auf die Messung der Magnitude einer Erschütterung durch einen sogenannten Seismographen.

Quelle: http://media.gfz-potsdam.de/gfz/wv/doc/infothek/leaflets/Erdbeben_dt.pdf

Welche Erdbeben-Arten gibt es?

Generell wird zwischen Erdbeben und Seebeben unterschieden. Diese Arten von Beben können auf die gleiche Weise entstehen (als sogenannte tektonische Beben), sie haben jedoch verschiedene Auswirkungen.

Man kennt unter anderem folgende Arten von Erdbeben:

  • Am häufigsten sind die tektonischen Beben, die durch die Entladung der Spannung zwischen verschiedenen Platten entstehen.
  • In vulkanischen Zonen kann aufsteigendes Magma ebenfalls Erdbeben auslösen. Die Erdbeben-Dauer ist in der Regel kürzer, die Intensität geringer.
  • Bei Beben, die durch menschliche Aktivitäten ausgelöst werden, spricht man von anthropogenen Beben. Ursache kann ein Gebirgsschlag (Einsturz) im Bergbau sein oder eine Auflasterhöhung im Untergrund durch große Stauseen.

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Welche Folgen haben Erdbeben?

Die Auswirkungen von Erdbeben hängen zunächst von der Intensität und Erdbeben-Dauer ab. Aber auch andere Faktoren spielen eine wichtige Rolle. Bevölkerungsdichte, vorhandene Frühwarnsysteme und Bautechnik in einer Region haben einen entscheidenden Einfluss, mit welchem Ausmaß der Zerstörung man rechnen muss.

In Regionen mit hoher Erdbebengefahr kann durch erdbebengerechtes Bauen Vorsorge für den Ernstfall betrieben werden. Erdbebensichere Gebäude haben ein elastisches Tragwerkverhalten. So kann der Einsturz auch bei schwereren Beben im Idealfall ganz verhindert werden. Zum erdbebengerechtem Bauen gehört auch, dass im Fall eines Bebens Fluchtwege offenbleiben.

Neben einer direkten Auswirkung durch Zerstörung von Gebäuden und Infrastruktur gehen von Erdbeben auch zahlreiche indirekte Gefahren aus:

  • Durch Erdbeben können in Küstengebieten Tsunamis ausgelöst werden, die möglicherweise zu schweren Überschwemmungen führen.
  • Zerstörte Gasleitungen können Großfeuer verursachen.
  • Wird die Wasserversorgung durch ein Erdbeben unterbrochen, besteht die Gefahr von Mangelversorgung mit Trinkwasser und akute Seuchengefahr.
  • Werden Menschen durch ein Erdbeben und mangelnde Infrastruktur und Katastrophenhilfe obdachlos, können Erfrierungstod und Hungertod drohen.
  • Überlebende können durch längerfristige körperliche Beeinträchtigungen und Traumatisierung durch Erwerbsunfähigkeit oder -einschränkung in wirtschaftliche Not geraten.