Demokratische Republik Kongo

1.500 Menschen seit Jahresbeginn an Masern gestorben

Ein Krankenpfleger bereitet Impfungen gegen Masern im Gesundheitszentrum Lungonzo, Kamwesha im Distrikt Kasai vor.

Ein Masernausbruch in der Demokratischen Republik Kongo hat seit Jahresbeginn bereits mehr als 1.500 Menschen das Leben gekostet. Am 10. Juni 2019 hat das Gesundheitsministerium des Landes die Epidemie offiziell bestätigt. Seit Anfang des Jahres bekämpfen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemeinsam mit lokalen Teams des Gesundheitsministeriums die Masernepidemie in zehn Provinzen des Landes. Eine nur schwer aufrecht zu erhaltene Kühlkette für die Impfstoffe und bewaffnete Konflikte erschweren jedoch die Eindämmung des Ausbruchs. Wir fordern eine massive Mobilisierung aller zuständigen nationalen und internationalen Organisationen. Kinder müssen geimpft und die von der Krankheit betroffenen Patientinnen und Patienten behandelt werden. 

„Zusammen mit den Teams des Gesundheitsministeriums geben die Teams von Ärzte ohne Grenzen ihr Bestes, um die Übertragungskette der Krankheit zu durchbrechen“, sagt Rachel Séguin, medizinische Koordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in der D.R. Kongo. „Sobald Masernfälle gemeldet werden, beginnen unsere Kollegen mit den Impfungen und versorgen die Patienten. Aber zusätzlich zu den bereits in den vergangenen Monaten unternommenen Anstrengungen brauchen wir mehr Ressourcen und Organisationen vor Ort. Die Versorgung mit Impfstoffen und Medikamenten ist unerlässlich, je früher, desto besser", sagt Séguin.

„In fast jedem Haus gab es Tote“

„Masern haben in meinem Dorf so viel Schaden angerichtet. In fast jedem Haus gab es Tote. Einige Familien haben zwei, drei oder sogar vier Kinder verloren", berichtet Albertine, die in der Provinz Kasai lebt.

Masern betreffen vor allem Kinder. Für den erneuten Ausbruch in der D.R. Kongo gibt es mehrere Gründe. Zum einen ist die Durchimpfungsrate gering, zum anderen gibt es bei der Auslieferung der Impfstoffe Lieferengpässe. Außerdem sind die medizinischen Frühwarnsysteme schwach und die logistischen Möglichkeiten, eine Kühlkette aufrecht zu halten, sehr begrenzt. Dazu kommen bewaffnete Konflikte und Vertreibungen, die das Gesundheitssystem in manchen Regionen lahmlegen. Weitere finanzielle und geografische Hürden schränken den Zugang der Patientinnen und Patienten zur Gesundheitsversorgung ein oder verhindern ihn ganz.

Krankheit kann nur mithilfe von Impfungen eingedämmt werden

„Angesichts des Wiederauftretens der Krankheit ist es wichtig, dass ein stabiles Impfstoffversorgungssystem im Land hergestellt wird“, sagt Dr. Ousmane Moussa, Leiter unseres Einsatzes in der D.R. Kongo. „Es sind mehrere Programme geplant, um die Durchimpfungsrate im Laufe des Jahres zu erhöhen. Aber erstmal ist es dringend nötig, die Auswirkungen der Epidemie einzudämmen“, sagt Moussa.

Masern sind eine hochansteckende Viruserkrankung, für die es keine Behandlung gibt. Die Krankheit kann nur mithilfe von Impfungen eingedämmt werden. Im Jahr 2019 hat Ärzte ohne Grenzen in der D.R. Kongo mehr als 361.000 Kinder geimpft und fast 15.000 Patienten medizinisch versorgt. Angesichts des Ausmaßes der Epidemie verstärken wir unsere Kontrollkapazitäten und entsenden Teams in neue Gebiete, um die Ausbreitung der hochansteckenden Krankheit einzudämmen.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit dem Jahr 1977 in der D.R. Kongo. Wir haben mehrere Notfallteams im Land und können so auf gesundheitliche und humanitäre Notfälle, wie Epidemien, Pandemien, Vertreibung und Naturkatastrophen, reagieren.