Coronavirus: Die Hilfe von Ärzte ohne Grenzen in Afrika

Von Südafrika über Burkina Faso bis Kenia sind Mitarbeiter*innen von Ärzte ohne Grenzen im Kampf gegen das Coronavirus im Einsatz.

Die Coronavirus-Pandemie hat auch die Menschen in den Ländern Afrikas erreicht. Die Zahl der Infektionen steigt. Das Coronavirus trifft vielerorts auf schwache Gesundheitssysteme. Ärzte ohne Grenzen leistet deshalb Hilfe und passt seine Arbeit an die neuen Herausforderungen für Personal und Patient*innen durch Covid-19 an. Gemeinsam mit Gesundheitseinrichtungen und den Menschen vor Ort finden wir Lösungen, um weiterhin medizinische Hilfe zu leisten und die Pandemie einzudämmen.

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Hilfe gegen das Coronavirus - zugeschnitten auf die lokalen Bedingungen

Die Hilfe von Ärzte ohne Grenzen ist so vielseitig, wie es die einzelnen Staaten sind, in denen wir arbeiten. Die verschiedenen Gesundheitssysteme und Bedürfnisse der Menschen erfordern oft ganz unterschiedliche Herangehensweisen. Vor welchen besonderen Herausforderungen unsere Teams und Patient*innen in afrikanischen Ländern stehen und wie wir helfen, möchten wir Ihnen hier zeigen.

Coronavirus-Pandemie: Aktuelle Situation in Afrika

Die Situation in Afrika hat sich bisher nicht so katastrophal entwickelt, wie zunächst angenommen. Auf dem afrikanischen Kontinent leben etwa 17 Prozent der Weltbevölkerung, aber nur drei Prozent der bisher weltweit registrierten Covid-19-Fälle wurden aus Afrika gemeldet und nur ein Prozent der Todesfälle.

Eines der Länder, das bisher am stärksten von der Pandemie betroffen ist, ist Kamerun. Aufgrund der Behandlung von an Covid-19 erkrankten Patient*innen und dem ohnehin schwachen Gesundheitssystem im Land bergen Krankheiten wie Cholera und Masern, die in Kamerun endemisch sind, ein weiteres Risiko für die Bevölkerung. Deshalb wurden mittlerweile spezialisierte Gesundheitszentren eingerichtet, die Covid-19-Patient*innen versorgen, damit in anderen Krankenhäusern die reguläre Gesundheitsversorgung aufrecht gehalten werden kann.

Im Dialog mit der Bevölkerung: Aufklärungsarbeit verhindert Infektionen

Für viele Gemeinschaften in Westafrika sind Präventivmaßnahmen wie Abstand halten und Isolation nichts Neues. Regelmäßige Ausbrüche des Lassafiebers und nicht zuletzt die Ebola-Epidemie von 2014/2015 haben das Verhalten vieler Menschen verändert. Auch wir haben aus unseren Einsätzen in diesen Gesundheitskrisen gelernt. Wir wissen inzwischen, wie wichtig Dialog und Aufklärung sind, um Epidemien einzudämmen. Denn Infektionsketten lassen sich gemeinsam schneller durchbrechen.

In Südafrika arbeiten unsere Mitarbeiter*innen zum Beispiel daran, die Ausbreitung des Coronavirus durch Kontaktverfolgung, sowohl persönlich als auch telefonisch, einzudämmen. Wir entwickeln und verbreiten außerdem Materialien zur Gesundheitsberatung. Die Länder, die die Ausbreitung des Coronavirus bisher gut unter Kontrolle gebracht haben, sind diejenigen, in denen die Quarantänemaßnahmen und die Ermittlung von Kontaktpersonen wirksam umgesetzt wurden.

Wirksame Hygienemaßnahmen: Wasserstellen und Schutzmasken helfen

Aufklärung der Menschen darüber, wie sie die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit dem Coronavirus verringern und die weitere Ausbreitung des Virus stoppen können, ist nur eine Maßnahme von vielen. Ohne Wasser und ausreichende Hygiene verbreiten sich Krankheiten schnell. Vor allem in ländlichen Regionen Afrikas mangelt es jedoch an sauberem Wasser. Die Menschen brauchen Wasserstellen, an denen sie sich regelmäßig die Hände waschen können, um sich vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen. In Liberia verteilen unsere Teams deshalb zum Beispiel Seife, in Mali und Nigeria errichten sie Wasserstellen zum Händewaschen und für sauberes Trinkwasser.

