Charta und humanitäre Prinzipien

Wir helfen Menschen ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft und religiösen oder politischen Überzeugung

Charta

Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen ist eine private internationale Organisation. Die meisten Mitarbeiter*innen sind Ärzt*innen und Pflegekräfte, in unseren Projekten sind aber auch Vertreter*innen zahlreicher anderer Berufe tätig. Sie verpflichten sich auf folgende Grundsätze:

  • Ärzte ohne Grenzen hilft Menschen in Not, Opfern von natürlich verursachten oder von Menschen geschaffenen Katastrophen sowie von bewaffneten Konflikten, ohne Diskriminierung und ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft, religiösen oder politischen Überzeugung.
  • Im Namen der universellen medizinischen Ethik und des Rechts auf humanitäre Hilfe arbeitet Ärzte ohne Grenzen neutral und unparteiisch und fordert völlige und ungehinderte Freiheit bei der Ausübung seiner Tätigkeit.
  • Die Mitarbeiter*innen von Ärzte ohne Grenzen verpflichten sich, die ethischen Grundsätze ihres Berufsstandes zu respektieren und völlige Unabhängigkeit von jeglicher politischen, wirtschaftlichen oder religiösen Macht zu bewahren.
  • Als Freiwillige sind sich die Mitarbeiter*innen von Ärzte ohne Grenzen der Risiken und Gefahren ihrer Einsätze bewusst und haben nicht das Recht, für sich und ihre Angehörigen Entschädigungen zu verlangen, außer denjenigen, die Ärzte ohne Grenzen zu leisten imstande ist.

Humanitäre Prinzipien

Die Idee der humanitären Hilfe klingt einfach, und sie ist es auch: Nothilfe rettet Leben und lindert Leid inmitten von Krieg und Gewalt. Auf dieses Minimum an Menschlichkeit haben sich fast alle Staaten weltweit in den Genfer Konventionen geeinigt. Damit dies gelingt, müssen humanitäre Organisationen unparteilich, unabhängig und neutral sein, da sie nur dann von allen Konfliktparteien akzeptiert werden und den Betroffenen aller Seiten beistehen können. Die Wirklichkeit aber bleibt oft beträchtlich hinter diesem Ideal zurück.

Insbesondere seit dem „Krieg gegen den Terror“ (2001) instrumentalisiert die Politik die humanitäre Hilfe immer stärker, um politische oder militärische Ziele zu erreichen. So forderte Nato-Generalsekretär Rasmussen im Frühjahr 2010 eine engere Zusammenarbeit der Nichtregierungsorganisationen (NGO) mit dem Militär in Afghanistan. Er beschrieb die NGO sogar als „soft power“ der Nato. Ärzte ohne Grenzen hat diese Haltung öffentlich kritisiert und wiederholt alle Konfliktparteien aufgefordert, zwischen politischen und militärischen Zielsetzungen einerseits und medizinischer humanitärer Hilfe andererseits zu unterscheiden. Denn durch die Vermischung laufen die NGO Gefahr, mit westlichen Streitkräften verwechselt und damit selbst zum Ziel von Angriffen der gegnerischen Parteien zu werden.

Das bedeutet: Wenn humanitäre Hilfe Menschen in akuten und chronischen Krisen beistehen soll, müssen die in den Genfer Konventionen festgelegten Prinzipien der Unparteilichkeit, Unabhängigkeit und Neutralität befolgt werden.

  • Unparteilichkeit: Die Hilfe muss nach Maßgabe der Bedürftigkeit geleistet werden, ohne Diskriminierung. Ethnische, politische, ökonomische oder andere Bevorzugungen sind nicht zulässig. Hilfe, die nicht unparteilich ist, die also bestimmte Gruppen anderen vorzieht, ist immer noch Hilfe, aber sie ist nicht humanitär. Sie wird eher als Teil einer politischen Agenda geleistet und deshalb von denen, die im Konfliktgebiet die Macht haben, abgelehnt. Strikt unparteiliche Organisationen haben eher die Chance, sowohl von der betroffenen Bevölkerung als auch von den jeweiligen Machthaber*innen als glaubwürdig sowie auf das Wohl der Patient*innen fokussiert angesehen und deshalb akzeptiert zu werden.
  • Unabhängigkeit: ob von politischen Vorgaben, militärischen Verbänden oder staatlichen Geldern. Denn die Konfliktparteien könnten dies als Parteinahme verstehen.
  • Neutralität: Die Akzeptanz aller Konfliktparteien setzt auch voraus, dass humanitäre Organisationen nicht selbst als Teil eines politischen Lagers angesehen werden und nicht öffentlich Partei ergreifen.