Die globale Impfallianz Gavi

 

Die Impfallianz Gavi ist die wichtigste Organisation für die Finanzierung von Impfstoffen in ärmeren Ländern. Gavi wurde im Jahr 2000 mit dem Ziel gegründet, ärmere Länder dabei zu unterstützen, Kinder mit neuen Impfstoffen zu immunisieren und Routineimpfungen durchzuführen. Darüber hinaus leistet Gavi technische Hilfe und Unterstützung beim Kapazitätsaufbau, um Gesundheitssysteme und Impfaktivitäten zu stärken. Aktuell unterstützt Gavi 73 Länder. Dazu zählen unter anderem Afghanistan, Haiti, Mali, Nigeria, Pakistan, Südsudan und Tschad. Gavi hat für die Jahre 2000 bis 2017 Zusagen über 8,2 Milliarden US-Dollar für Programme in den Partnerländern erhalten. Der Großteil dieser Gelder wird für Impfstoffe selbst ausgegeben, insbesondere die neueren und meist teureren.

Gavi ist eine öffentlich-private Partnerschaft (Public Private Partnership), die von Regierungen, multilateralen Organisationen (wie der Weltgesundheitsorganisation WHO oder dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF), Pharmafirmen, Forschungseinrichtungen, der Zivilgesellschaft, philanthropischen Stiftungen (wie der Bill & Melinda Gates Stiftung) und Privatpersonen getragen wird.

Deutschland leistet seit 2007 Beiträge zur globalen Impfallianz. Für die Jahre 2015 bis 2020 hat die Bundesregierung angekündigt, insgesamt 500 Millionen Euro bereitzustellen. Die Wiederauffüllungskonferenz  der Impfallianz  wird  Deutschland im Januar 2015 in Berlin ausrichten.

Wiederauffüllungskonferenz von Gavi im Januar 2015

Anlässlich der Wiederauffüllungskonferenz von Gavi  fordert Ärzte ohne Grenzen Reformen innerhalb der Impfallianz, um dadurch noch mehr Kinder mit Impfstoffen zu erreichen. Auch die Bundesregierung ist angesichts der Aufstockung der finanziellen Mittel an Gavi aufgefordert, sich für Reformen einzusetzen, damit die Gelder noch effizienter eingesetzt werden können.

Zu den Forderungen von Ärzte ohne Grenzen zählen:

  • Gavi sollte Länder darin unterstützen, den von der WHO empfohlenen Impfplan umzusetzen

Der von der WHO empfohlene Impfplan sieht vor, auch Kinder zwischen dem 12. und 24. Lebensmonat zu impfen, um deren Grundimmunisierung zu vervollständigen. Bislang finanziert Gavi nur Impfungen für Kinder bis zum 12. Lebensmonat, unabhängig davon, ob alle empfohlenen Impfungen auch tatsächlich vorgenommen wurden. Kinder, die aufgrund weiter Entfernung zu Gesundheitszentren oder anderen Faktoren vor dem ersten Geburtstag nicht komplett geimpft wurden, haben somit keinen Zugang mehr zu Gavi-finanzierten Impfstoffen.

  • Länder, die von Gavi „graduieren“ und Länder mittleren Einkommens, muss der Zugang zu erschwinglichen Impfstoffen ermöglicht werden

Gavi sieht vor, dass Staaten, deren Wirtschaft sich entwickelt, nach und nach aus der Förderung herausfallen. Bislang gibt es für Länder, die bald nicht mehr Gavi-berechtigt sind, also den so genannten „Graduierungsprozess“ durchlaufen, nur freiwillige und befristete Lösungen. Dies greift zu kurz. Damit diese Länder nicht gleich doppelt belastet werden , weil sie sowohl die Unterstützung durch Gavi als auch den Zugang zu Gavi-verhandelten Impfstoffpreisen verlieren, bedarf es einer nachhaltigen und kohärenten Lösung, die von Gavi auf den Weg gebracht werden muss.

  • Gavi sollte ihren Einfluss nutzen, um den Zugang zu Impfstoffen für Menschen in Krisenkontexten zu erhöhen

Krisen und Konflikte führen oft zu dem Zusammenbruch nationaler Impfprogramme. Kinder, die in Krisengebieten auf die Welt kommen, haben deshalb oft keinen Zugang zu Impfungen. Als humanitäre Hilfsorganisation, die in diesen Ländern medizinische Versorgung leistet, versucht Ärzte ohne Grenzen trotzdem, Kinder  zu impfen. Viele der Impfungen sind für Ärzte ohne Grenzen aber unerschwinglich. Ärzte ohne Grenzen fordert daher Zugang zu den deutlich kostengünstigeren Impfstoffen, die Gavi aufgrund ihrer Marktmacht mit den Impfherstellern verhandelt hat.

  • Gavi sollte sich mit Ihrer Marktmacht dafür einsetzen, dass adaptierte Impfstoffe entwickelt werden

Gavi verfügt über eine große Marktmacht. Sie sollte diese nutzen, um von der pharmazeutischen Industrie und der Forschung adaptierte Impfstoffe zu fordern, die vor allem auf die Bedürfnisse ärmerer Länder zugeschnitten sind. Insbesondere sollte die Entwicklung von temperaturunempfindlichen Impfstoffen angestoßen werden.  Solche Impfstoffe werden in Ländern, in denen die Aufrechterhaltung einer sicheren Kühlkette schwierig ist, dringend gebraucht.   

Mehr Informationen zur Kampagne finden Sie hier.