Südsudan

Versteckt im Busch: Ärzte ohne Grenzen hilft Kindern, Frauen und Männern nach Gewalt

Einige der Verwundeten nach einem erneuten Gewaltausbruch im Bundesstaat Jonglei, Südsudan wurden ins Krankenhaus von Bor geflogen, unter ihnen 84 Personen mit Schussverletzungen.

In der Region Pibor im Bundesstaat Jonglei sind etwa 100.000 Kinder, Frauen und Männer auf der Flucht. Sie sind vor gewalttätigen Angriffen aus ihren Städten und Dörfern geflohen, viele von ihnen verstecken sich im Busch. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen behandeln viele dieser Menschen, aber die Hilfe reicht bei weitem nicht aus.

Die massive Vertreibung hat im Mai dieses Jahres begonnen und erreichte vor ca. drei Wochen noch einmal einen Höhepunkt. Hintergrund sind die immer wiederkehrenden Zusammenstöße zwischen verschiedenen Dorfgemeinschaften sowie der Konflikt zwischen der südsudanesischen Armee SPLA und der bewaffneten Miliz "David Yau Yau".

"Seit dem 21. Juli haben unsere Teams im südlichen Pibor mehr als 700 Konsultationen durchgeführt. Mit mobilen Kliniken fahren wir zu den Menschen und behandeln vor allem Atemwegsinfekte und Malaria sowie Patienten, die durch die das Leben im Busch krank geworden sind", sagt Katrin Kisswani, die Notfall-Koordinatorin von Ärzte ohne Grenzen. "Viele der Patienten erzählen, dass sie zu große Angst haben, nach Hause zurückzukehren, obwohl sich die Bedingungen im Wald immer weiter verschlechtern."

Hilfsorganisationen sind nicht in der Lage, auch nur Grundbedürfnisse zu decken

Andere Vertriebene kämpfen sich zu der Ärzte ohne Grenzen-Klinik in Gumruk durch. Allein im dem Dorf Gumruk sind in den vergangenen Tagen mehr als 25.000 Menschen angekommen. "Wenn sie dort ankommen, haben sie nahezu nichts", berichtet Kisswani weiter. "Im Moment behandeln wir täglich einhundert Patienten, und wir denken, es werden noch mehr." Manche, vor allem Frauen und Kinder, hätten Wunden, die bereits mehrere Tage alt sind, andere seien traumatisiert. Die Klinik in Gumruk ist aktuell die einzige funktionierende Gesundheitseinrichtung in der Region Pibor, seit die Ärzte ohne Grenzen-Klinik in Pibor-Stadt im Mai angegriffen und zerstört worden war.

Bisher sind die Hilfsorganisationen nicht in der Lage, auch nur die Grundbedürfnisse der Geflohenen zu decken. Ärzte ohne Grenzen ist deshalb über die Lage der Menschen extrem besorgt - sowohl derjenigen, die sich im Busch verstecken, als auch jener, die völlig mittellos in Gumruk angekommen sind. Vor diesem Hintergrund ruft Ärzte ohne Grenzen alle Beteiligten im Bundesstaat Jonglei auf, die dringend benötigte humanitäre Hilfe zu leisten und zu respektieren.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1993 im Bundesstaat Jonglei. Die Teams leisten in den Gesundheitszentren der Regionen Pibor, Uror und Nyirol medizinische Versorgung sowie akute medizinische Nothilfe nach Gewaltausbrüchen. Im Jahr 2012 führte Ärzte ohne Grenzen im Bundesstaat Jonglei insgesamt rund 130.000 ambulante Konsultationen durch.