Tschad

Verschärfte Sicherheitslage gefährdet 70.000 Menschen - Arbeit von Ärzte ohne Grenzen im Osttschad nach Angriffen in Frage gestellt

Am letzten Septemberwochenende sind zwei Projekte von Ärzte ohne Grenzen im Osten des Tschad von bewaffneten Männern überfallen und ausgeraubt worden. Die Teams in den betroffenen Orten Adé und Goz Beïda wurden evakuiert und die Projektaktivitäten auf unbestimmte Zeit eingestellt. Das bedeutet, dass 70.000 Menschen bis auf weiteres keinen Zugang zu ärztlicher Versorgung haben. In den vergangenen sechs Monaten gab es im Osten Tschads immer wieder Angriffe auf humanitäre Helfer. Am gleichen Wochenende sind noch zwei weitere Hilfsorganisationen angegriffen und ein UN-Fahrzeug entführt worden. Ärzte ohne Grenzen prüft derzeit, wie die Arbeit der Organisation im Osten Tschads künftig aussehen kann und wann und ob die Aktivitäten in Adé und Goz Beïda wieder aufgenommen werden können.

"Dass wir als humanitäre Organisation regelmäßig angegriffen werden, schränkt unsere Möglichkeiten aber auch die anderer Organisationen ein, den Menschen im Tschad zu helfen", sagt Landeskoordinatorin Karline Kleijer. "Dass wir uns nun aus zwei Projekten zurückziehen mussten, beunruhigt uns, und wir bereuen es sehr. Wir lassen 70.000 Menschen ohne ausreichende medizinische Versorgung zurück. Letztlich sind es die Kranken und Schutzbedürftigen, die am meisten darunter leiden."

Ärzte ohne Grenzen allein wurde in den vergangenen 10 Monaten im Osten des Tschad 24 Mal Opfer von Übergriffen, die vorübergehende Projektschließungen und regelmäßig Evakuierungen zur Folge hatten. Bei den meisten Angriffen wurden Geld, das für die Gehälter der lokalen Angestellten bestimmt war, sowie Fahrzeuge und Satellitentelefone gestohlen. Auch bei dem jüngsten Überfall wurde niemand getötet oder verletzt.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1981 im Tschad. Die Teams reagieren auf Gewaltausbrüche, regelmäßig vorkommende Epidemien und das allgemeine Fehlen medizinischer Versorgung. Derzeit sind mehr als 85 internationale und 1200 nationale Mitarbeiter im Land. Sie versorgen rund 250.000 Menschen: intern Vertriebene und die lokale Bevölkerung in Adré, Guereda, Abéché, Adé, Kerfi, Goz Beïda und Iriba ebenso wie Flüchtlinge aus der sudanesischen Krisenregion Darfur.