Vielzahl Verwundeter in Gaza kann nicht ausreichend behandelt werden - Medizinische Einrichtungen sind völlig überlastet

Verletzte treffen im Shifa-Krankenhaus in Gaza-Stadt ein.

Mehr als eine Woche nach dem Beginn der Luftangriffe, denen die Bodenoffensive der israelischen Streitkräfte folgte, sind im Gazastreifen die chirurgischen Einrichtungen völlig überlastet. Um der Vielzahl von Verwundeten zu helfen, werden Chirurgen gebraucht, die auf Gefäßverletzungen spezialisiert sind. Im Shifa-Krankenhaus, der Referenzklinik von Gaza-Stadt, hat die Intensivstation ihre Kapazitätsgrenzen erreicht. Die medizinischen Einrichtungen können außerdem sowohl von Patienten als auch vom Personal nur unter Schwierigkeiten erreicht werden. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen versuchen daher, die Menschen in ihren Vierteln zu versorgen und planen, ein chirurgisches Team sowie ein mobiles Krankenhaus mit Operationssaal und Intensivstation bereitzustellen.

Ärzte ohne Grenzen hat derzeit 38 Mitarbeiter im Gazastreifen. Am 31. Dezember konnte das bisherige Team aus einheimischen Mitarbeitern um drei internationale Teammitglieder, einen Arzt, eine Krankenschwester und einen Projektkoordinator, verstärkt werden. Wegen der angespannten Sicherheitslage mussten die Teams ihre Arbeit jedoch an einigen Orten vorübergehend einstellen.

Hilfe im nördlichen Gazasteifen musste ganz eingestellt werden

Wegen der Intensität der Bombardierungen musste das Team von Ärzte ohne Grenzen in der Khan Yunis-Klinik im südlichen Gazastreifen die Versorgung Verletzter einstellen. Die gesamte Einrichtung ist seit dem Beginn der Bombardierungen geschlossen und vom Norden aus nicht mehr zu erreichen, da der Gazastreifen durch die israelischen Streitkräfte aufgeteilt wurde.

In Beit Lahia im nördlichen Gazastreifen mussten die Mitarbeiter ihre Arbeit in der Kinderklinik von Ärzte ohne Grenzen bereits vor der Bodenoffensive mehrfach unterbrechen. Seit Beginn der Offensive am 4. Januar haben die Teams ihre Arbeit im nördlichen Gazastreifen ganz eingestellt.

In Gaza-Stadt leisten Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen postoperative und andere medizinische Hilfe für Patienten, die aus dem Shifa-Krankenhaus überwiesen werden. Wegen der aktuellen Sicherheitslage konnten jedoch bislang nur sehr wenige Patienten die Einrichtung erreichen.

Medizinische Teams versorgen Bedürftige direkt in ihren Vierteln

Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen versuchen daher, ihre Hilfeleistungen so anzupassen, dass sie Patienten erreichen, die wegen der Sicherheitslage das Haus nicht verlassen können. Einheimische Ärzte, Krankenschwestern und Physiotherapeuten der Organisation haben medizinische Materialien mit in ihre Wohnviertel genommen und versorgen dort Bedürftige.

Ärzte ohne Grenzen wird außerdem auf Bitten des Shifa-Referenzkrankenhauses versuchen, ein chirurgisches Team in den Gazastreifen zu senden. Auch ein mobiles Krankenhaus mit einem Operationssaal und einer Intensivstation sollen dorthin auf den Weg gebracht werden. Zudem wollen die Teams weiteres medizinisches Material in die Krankenhäuser bringen, um die Vielzahl der Verletzten behandeln zu können.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1989 im Gazastreifen und im Westjordanland tätig. Die Mitarbeiter leisten sowohl in Gaza als auch in Nablus im Westjordanland psychologische, medizinische und psychosoziale Hilfe für Familien, die von der Gewalt betroffen sind. Das Team besteht normalerweise aus elf internationalen und 108 einheimischen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Im Gazastreifen bieten sie seit Juli 2007 auch postoperative Hilfe und Physiotherapie für Verletzte an. Im März 2008 wurde in Beit Lahia eine Klinik für Kinder unter zwölf Jahren eröffnet. Darüber hinaus betreiben Mitarbeiter ein psychologisches Programm in Hebron im Westjordanland.