Zentralafrikanische Republik

Nach Gewaltausbruch in Bangui ist der Zugang zu medizinischer Versorgung blockiert

Seit dem 26. September wird die Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik wieder von Gewalt beherrscht. Trotz der angespannten Situation sind unsere Teams nach wie vor in Bangui aktiv und versorgen die Verwundeten, die es trotz der schwierigen Sicherheitslage schaffen, eine der drei medizinischen Einrichtungen von Ärzte ohne Grenzen zu erreichen.

Ausgelöst durch den Mord an einem Motorradfahrer, kam es in Bangui zu Vergeltungsmaßnahmen in mehreren Stadtvierteln der Hauptstadt. Bei großen Demonstrationen protestierten die Menschen gegen die derzeitige Übergangsregierung  und es kommt zu Zusammenstößen - auch mit den internationalen Friedenstruppen im Land. Menschenmassen bewegen sich durch die Stadt, es gibt zahlreiche Straßenblockaden, Gebäude werden zerstört und geplündert, darunter auch die Einrichtungen von internationalen Organisationen.

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen bereiten sich in allen drei Einrichtungen der Organisation vor Ort auf eine Notsituation vor und rechnen mit einer steigenden Anzahl Verwundeter. Zwischen dem 26. und 28. September wurden 84 Patienten in dem Gesundheitszentrum in M'Poko, einem großen Vertriebenenlager in der Nähe des internationalen Flughafens, behandelt. Im selben Zeitraum wurden 97 Verwundete in dem General Hospital aufgenommen. Das Krankenhaus ist eines der wenigen mit chirurgischen Kapazitäten in der Region. "Unter den hundert Verletzten befanden sich 15 Schwerverletzte – bei zwei weiteren konnte bei Ankunft im Krankenhaus nur noch der Tod festgestellt werden“, berichtet Thomas Lauvin, medizinischer Koordinator von Ärzte ohne Grenzen im Bangui General Hospital. "Die meisten Verletzungen waren Schusswunden, aber wir haben auch Menschen behandelt, die durch die Explosion von Granaten und Handfeuerwaffen verwundet wurden. Zum jetzigen Zeitpunkt mussten 45 Patienten operiert werden."

"Aufgrund der prekären Sicherheitslage können wir nicht mit dem Krankenwagen in die Stadt fahren", erklärt Emmanuel Lampaert, der den Einsatz von Ärzte ohne Grenzen in der Zentralafrikanischen Republik leitet. "Wir versuchen nach Möglichkeit, Patienten mit dem Taxi in unsere medizinischen Einrichtungen zu bringen. Der Großteil der Verwundeten ist allerdings auf sich allein gestellt, versucht entweder zu Fuß oder mit Motorrädern zu uns zu kommen. Das führt dazu, dass zum Beispiel am 28. September nicht eine einzige Frau zu uns in die Entbindungsstation kam. Normalerweise unterstützen wir hier pro Tag rund 30 Geburten.“

Weil am 27. September viele Straßen blockiert waren, konnten die Verwundeten aus den Gegenden rund um „PK5“ und M’Poko nicht in das General Hospital überwiesen werden. Infolgedessen starben mehrere Menschen. "Angesichts der aktuellen Situation in der Stadt, erscheint die Zahl der Verwundeten, die unsere medizinischen Teams erreicht merkwürdig niedrig", sagt Lauvin. "Leider müssen wir davon ausgehen, dass viele Menschen derzeit keine Möglichkeit haben, unsere Einrichtungen zu erreichen und somit von notwendiger medizinischer Versorgung abgeschnitten sind. Die Menschen können die Gesundheitseinrichtungen nicht sicher erreichen und wir können die Menschen nicht erreichen."

Die jüngsten Gewaltausbrüche und die anhaltend unsichere Lage führten dazu, dass viele Menschen in Bangui ihre Häuser verlassen mussten und in die bereits bestehenden Vertriebenenlager flüchteten. Unser Team in M'Poko berichtet, dass in den vergangenen Tagen mehrere tausend Menschen neu in das Lager gekommen sind.