Welt-Malaria-Tag 2007

Jedes Jahr sterben mehr als eine Million Menschen weltweit an Malaria, rund drei Viertel davon sind Kinder in Afrika. Dabei ist die Ansteckung mit der durch Mücken übertragenen Krankheit leicht zu vermeiden, Malaria ist einfach zu diagnostizieren und gut zu behandeln. Doch in Ländern, in denen Malaria stark verbreitet ist, stehen die Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten häufig nicht zur Verfügung, wie zum Beispiel in der Demokratischen Republik Kongo, in Burundi oder Uganda. Vor allem die Menschen in entlegenen Landesteilen haben kaum Zugang zu wirksamen Medikamenten. So sterben jährlich weiter Millionen Menschen einen unnötigen Tod.

Ärzte ohne Grenzen behandelt jedes Jahr weltweit rund zwei Millionen Malaria-Patienten. In fast allen unserer Projekte in den Tropen sind die Mitarbeiter der Organisation mit dieser Krankheit konfrontiert.

Malaria kann behandelt werden: Artemisinin

Ältere Malaria-Medikamente wie Chloroquin oder Sulfadoxin-Pyrimethamin (häufig bekannt als Fansidar ®) werden im alleinigen Gebrauch zunehmend unwirksam. Dank kombinierter Behandlungen, die auf Artemisinin-Derivaten wie etwa Artesunat basieren, konnten aber bedeutende Fortschritte erzielt werden.

Die Vorteile der so genannten ACT-Präparate ("Artemisinin-based Combination Therapies") sind wissenschaftlich anerkannt, dazu gehören bessere Verträglichkeit und Wirksamkeit. Zudem haben die ACTs auch auf politischer Ebene Zustimmung erhalten: Im Jahr 2001 erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ACT zur bevorzugten Behandlungsmethode bei Malaria.

Ärzte ohne Grenzen wendet ACT in allen Programmen an und setzt sich seit 2001 für die Verbreitung dieser Präparate ein. Zudem hat Ärzte ohne Grenzen in mehreren Studien die großen Resistenzen gegenüber herkömmlichen Medikamenten nachgewiesen.

Malaria kann mit schnellen Tests diagnostiziert werden

Schnelle und genaue Diagnosemethoden zur Erkennung von Malaria sind verfügbar. Damit kann sichergestellt werden, dass nur jenen Menschen Medikamente verabreicht werden, die diese auch tatsächlich benötigen. Einige dieser Mittel, darunter Nadelstich-Tests wie Paracheck, sind auf den Gebrauch in abgelegenen Gegenden angepasst: Sie sind robust, einfach in der Anwendung und liefern schnelle Resultate, die einfach und ohne große Hilfsmittel interpretiert werden können.

Prävention möglich

Trotz einiger hoffnungsvoller Entwicklungen scheint eine wirksame Impfung gegen Malaria noch Jahre entfernt zu sein. Aber es bestehen andere Wege, um diese tödliche Krankheit im Vorfeld zu bekämpfen: Das Schlafen unter Moskitonetzen, die mit Insektiziden behandelt worden sind, kann Leben retten. Leider sterben vor allem in Afrika nach wie vor viele Kinder, weil sie nicht unter diesen Moskitonetzen schlafen können - vor allem aus Kostengründen. Jüngste Untersuchungen haben gezeigt, dass in Afrika nur rund fünf Prozent aller Haushalte über imprägnierte Moskitonetze verfügen. Allerdings haben nun mehrere afrikanische Länder ihre Absicht bekräftigt, die Netze flächendeckend zu verteilen.

Trotzdem unverminderte Ausbreitung

Im Jahr 1998 wurde ein globale Partnerschaft einberufen, um die Krankheit zu bekämpfen. Die RBM-Initiative ("Roll Back Malaria") wurde unter anderem von UNICEF, der WHO, und der Weltbank lanciert. Das Ziel lautete, bis ins Jahr 2010 die Zahl der jährlichen Malaria-Toten um die Hälfte zu reduzieren. Momentan ist die Kampagne weit von diesem Ziel entfernt.

In Wahrheit hat sich die Lage noch verschlimmert. Neun Jahre nach der Lancierung der RBM-Initiative konnte dem globalen Killer Malaria noch nicht ernsthaft zu Leibe gerückt werden. Zwar ist es schwierig, nach der Einführung der ACT-Behandlungen eine genaue Situationsanalyse durchzuführen, doch die galoppierenden Resistenzen gegenüber den bestehenden Medikamenten deuten darauf hin, dass sich die Krankheit unvermindert ausbreitet.

Die Folgen der verbesserten Malaria-Diagnose und -Behandlung stehen noch aus. In vielen Ländern, in denen Ärzte ohne Grenzen arbeitet, sind ACT-Präparate außerhalb unserer eigenen Projekte kaum erhältlich. Der globale Bedarf an ACT wird auf rund 500 Millionen Behandlungseinheiten pro Jahr geschätzt. Im Vorjahr wurden aber lediglich knapp 90 Millionen Behandlungen zur Verfügung gestellt.