Indien

Behandlung der lebensgefährliche Tropenkrankheit Kala-Azar ab sofort mit einer Einzeldosis möglich

Eine Krankenschwester von Ärzte ohne Grenzen mit einem Kala-Azar Patienten im Sadar Krankenhaus in Bihar, Indien.

Seit Mitte November 2014 ist auch in den Gesundheitszentren im indischen Bihar ein Medikament verfügbar, mit dem die Tropenkrankheit Kala-Azar in nur zwei Stunden behandelt werden kann. Es wird gemeinhin SD LAmB genannt, was einer Einzeldosis „Liposomales Amphotericin B“ entspricht. Im indischen Staat Bihar ist Kala-Azar sehr verbreitet. Ärzte ohne Grenzen hat die Regierung in Biha unterstützt, die Einzeldosis LAmB jetzt als Medikament der ersten Behandlungslinie gegen Kala-Azar einzusetzen. Die parasitäre Tropenkrankheit Kala-Azar wird durch den Biss eines bestimmten Typs von Sandfliege übertragen tritt weltweit in 76 Ländern auf. Typischerweise breitet sich die Krankheit in den ärmsten Regionen aus, wo die Menschen in Häusern mit Lehmwänden- und böden leben und sich Tiere wie z.B. Rinder in der Nähe aufhalten.

"Diese Behandlung ist kostenlos, sicher und wirksam. Mit jeweils nur einer Dosis kann einer großen Zahl von Patienten geholfen werden. Sie sind alle von einer Krankheit betroffen, die tödlich verläuft, wenn sie nicht behandelt wird. Jetzt sind wir einen Schritt nach vorn gekommen, um Kala-Azar in der Region eliminieren", sagt Nines Lima, tropenmedizinische Beraterin von Ärzte ohne Grenzen.

Das ist eine grundlegende Veränderung, denn die Kala-Azar-Patienten  bekamen nach den bisherigen Richtlinien Miltefosin, das über einen Zeitraum von 28 Tagen oral verabreicht wird. Aufgrund der weiten Wege und klimatischer, sozialer und wirtschaftlicher Bedingungen konnten viele die 28 tägige Behandlungsdauer nicht durchhalten. Dagegen ist die Einzeldosis LAmB sehr wirksam, wird in nur zwei Stunden als intravenöse Infusion gegeben und ist für alle Patientengruppen verträglich, darunter schwangere Frauen und Kleinkinder. Behandelt wird entweder in lokalen Gesundheitszentren oder in Krankenhäusern. Schrittweise werden nun alle lokalen Gesundheitseinrichtungen Kala-Azar-Patienten mit LAmB behandeln. Das ist die Voraussetzung dafür, mit dieser sanfteren Methode die Krankheit fast ganz auszumerzen und die jährlichen Todesfälle auf einen pro 10.000 Einwohner zu verringern.

In Indien ist Bihar das Epizentrum des Kala-Azar, wo 33 von 38 Bezirken betroffen sind. 35 Millionen Menschen sind gefährdet, die in rund 11.500 Dörfern leben - verteilt auf 429 Provinzen.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 2007 in Bihar, hat mehr als 11.000 Kala-Azar Patienten gratis mit SD- LAmB behandelt und gute Heilungsraten erzielt. Die Organisation arbeitet daran, die Krankheit zu eliminieren und die Gesundheitssituation für Risikogruppen in den endemischen Gebieten Indiens zu verbessern. Mit dieser Zielsetzung unterstützt Ärzte ohne Grenzen das Ministerium für Gesundheit und Familie, das nationale Kontrollprogramm für übertragbare Krankheiten, das Rajendra Memorial Forschungsinstitut und das Kalacore Konsortium. Außer in zehn Bezirken von Bihar ist die Behandlung mit LAmB nun auch in West Bengal und Jharkhand.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1999 in Indien und bietet medizinische Versorgung für Tausende von Patienten in Andhra Pradesh, Bihar, Chhattisgarh, Jammu und Kaschmir, Maharashtra und Manipur.