Zwischen Hilfe und Hilflosigkeit: Die Realität der Humanitären Hilfe

Flüchtlinge in der Demokratischen Republik Kongo.

Humanitäre Organisationen retten jedes Jahr das Leben Hunderttausender Menschen, die unter den Folgen von Konflikten, Epidemien und Naturkatastrophen leiden. Trotzdem macht sich immer wieder ein Gefühl von Hilflosigkeit breit. Denn das oft erschreckende Ausmaß der Gewalt und des Leids, dem diese Menschen ausgesetzt sind, können auch erfahrene und gut ausgerüstete humanitäre Helfer höchstens lindern, nicht aber verhindern.

Der Eindruck von Hilflosigkeit hängt auch damit zusammen, dass humanitäre Hilfe immer wieder blockiert, missbraucht und instrumentalisiert wird. Humanitäre Hilfe soll in Situationen Leben retten und Leiden lindern, in denen Menschen in schwerster Not auf äußere Hilfe angewiesen sind. Internationale Abkommen, die fast alle Staaten der Welt unterschrieben haben, legen fest, dass Menschen ein Recht auf Hilfe haben und dass humanitäre Organisationen ungehindert diese Hilfe leisten.

Humanitäre Organisationen sollen unparteilich, unabhängig und neutral sein. In der Realität aber ist die humanitäre Hilfe in gewisser Weise ein Opfer ihres eigenen Erfolges und dadurch in manchen Kontexten zu einem Instrument der Politik geworden. Heute glauben viele Regierungen und die Vereinten Nationen, aber auch viele Nichtregierungsorganisationen, humanitäre Hilfe solle Teil eines kohärenten politischen Systems sein. Also eine Art integriertes System, in dem neben der humanitären Hilfe auch das Militär, Wiederaufbau- oder Demokratiebemühungen eine wichtige Rolle spielen. Ärzte ohne Grenzen ist fest davon überzeugt, dass die Integration der humanitären Hilfe in solch ein politisches System die ihr ureigenen Grundlagen, Werte und Prinzipien zerstören wird.

Im Juni 2009 lud Ärzte ohne Grenzen Kollegen aus anderen Organisationen und Institutionen ein, um diese Fragen zu diskutieren.

Programm

Vorträge von

  • Frank Dörner - Geschäftsführer, ÄRZTE OHNE GRENZEN
    „Zwischen Prinzipien und Praxis: Keine Hilfe ohne Sicherheit!?“
  • Johanna Grombach-Wagner - Politische Beraterin des Generaldirektors, IKRK, Genf
    „Zugang dank Unabhängigkeit und Neutralität?“
  • Dennis Dijkzeul - Professor in the Management of Humanitarian Crises, Universität Bochum
    “Looking good, but doing bad. Die UN Organisationen in DRC (Kongo)”
  • Kerstin Müller - MdB, ehem. Staatsministerin im Auswärtigen Amt
    „Humanitäre Hilfe im Spannungsfeld zwischen Neutralität und politischer Parteinahme“
  • Thomas Gebauer - Geschäftsführer, medico international
    „Medizin zwischen den Fronten“

Moderation: Ulrike von Pilar