Demokratische Republik Kongo

"Wir fürchten, dass Zivilisten keine Hilfe aufsuchen" - Ärzte ohne Grenzen besorgt wegen Gewalt in Katanga

Kyungu Matundao schreibt seinen Namen an die Tafel einer Schule im Dorf Kisele. Er floh mit seiner Familie dorthin, nachdem das Militär dorthin kam, um Mai-Mai-Milizen zu bekämpfen, aber Forderungen an die Dorfbewohner stellte. Das war im August 2013. Seit einigen Monaten leidet die Bevölkerung in Katanga wieder unter Kämpfen zwischen den Milizen und Regierungstruppen.

Seit November 2013 erschüttern Kämpfe zwischen Mai-Mai-Milizen und Regierungstruppen das Gebiet Shamwana in der Provinz Katanga im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Im vergangenen Jahr wurden Dörfer entlang der Straßen zwischen Shamwana und Dubie, Mitwaba und Mpiana niedergebrannt. Von 25. Dezember bis 1. Januar des neuen Jahres sind auch die Dörfer Lenge, Nkonkole, Lubinda, Kabwesungu und Kilabwilu zerstört worden. Hunderte Menschen sind aus Angst geflüchtet und suchen in den umliegenden Dörfern und im Busch Schutz. Ärzte ohne Grenzen ruft alle bewaffneten Gruppen in Katanga dazu auf, die Sicherheit der Zivilbevölkerung zu respektieren und den Zugang zu medizinischer Versorgung zu gewährleisten.

"Wir sind besorgt, dass viele gefährdete Menschen weder die medizinische Versorgung noch die humanitäre Hilfe erhalten, die sie benötigen", sagt Thomas Mollet, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Katanga. "Die Sicherheitslage ist angespannt, und Organisationen können sich nicht frei bewegen. Wir fürchten, dass Zivilisten keine Hilfe aufsuchen - aus Angst davor, in Zusammenstöße verwickelt zu werden und irrtümlich für Kämpfer gehalten zu werden."

Das Ausmaß der Vertreibung ist schwer einzuschätzen, aber hunderte Familien sind in zumindest acht nahegelegene Dörfer geflüchtet. Zusätzlich zur weitreichenden Zerstörung und Vertreibung wurden viele der Flüchtenden bedroht oder von Bewaffneten dazu gezwungen, in ihre Dörfer zurückzukehren.

Eingeschränkter Zugang zu medizinischer Versorgung

Die vertriebenen Menschen sind besonders gefährdet, nachdem sie seit Monaten mit Kämpfen und Bedrohungen konfrontiert sind. Die Lage wird noch weiter verschärft durch den Beginn der Regenzeit, da viele Menschen unter freiem Himmel ohne Schutz vor der Witterung schlafen müssen.

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen, die im Krankenhaus in Shamwana verschiedene Gesundheitsleistungen anbieten, registrierten im Vergleich zu den vergangenen Jahren einen Rückgang der Anzahl an Patienten. Dieser Umstand legt den Rückschluss nahe, dass es den Menschen derzeit nicht möglich ist, medizinische Einrichtungen aufzusuchen. Im November wurden ambulant 30 Prozent weniger Patienten behandelt als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Im Dezember kehrten 18 Patienten, die eine Langzeitbehandlung gegen HIV und Tuberkulose erhalten, nicht mehr für ihre lebenswichtige Folgebehandlung in das Krankenhaus zurück.

Hilfe trotz angespannter Situation

"Für schwangere Frauen können Komplikationen fatal sein, und schwere Fälle von Malaria sind für die betroffenen Kinder tödlich, wenn sie nicht behandelt werden", erklärt Mollet. "Bewaffnete Gruppen in Katanga und die Armee müssen die Sicherheit der Zivilbevölkerung respektieren und ihnen den Zugang zu medizinischer Versorgung, die sie benötigen, ermöglichen."

Ärzte ohne Grenzen ist weiterhin im Krankenhaus in Shamwana tätig - trotz der anhaltenden Kämpfe und der sich verschlechternden Sicherheitssituation. Die Teams bieten außerdem mobile Kliniken an, führen Wasseraufbereitung und sanitäre Aktivitäten durch und verteilen Moskitonetze für Betten.

Die auch als "Dreieck des Todes" bezeichnete Region ist bereits durch eine gewaltsame Vergangenheit gezeichnet: Im Jahr 2005 führten gewaltsame Zusammenstöße zwischen Mai-Mai-Milizen und der Armee in dieser Gegend der Provinz Katanga zu vielen Todesopfern sowie ermordeten, vergewaltigten, verletzten oder vertriebenen Menschen. In den vergangenen Jahren verschärften sich die Spannungen wieder - Ärzte ohne Grenzen versucht weiterhin, unter diesen schwierigen Voraussetzungen die medizinischen Tätigkeiten in der Gegend aufrecht zu erhalten.