Ebola-Konferenz: Ärzte ohne Grenzen fordert bessere Hilfe und mehr Forschung

Berlin, 20. April 2015. Anlässlich der Ebola-Konferenz von Ärzte ohne Grenzen am morgigen Dienstag in Berlin fordert die Hilfsorganisation Konsequenzen aus der unzureichenden internationalen Reaktion auf die Epidemie in Westafrika.

„Mehr als ein Jahr nach der ersten Infektion ist der Ebola-Ausbruch in Westafrika mit mehr als 10.000 Toten noch immer nicht überall unter Kontrolle“, erklärt Florian Westphal, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland. „Die internationale Politik und das humanitäre System dürfen nicht noch einmal so sehr versagen. Die Epidemie hat der Welt brutal vor Augen geführt, dass die bisherigen Mechanismen offensichtlich nicht in der Lage sind, schnell und effektiv auf internationale medizinische Krisen zu reagieren. Unsere Konferenz soll dazu beitragen, Lehren aus der unzureichenden Antwort auf die Ebola-Epidemie zu ziehen.“

Nach Bekanntwerden der ersten Fälle im März 2014 hatte sich Ärzte ohne Grenzen im Juni mit einem eindringlichen Hilferuf an die Öffentlichkeit gewandt. Die ohnehin sehr schwachen nationalen Gesundheitssysteme waren überfordert, 500 ihrer Mitarbeiter bezahlten mit ihrem Leben. Erst im August rief die WHO den internationalen Gesundheitsnotstand aus. Maßgebliche internationale Hilfe lief erst im September an und erreichte die betroffenen Länder nur schleppend. 

„Auch für Ärzte ohne Grenzen ist dieser Ausbruch eine der größten Herausforderungen unserer Geschichte“, so Westphal. „Wir hatten zu Beginn der Epidemie nur eine begrenzte Zahl an Mitarbeitern, die Erfahrung mit Ebola hatten. Wir haben dann hunderte Mitarbeiter geschult, sind aber trotzdem irgendwann an unsere Grenzen gestoßen. Für uns ist die Konferenz auch eine Gelegenheit, für unsere Einsätze in der Zukunft dazuzulernen.“

Ein grundlegendes Problem war und ist das Fehlen von Medikamenten und Impfstoffen. Zwar laufen momentan mehrere klinische Studien, an denen auch Ärzte ohne Grenzen beteiligt ist, abschließende Ergebnisse gibt es aber noch nicht.

„Man kann nicht innerhalb kürzester Zeit die jahrzehntelangen Versäumnisse bei Forschung und Entwicklung aufholen“, erklärt Philipp Frisch, Koordinator der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland. „Die Gesundheitsbedürfnisse armer Menschen werden von der privaten Forschung meist ignoriert. Das gilt nicht nur für Ebola, sondern auch für Krankheiten wie Tuberkulose, an der jedes Jahr 1,5 Millionen Menschen sterben. Für lebenswichtige, aber kommerziell wenig interessante Medikamente, Diagnostika und Impfstoffe braucht es mehr öffentliche Fördermittel und Forschungspartnerschaften. Hier sind auch die G7-Staaten in der Pflicht. Wir fordern die Bundesregierung auf, sich im Rahmen ihrer G7-Präsidentschaft für einen Forschungsfonds gegen vernachlässigte Krankheiten einzusetzen.“

Am Dienstag treffen sich auf Einladung von Ärzte ohne Grenzen Vertreter aus Medizin, Wissenschaft, Politik, Medien und humanitärer Hilfe zu einer Konferenz mit dem Titel „Ernstfall Ebola – Das humanitäre System in der Kritik“. Weitere Informationen und Livestream.