UN-Generalversammlung: Mitgliedsstaaten, insbesondere Deutschland, müssen biomedizinische Forschung stärken und Medizinprodukte bezahlbar machen

Bei der UN-Generalversammlung, die bis zum 26. September in New York stattfindet, spielt das Thema Gesundheit eine wichtige Rolle. Am 14.09.2016 veröffentlichte das vom UN-Generalsekretär eingesetzte "High Level Panel on Access to Medicines" einen wegweisenden Bericht. Dieser beleuchtet das Versagen des aktuellen Forschungssystems, das keinen ausreichenden Beitrag zur Forschung und Entwicklung von weltweit dringend benötigten Impfstoffen, Diagnostika und Medikamenten leistet. Gleichzeitig thematisiert der Bericht, dass neu entwickelte Medizinprodukte nicht für alle verfügbar und bezahlbar sind, und macht Empfehlungen dazu, wie dies geändert werden kann.

Zu dem Bericht sagt Rohit Malpani, Experte für Politk und Analyse bei der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen in Paris:

"Der UN-Generalsekretär und die Regierungsvertreter der Mitgliedsstaaten setzen sich auf der Generalversammlung diese Woche mit dem weltweiten Problem der medikamentenresistenten Infektionen auseinander. Dieser Bericht sollte für sie ein Aufruf zum Handeln sein. Regierungen müssen sich dringend dafür einsetzen, dass sich die Forschung an den gesundheitlichen Bedürfnissen von Menschen weltweit orientiert. Und sie müssen dafür sorgen, dass Impfstoffe, Diagnostika und Medikamente für alle Menschen zugänglich sind - egal, wo sie leben. Weit über das Problem von resistenten Infektionen hinaus müssen Regierungen dafür sorgen, dass das derzeitige Forschungssystem grundlegend reformiert wird, so dass das Grundbedürfnis der Menschen nach medizinischer Versorgung endlich erfüllt werden kann."

Drängendes Problem: Antimikrobiellen Resistenzen

Für den 21. September ist zudem ein hochrangiges Treffen zu antimikrobiellen Resistenzen (AMR) geplant. Erst zum vierten Mal in ihrer Geschichte wird sich die UN-Generalversammlung damit einem Gesundheitsthema widmen - nach HIV, nichtübertragbaren Krankheiten und Ebola. Daran wird deutlich, wie drängend das Problem der AMR weltweit ist und wie wichtig es für die UN-Mitgliedstaaten ist, hier zu konkreten Lösungen zu kommen. Auch Deutschland wird AMR auf die Agenda seiner G20-Präsidentschaft setzen, die im Dezember 2016 beginnt.

Ärzte ohne Grenzen fordert die UN-Mitgliedsstaaten und insbesondere die deutsche Bundesregierung auf, mehr in die Forschung und Entwicklung neuer Impfstoffe, Diagnostika und Medikamente zu investieren und die Empfehlungen des Berichtes zügig in die Praxis umzusetzen.