Solche Hygienemaßnahmen und auch die Bereitstellung wiederverwendbarer Stoffmasken sind wichtig, um die Zahl der Infektionen zu minimieren. Das gilt besonders für jene Menschen, bei denen das Risiko besteht, schwere Komplikationen zu entwickeln und an Covid-19 zu sterben. Dazu zählen ältere Menschen und solche mit anderen Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, Krebs, Aids oder Tuberkulose

Digitale Kommunikation in der Medizin: Risikogruppen durch videogestützte Therapie betreuen

In Eswatini betreuen wir derzeit Patient*innen, die an multiresistenter Tuberkulose (TB) erkrankt sind. Sie zählen zu den Personen, die am stärksten durch die Coronavirus-Pandemie gefährdet sind. Um sie zu schützen und trotzdem behandeln zu können, nutzen wir ein neues, videogestütztes Verfahren. Gemäß unserer Behandlungsprotokolle werden einige Patient*innen bei der Einnahme ihrer Medikamente normalerweise von Gemeindemitgliedern oder medizinischem Personal begleitet. Solche Kontakte müssen wir deutlich verringern, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren. Nun filmen sich unsere Patient*innen bei der Medikamenteneinnahme mit einem Smartphone, auf denen eine sichere App installiert ist, über die sie das Video verschicken können.

Wir stellen die Technik bereit. Das Gesundheitspersonal prüft das Video und kontaktiert die Patient*in bei Problemen oder falls es kein Video erhalten hat. Eine kleine, mobile TB-Klinik mit einem Fahrer und einer medizinischen Mitarbeiterin ergänzt unsere Hilfe in Eswatini. Die beiden suchen die Patient*innen zu Hause auf und bringen ihnen Lebensmittel und neue Medikamente, sodass die Erkrankten nicht zum Abholen in die Gesundheitszentren kommen müssen.

Covid-19-Maßnahmen verändern den Alltag und erschweren den Zugang zu medizinischer Hilfe

In unseren Einsätzen arbeiten wir oft innerhalb geschwächter Gesundheitssysteme, in denen es oft an Personal und Ausstattung fehlt. Mit der Ausbreitung des Coronavirus und den damit zusammenhängenden Schutzmaßnahmen, wie zum Beispiel Ausgangssperren, verschärft sich die Situation für Menschen, die dringend medizinische Hilfe benötigen. Fehlende Transportmöglichkeiten und der eingeschränkte Bewegungsradius machen es oft unmöglich, eine Gesundheitseinrichtung aufzusuchen. Die Wege, die unsere Patient*innen zurücklegen, sind oft weit und gefährlich. Dazu kommt die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus und einer Erkrankung an Covid-19. 

Zusätzlich gefährden soziale und wirtschaftliche Faktoren viele Menschen in Afrika. Oft leben sie von der Hand in den Mund, Tag für Tag. Sie haben keine Wahl: Sie müssen trotz der Coronavirus-Pandemie arbeiten, um genug Geld für Lebensmittel zu verdienen. Sie müssen quer durch die Stadt, zu Fuß oder öffentliche Verkehrsmittel benutzen, und so das Risiko eingehen, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Deshalb ist das Wissen darüber, wie sie sich und andere trotzdem bestmöglich schützen können, besonders wichtig.

Selbstisolation und Abstandsregeln sind oft nicht realistisch. Im Nduta-Flüchtlingslager in Tansania oder den großen Vertriebenenlagern in Bentiu im Südsudan leben Tausende unter prekären Bedingungen, ohne jedes soziale Sicherheitsnetz. Im Nduta-Flüchtlingslager in Tansania, wo wir der Hauptgesundheitsversorger für 73.000 burundische Flüchtlinge sind, bauen wir Triage- und Isolationsbereiche in Gesundheitskliniken und in unserem Hauptkrankenhaus, wohin Patient*innen mit Verdacht auf Covid-19 überwiesen werden.

Private Gesundheitseinrichtungen wurden teilweise, wie zum Beispiel in Kenia, aus Angst vor Infektionen des Gesundheitspersonals oder aufgrund bestätigter Fälle geschlossen. Der Bedarf an medizinischer Hilfe steigt. Mit dem Beginn der Regenzeit nimmt die Zahl der Atemwegserkrankungen im Land außerdem für gewöhnlich zu. Das bereitet uns Sorgen. Menschen mit Symptomen einer Atemwegserkrankung, insbesondere Kinder, werden als Verdachtsfälle eingestuft und in das falsche Krankenhaus überwiesen. Eltern zögern es aus Sorge hinaus, mit ihrem Kind eine Gesundheitseinrichtung aufzusuchen - und die notwendige Behandlung wird verzögert. In ihrem Blog berichtet unsere Mitarbeiterin über den Wettlauf gegen das Virus im größten Slum Nairobis.

