Myanmar

"Wir führen hier kein normales Leben, wir überleben nur" - medizinische Hilfe für die Menschen von der Volksgruppe der Mon

Mehr als 70.000 Menschen von der Volksgruppe der Mon leben Schätzungen zufolge in der Waffenstillstandszone entlang der myanmarisch-thailändischen Grenze. Nach einem jahrzehntelangen Konflikt zwischen den Rebellen der Mon und der myanmarischen Regierung versprach diese Zone Frieden und Stabilität für die Menschen. Doch die gebirgige Region im Süden Myanmars sowie der dichte Urwald erschweren der Bevölkerung das Leben. Seit April 2007 leistet Ärzte ohne Grenzen dort medizinische Hilfe.

Viereinhalb Tage dauert seine längste Strecke. Zehn Stunden wandert der 34-jährige schlanke Mann namens Super an diesen Tagen durch den dichten burmesischen Urwald. Zwei Träger begleiten ihn auf diesem strapaziösem Weg: Auf ihren Schultern tragen sie Kisten voller Medikamente. Denn die braucht Super in den vier Dörfern, die er alle zwei Monate aufsucht. "Ich mache diesen Job, weil ich meinen Leuten helfen will", sagt er. "Aber dafür muss man ganz schön fit sein, es ist manchmal ziemlich anstrengend", lacht er etwas verschämt. In den Dörfern, die tief im Urwald liegen, untersucht und behandelt er die Bewohner an Ort und Stelle. Die meisten leiden unter Malaria, Lungenentzündung, Hautkrankheiten oder Atemwegsinfektionen.

Super ist kein Arzt und hat nur eine kurze medizinische Ausbildung von mehreren Monaten absolviert. Doch für die Menschen in diesen Dörfern ist er der Einzige, der ihnen hilft, wenn sie krank werden. Der junge Mann war für das Nationale Gesundheitskomitee der Mon (MNHC) tätig, dessen Arbeit Ärzte ohne Grenzen unterstützt. Vor sechs Monaten kam Super dann zum Team der Hilfsorganisation und geht jetzt als Labortechniker und Gesundheitshelfer in abgelegene Regionen. Insgesamt gehören zehn Dörfer zu seinem Einsatzgebiet, die meisten liegen in einer Bergregion.

Über Berge und Flüsse

Wie Balai Doung Pike, eine Ansammlung von mehreren Häusern. Hier leben etwa 1.000 Menschen. Rund 200 Meter von der Dorfmitte liegt ein kleiner Gesundheitsposten. In der Regenzeit kann es allerdings passieren, dass die kleine Klinik völlig abgetrennt ist vom Rest des Dorfes, da die Straße unpassierbar ist. "Dann bleibt uns nichts anderes übrig, als die Patienten zur sechs Kilometer entfernten Klinik nach Halockani zu bringen. Mindestens sechs oder sieben Kranke sind es monatlich ", erklärt Mi Yin, ein Dorfbewohner. Doch auch die Strecke in die Klinik hat es in sich. "Sieben Männer brauchen wir, um einen Patienten auf Bambusstäben zu tragen. Alle 15 Minuten wechseln sie sich ab", so der 49-jährige Min Yi. "Der Weg ist beschwerlich, denn die Männer müssen Berge und fünf Flüsse mit hohem Wasserstand überqueren. Der Weg ist oft rutschig, und die Träger müssen sehr aufpassen, dass sie nicht hinfallen."

Während der Trockenzeit lebt es sich einigermaßen gut in den traditionellen Holzhäusern in Halockani, die mit Stroh bedeckt sind. In der Regenzeit aber verwandelt sich das Dorf und seine Umgebung in ein Schlammgebiet. Straßen werden regelrecht von Erdrutschen weggespült, Flüsse steigen an und zerstören Brücken oder überfluten die Hütten. Hinzu kommen in dieser Zeit unzählige Mücken, die Malaria übertragen.

"Als wir das erste Mal in diese Region kamen, waren viele an Malaria erkrankt. Aber es gab weder Mikroskope noch Medikamente, um die Krankheit zu diagnostizieren und zu heilen", erklärt Raden Srihawong, Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen. Seit April 2007 haben seine Kollegen etwa 6.000 Patienten gegen Malaria behandelt.

Düstere Zukunft

Doch Krankheiten und große Transportprobleme sind nicht die einzigen Widrigkeiten, mit denen die Menschen in dieser Region kämpfen. "Es gibt zu wenig anbaufähiges Land für alle", so Nai Kasauh Mon, Leiter des Nothilfe- und Entwicklungskomitees der Mon. "Wir können keine Felder bestellen und uns auch nicht selbst ernähren. Wir haben weder ein Einkommen noch Vieh, dafür mangelt es immer häufiger an Nahrungsmitteln und Trinkwasser." Aus diesem Grund rät Nai Kasau Mon Neuankömmlingen ab, sich in diesem Gebiet niederzulassen. "Wir führen hier kein normales Leben, wir überleben nur."

Denn Halockani, Balai Doung Pike und viele andere Dörfer liegen in der Waffenstillstandszone entlang der thailändischen Grenze. 1995, als diese Zone gegründet wurde, dachten viele, dies sei ein positiver Schritt in Richtung Frieden. Doch heute sind die meisten Menschen frustriert. "Einige Familien leben bereits seit zehn Jahren hier, doch nichts hat sich seitdem zum Besseren verändert", gesteht Nai Kasau Mon. Kein Wunder, dass viele es daher vorziehen, sich als illegale Migranten in Thailand durchzuschlagen. Gerade die jungen Leute haben das Gefühl, dass es für sie in der Waffenstillstandszone keine Zukunft gibt.

Ärzte ohne Grenzen konzentriert sich im Süden Myanmars auf die Diagnose und Behandlung von Malaria. Die Teams trainieren zudem myanmarische Gesundheitshelfer, renovieren Kliniken, kümmern sich um Trinkwasser, sanitäre Anlagen und die Müllentsorgung. Außerdem impfen sie Kinder gegen Polio, Mumps, Masern und Röteln. Wenn Cholera ausbricht, wie im März dieses Jahres, unterstützen sie die lokalen Behörden, die Epidemie einzudämmen.