Kenia

Zunehmende Unsicherheit zwingt unsere Mitarbeiter, das Flüchtlingslager Dadaab zu verlassen

Die Mutter-Kind-Station im Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen im Flüchtlingslager Dadaab in Kenia. Allein im Jahr 2014 wurden hier 3.240 Kinder geboren.

Aufgrund von zunehmender Gewalt und Drohungen im Nordosten Kenias mussten 42 Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen das Flüchtlingslager Dadaab verlassen. Dies hat unmittelbare Folgen für die dringend benötigte medizinische Versorgung der größtenteils somalischen Flüchtlinge in Dadaab: Zwei der vier von Ärzte ohne Grenzen betriebenen Gesundheitsposten mussten die Aktivitäten einstellen und im Krankenhaus kann keine Geburtsvorsorge mehr angeboten werden. Auch weitere medizinische Leistungen können nach der massiven Reduzierung der Zahl der Mitarbeiter wahrscheinlich nicht mehr angeboten werden.

„Die Flüchtlinge und das medizinische Personal sind die grössten Leidtragenden der zunehmend schlechten Sicherheitslage“, sagt Charles Gaudry, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Kenia. Die gegenwärtige Sicherheitslage schränkt die Möglichkeiten unserer Mitarbeiter massiv ein, dringend benötigte medizinische Hilfe zu leisten.“

Sicherheitslage schränkt medizinische Hilfe massiv ein

Ärzte ohne Grenzen ruft deshalb bewaffnete Gruppen auf, medizinische Einrichtungen und deren Personal zu respektieren, damit diese ihre Aktivitäten schnellstmöglich wieder in vollem Umfang aufnehmen können.

Die Lager von Dadaab, in denen derzeit rund 350.000 Menschen leben, sind der grösste Flüchtlingslagerkomplex der Welt. Seit über 20 Jahren bieten die Lager Somaliern eine Zuflucht, vor den anhaltenden Konflikten sie aus ihrem Land geflohen sind. Ärzte ohne Grenzen betreibt ein Krankenhaus mit 100 Betten sowie nunmehr zwei Gesundheitsposten in Dagahaley, einem der fünf Lager von Dadaab.

Dadaab für Geflüchtete nach wie vor sicherer als Somalia

Aufgrund der Verschlechterung der Sicherheitslage und Kürzungen der Finanzmittel haben viele Hilfsorganisationen die humanitäre Hilfe in den Lagern in den vergangenen Jahren immer mehr reduziert. Dennoch bleibt Dadaab für die Menschen ein sicherer Ort als Somalia.

Ärzte ohne Grenzen wird die Lage nun kontinuierlich evaluieren. Wenn die Sicherheit für Patienten und Mitarbeiter in den Lagern wieder gewährleistet ist, wird die Organisation die Wiederaufnahme aller Aktivitäten in Betracht ziehen.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 20 Jahren in Dadaab tätig. Im Lager Dagahaley ist Ärzte ohne Grenzen derzeit die einzige Organisation, die medizinische Versorgung zur Verfügung stellt. Die kenianischen Teams betreiben hier ein Krankenhaus mit 100 Betten sowie nun zwei Gesundheitsposten. Das Krankenhaus bietet ambulante und stationäre medizinische Betreuung mit chirurgischen Eingriffen, einer Entbindungsstation, Behandlung von HIV und Tuberkulose sowie einer stationären Abteilung für mangelernährte Kinder. 2014 haben die Teams 180.000 ambulante Sprechstunden abgehalten, 12.000 Menschen stationär aufgenommen, 12.000 vorgeburtliche Untersuchungen durchgeführt und 3.240 Kinder entbunden. Nach dem Angriff auf die Universität in Garissa am 2. April 2015 unterstützte ein Team von Ärzte ohne Grenzen das Krankenhaus von Garissa bei der Behandlung der Verwundeten  und leistete den Studenten der Universität am Flughafen medizinische Hilfe.