Masern, Malaria, HIV und Tuberkulose: Eine Doppelbelastung der Gesundheitssysteme droht

Angesichts der Coronavirus-Pandemie wächst der Druck auf die Gesundheitssysteme und das medizinische Personal. "Die Fortführung unserer medizinischen Aktivitäten in Gebieten, in denen bereits ein massiver Bedarf an medizinischer Hilfe besteht, ist für Ärzte ohne Grenzen eine absolute Priorität," sagt Albert Viñas, unser Notfallkoordinator in Kamerun.

Wenn die medizinische Versorgung ins Stocken geriete, blieben häufige Kinderkrankheiten wie Masern, Malaria und Durchfall unbehandelt. Die Zahl der Todesfälle würde überall steigen - und zwar nicht nur derer, die an Covid-19 sterben. Derzeit grassiert beispielsweise eine der größten Masern-Epidemien in der Demokratischen Republik Kongo. "Seit Januar 2020 wurden bereits mehr als 50.000 Masern-Infektionen und 600 Todesfälle offiziell bestätigt“, so Emmanuel Lampaert, unser Projektkoordinator im Land.

Die Coronavirus-Pandemie wirkt sich erheblich darauf aus, wie wir lebensrettende Hilfe leisten können. In Niger suchen nun unsere Mitarbeiter*innen die Gemeinden auf, da weniger Menschen in die Gesundheitszentren kommen, um sich bei Verdacht auf Malaria untersuchen zu lassen. Patient*innen mit Tuberkulose oder HIV müssen besonders vor einer Ansteckung mit Covid-19 geschützt werden. Deshalb verteilt Ärzte ohne Grenzen beispielweise in Kenia die für HIV-Patient*innen lebenswichtigen antiretroviralen Medikamenten in Dreimonatschargen, damit die Menschen seltener in die Gesundheitszentren kommen können. In anderen Ländern, wie zum Beispiel Südafrika, besuchen wir die Patient*innen mit Medikamenten im Gepäck auch zuhause.

Unabdinglich im Kampf gegen das Virus: Gerechter Zugang zu Schutzausrüstung und Medikamenten

Ob sich das Virus überall auf der Welt und in unterschiedlichen Klimazonen ähnlich auf den Menschen auswirkt, ist noch unklar. Aufmerksam verfolgen wir die aktuellen Forschungsarbeiten, um so aus allen Hinweisen zu lernen, die uns helfen könnten, die Coronavirus-Pandemie zu bekämpfen. Aus unserer Erfahrung im Kampf gegen Epidemien wissen wir, dass die meisten bekannten Schutzmaßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit auch gegen Covid-19 wirksam sind.

Alle Mitarbeiter*innen im Gesundheitswesen benötigen persönliche Schutzausrüstung, aber diese wird immer teurer und ist weltweit Mangelware. Auch für uns stellt dieser Mangel eine große Herausforderung dar. Schutzausrüstung sollte dem Gemeinwohl dienen. Sie sollte verfügbar sein und gerecht verteilt werden. Forschungsergebnisse sollten transparent sein und es bedarf einer Garantie, dass wirksame Medikamente und Impfstoffe gegen Covid-19 für alle zugänglich sein werden.

Eine globale Krise erfordert globale Solidarität. Wir müssen sicherstellen,

  • dass Mitarbeiter*innen und Patient*innen im Gesundheitswesen geschützt werden,
  • dass Patient*innen behandelt werden können und
  • dass unsere Mitarbeiter*innen trotz Reisebeschränkungen die Projektländer erreichen können.

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Ärzte ohne Grenzen hilft weltweit Menschen im Kampf gegen das Coronavirus. Seit fast 50 Jahren versorgen wir Menschen, die keinen Zugang zu medizinischer Hilfe haben: nach Naturkatastrophen, in von bewaffneten Konflikten zerrütteten Gebieten oder auch in den Flüchtlingslagern dieser Welt.

Mit Ihrer Spende unterstützen Sie unsere medizinische Nothilfe langfristig, damit wir entschlossen, professionell und menschlich helfen können - weltweit in rund 70 Ländern. Überall dort, wo Menschenleben in Gefahr sind.

Aufgrund der sich ständig ändernden Situationen in den einzelnen Regionen handelt es sich hier nur um einen Auszug aus unseren aktuellen Nothilfeeinsätzen. 

17.08.2020