Welt-Tuberkulose-Tag 2012: Unterschätzt, vergessen, unterfinanziert

Eine gefährliche Form der Tuberkulose breitet sich alarmierend schnell aus: Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen beobachten, dass immer mehr Menschen an multiresistenten Formen der Tuberkulose (MDR-TB) erkranken, also an einer Form der Krankheit, gegen die die normalen Medikamente nichts mehr ausrichten können. Und viele Fälle sind vermutlich gar nicht bekannt. Nur sehr wenige Menschen werden auf diese Form der Tuberkulose getestet.

Um die Ausbreitung dieser globalen Gesundheitskrise zu verhindern, werden dringend neue Therapiemöglichkeiten benötigt. Hier stehen vor allem die Regierungen in der Pflicht, mehr Geld in die Forschung zu investieren und den Zugang von Patienten zu wirksamen Diagnoseverfahren und zu erschwinglichen Behandlungstherapien zu ermöglichen.

Ärzte ohne Grenzen behandelt jährlich mehr als 25.000 Menschen in 29 Ländern gegen Tuberkulose, darunter 3.300 Kinder unter 15 Jahren. In Zusammenarbeit mit den nationalen Gesundheitsbehörden ist Ärzte ohne Grenzen in unterschiedlichen Kontexten aktiv: in städtischen Armenvierteln, zu ländlichen Gebieten, Gefängnissen und Flüchtlingslagern.

In den vergangenen Jahren hat Ärzte ohne Grenzen intensiv daran gearbeitet, die Behandlung von Patienten mit multiresistenter Tuberkulose auszuweiten. Während 2001 nur 11 Patienten mit MDR-TB eine Therapie erhielten, waren es 2010 schon mehr als 1.000 Menschen in 15 Ländern.

Zur Geschichte des Welt-Tuberkulose-Tages

Der Welttuberkulosetag (Welt-TB-Tag) am 24. März erinnert an den Tag, an dem der deutsche Mediziner Robert Koch 1882 die Entdeckung des Tuberkuloseerregers „Mycobacterium tuberculosis“ in Berlin verkündete. Zu dieser Zeit war die Krankheit in Europa und Amerika weit verbreitet und weltweit starb jeder siebte Mensch an der Krankheit. Kochs wissenschaftliche Entdeckung legte den Grundstein für die Erforschung der Krankheit und der Entwicklung von Diagnoseverfahren und Behandlungstherapien.

Hundert Jahre nach dieser Entdeckung erklärte die Weltgesundheitsorganisation den 24. März zum Welt-TB-Tag, um die Öffentlichkeit auf diese bis heute weltweit verbreitete und tödliche Infektionskrankheit aufmerksam zu machen.

Blogs von MSF-Patienten über das Leben mit multiresistenter TB (Multi-Drug Resistant Tuberculosis, MDR-TB)

TB&ME stellt Patienten eine Online-Plattform zu Verfügung, damit diese in ihren eigenen Worten das Leben mit multiresistenter TB schildern können. Betroffene, die in verschiedenen Ländern leben, können hier ihre Erfahrungen austauschen und deutlich machen, welchen Einfluss die Erkrankung mit MDR-TB auf ihr Leben hat.

Kinder und Tuberkulose

Obwohl Tuberkulose heilbar ist, sterben jedes Jahr 130.000 Kinder an der Krankheit. Damit stellt TB eine der zehn größten Todesursachen bei Kindern dar. Die Anzahl der Kinder, die an multiresistenter Tuberkulose erkrankt sind und eine komplexe Behandlung benötigen, wächst ständig. 2010 behandelte Ärzte ohne Grenzen 3.300 Kinder unter 15 Jahren in 29 Ländern.

Tuberkulose und HIV-Ko-Infektion

In Myanmar leben derzeit 85.000 Menschen mit HIV, die dringend lebensverlängernde antiretrovirale Medikamente benötigen, dazu aber keinen Zugang haben. Gleichzeitig erkranken jährlich 9.300 Menschen an multiresistenter TB. Bisher konnten nur 300 Menschen eine geeignete Behandlungstherapie gegen MDR-TB beginnen. HIV attackiert das Immunsystem, wodurch Menschen mit HIV viel leichter eine Infektionskrankheit bekommen können. Eine der gefährlichsten ist Tuberkulose. Es wird geschätzt, dass ca. 20 Prozent der Menschen, die neu an TB erkranken, bereits mit HIV infiziert sind.

Bericht auf Englisch:

Für eine Behandlung für Alle

Tuberkulose ist ein alarmierendes Gesundheitsproblem in Usbekistan, wo 63.000 Menschen erkrankt sind. Laut der Weltgesundheitsorganisation handelt es sich bei 14 Prozent aller neuen Fälle um multiresistente TB - eine der höchsten Infektionsraten weltweit. Zusammen mit dem Gesundheitsministerium Usbekistans initiierte Ärzte ohne Grenzen 2003 ein neues Projekt in der Region Karakalpakstan. Langfristiges Ziel ist die Behandlung aller TB-Patienten in Karakalpakstan.