Mali

Das Krankenhaus im Herzen der Wüste – Ein Bericht aus Timbuktu

Aufwachraum in der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses in Timbuktu

Timbuktu liegt mitten in der Sahara, in einem entlegenen Gebiet im Norden von Mali. Medizinische Hilfe ist für die Menschen dort wegen der großen Entfernungen und der anhaltenden Unsicherheit nur schwer erreichbar.

Die spanische Gynäkologin Tane Luna arbeitet in der Fachabteilung für Mutter-Kind-Gesundheit von Ärzte ohne Grenzen in Australien und hat kürzlich das Krankenhaus in Timbuktu besucht. Sie berichtet von ihren Eindrücken:

Was hast du in Timbuktu erlebt?

Der Projektbesuch war für mich aufregend und anstrengend zugleich. Mali ist ein Konfliktgebiet, in dem Gesundheitsversorgung für die Menschen sehr schwer zugänglich ist. Die Region Timbuktu liegt im Herzen der Sahara und ist die größte Malis, mit einer Fläche so groß wie Spanien. Im Areal Timbuktu leben rund 60.000 Menschen. Das dortige Krankenhaus ist mittelgroß, gilt jedoch im Rahmen des Überweisungssystems als Referenzkrankenhaus für etwa 900.000 Menschen. Das nächstgelegene Referenzkrankenhaus liegt rund 400 Kilometer entfernt.

gynaekologin tane lunaÄrzte ohne Grenzen ist seit vier Jahren in dem Krankenhaus für fünf Stationen mit insgesamt 87 Betten verantwortlich. Wir arbeiten in der Chirurgie, Gynäkologie, inneren Medizin, Pädiatrie und Notaufnahme. Die Abteilung für Geburtshilfe unterstützt monatlich bei rund 100 Entbindungen und macht 15 bis 20 Kaiserschnitte. Die häufigsten Probleme der Patienten sind recht „klassisch“ für eine Region mit vielen Kindern: Es gibt viele Fälle von Malaria und Mangelernährung, aber auch andere Dinge wie allgemeine Operationen oder komplizierte Geburten. 

Welches sind die größten Probleme in Bezug auf die Gesundheitsversorgung?

Der Norden Malis ist seit vielen Jahren ein Konfliktgebiet. Alle haben Angst, sich zu bewegen. Der Norden Malis ist ein sehr entlegenes Gebiet in einer sehr isolierten und äußerst prekären Situation. Die Menschen leben über ein großes Areal verstreut und viele sind Nomaden. Nachts reist wegen der Unsicherheit niemand, lange Strecken werden vermieden und die Menschen haben oft nicht die Ressourcen Hilfe zu erreichen, die mehrere Stunden Reisezeit durch die Wüste entfernt liegt.

Es gibt in Timbuktu keinen öffentlichen Verkehr und auch Krankenwagen können nicht fahren. Damit die Patienten die Transportprobleme umgehen können, unterstützen wir auch drei Gesundheitszentren in Tin-Telout, Agouni und Nibkit.

Es ist in der Region auch schwierig medizinische Fachkräfte zu finden. Unsere Kollegen in Timbuktu leben ebenfalls sehr isoliert und können kaum reisen, um Versorgung oder Beratung in kleineren Gesundheitszentren anzubieten. 

Was hat dich am meisten überrascht oder beeindruckt?

Das Land, die Menschen, die Größe und das Potential dieses Krankenhauses und die Qualität der Pflege, die dort geboten wird. Auch die Treffen mit unserem Gynäkologen vor Ort, Dr. Bah. Er wurde in Kuba ausgebildet, und wir unterhielten uns viel in Spanisch, wobei mich sein kubanischer Akzent ständig an Salsa-Melodien erinnerte. Die Hebammen sind sehr engagiert, die Notaufnahme ist wirklich gut organisiert und sehr zuverlässig bei jedem Eingriff. 

Ich hoffe wirklich sehr, dass sich die Situation in Mali stabilisiert. Denn trotz all des Engagements und unserer Unterstützung werden die Menschen es weiterhin sehr schwer haben medizinische Hilfe zu bekommen, wenn die Unsicherheit anhält.