Welt-Tuberkulose-Tag 2009: Ärzte ohne Grenzen "verschreibt" bittere Pillen - Bundesregierung soll mehr Mittel für Forschung und Behandlung bereitstellen

Die vierjährige Charity mit ihrer Mutter Rebecca Achieng in der "Blue House"-Klinik im Slum Mathare, Nairobi. Die Mutter ist HIV-positiv und leidet unter einer TB-Koinfektion.

Jedes Jahr erkranken weltweit 9 Millionen Menschen an Tuberkulose (TB). 1,7 Millionen sterben jährlich an der Infektionskrankheit. Die gängigen Medikamente sind völlig veraltet. Rund 490.000 der TB-Kranken leiden zudem an der so genannten multiresistenten Form MDR-TB, für die es derzeit überhaupt keine angemessene Therapie gibt.

Auch die TB-Diagnostik ist völlig unzureichend. Sie beruht in Entwicklungsländern gewöhnlich auf einer Untersuchung von Sputumproben unter dem Mikroskop. Diese wurde vor 123 Jahren entwickelt und erkennt nur die Hälfte aller Krankheitsfälle.

Ärzte ohne Grenzen fordert daher anlässlich des Welt-TB-Tags 2009 dringend die Entwicklung eines einfachen und verlässlicheren TB-Tests.

Zudem ist die Bundesrepublik ist der Verantwortung. Sie muss den deutschen Forschungsbeitrag für die Tuberkulosebekämpfung deutlich erhöhen. Im Jahr 2007 gab Deutschland lediglich 7,5 Millionen Euro für die TB-Forschung aus. 2008 hat der Bundestag den Beitrag zwar leicht erhöht. Das ist aber immer noch viel zu wenig.

Charity, Bharat, Rolandi u.a. Betroffene erzählen von dem schwierigen Weg, den sie zurücklegen mussten, um getestet und gegen TB behandelt zu werden. Einen Tag vor dem diesjährigen Welt-TB-Tag macht Ärzte ohne Grenzen auf die Problematik aufmerksam und verteilt bei einer Aktion vor dem Bundestag um 11 Uhr Medikamenten-Tütchen an Parlamentarier und Passanten. Die Tütchen enthalten 23 Tabletten - die Anzahl, die ein MDR-TB-Patient derzeit im Schnitt schlucken muss, jeden Tag, zwei Jahre lang und ohne sichere Aussicht auf Heilung.