Zusätzliches chirurgisches Team im Gazastreifen eingetroffen

Notaufnahme des Shifa-Krankenhauses in Gaza-Stadt.

Ein chirurgisches Team von Ärzte ohne Grenzen erreichte Samstag den Gazastreifen, um lebensnotwendige Hilfe für Patienten zu leisten, die bei den Kämpfen zwischen israelischer Armee und Hamas schwer verletzt wurden. Das internationale Team besteht aus sechs Personen: Einem Gefäßchirurgen, einem orthopädischen Chirurgen, einem Anästhesisten, einem OP-Krankenpfleger, einem Logistiker und einem Projektkoordinator. Es hatte zuvor zehn Tage in Jerusalem auf die Erlaubnis und entsprechende Sicherheitsgarantien der israelischen Regierung warten müssen, um über den gefährlichen und exponierten Grenzübergang Erez in den Gazastreifen einreisen zu können. Andere Grenzübergänge waren für Ärzte ohne Grenzen nicht passierbar. Das Team reiste gemeinsam mit einem Konvoi des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes ein und fuhr nach Gaza-Stadt, wo Ärzte ohne Grenzen eine postoperative Klinik betreibt und Krankenhäuser mit medizinischem Material unterstützt.

Ein Frachtflugzeug mit 21 Tonnen medizinischem Material für den Gazasteifen, das am 15. Januar in Europa gestartet war, wartet derzeit auf dem Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv noch auf die Zollfreigabe. Die Ladung enthält Medikamente wie Antibiotika, Anästhetika, Verbände, chirurgisches Material, sowie zwei aufblasbare Zelte zur Einrichtung eines Operationssaals und einer Intensivstation mit zehn Betten.

Weiteres medizinisches Team auf dem Weg

Ein weiteres 3-Personen-Team, bestehend aus einem Chirurgen, einem Anästhesisten und einem Koordinator, befindet sich auf dem Weg von Kairo nach Rafah, der Grenzstadt zwischen Ägypten und Gaza. Nach Eintreffen im Gazastreifen werden sie versuchen, nach Gaza-Stadt weiterzukommen. Ägypten verlangt jedoch für die Einreise nach Gaza von allen Ausländern eine schriftliche Genehmigung ihrer jeweiligen Regierung – eine bürokratische Maßnahme, die zu Verzögerungen führt.

Hilfeleistung unter extremer Gefahr

Da viele Verletzte und Kranke ihre Häuser nicht verlassen können, riskieren palästinensische Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen ihr Leben, um Patienten zu Hause zu untersuchen und zu behandeln. Bis zum 14. Januar wurden auf diese Weise 317 Menschen versorgt, darunter 92 Kinder unter 15 Jahren und 56 Frauen.

Relative Ruhe in Gaza erlaubte am Freitag eine Ausweitung der Aktivitäten in der postoperativen Klinik von Ärzte ohne Grenzen in Gaza-Stadt. Die Kliniken der Organisation in Beit Lahia im Norden Gazas sowie in Khan Younis im Süden bleiben aufgrund der Gewalt und der extremen Unsicherheit geschlossen.