Zentralafrikanische Republik

Vergessene Krisen 2013 - Zentralafrikanische Republik

Nach Kämpfen zwischen bewaffneten Gruppen sind mehrere hundert Menschen auf das Gelände der katholischen Mission der 15.000-Einwohner-Stadt Bouca im Nordwesten der Zentralafrikanischen Republik geflüchtet.

In der Zentralafrikanischen Republik hat sich 2013 die katastrophale chronische Notsituation weiter verschärft. Im Zuge der Machtübernahme durch die Séléka-Rebellen im März kam es zu schweren Kämpfen, die bis heute andauern, zu brutaler Gewalt gegen Zivilisten, Plünderungen, Brandschatzungen und Massenvertreibungen. Mehr als eine halbe Million Menschen wurden nach UN-Angaben vertrieben oder sind geflohen. Hunderttausende leben seit Monaten ohne Hilfe in Wäldern und in der Savanne oder dicht gedrängt auf dem Gelände von Kirchen oder Moscheen. In weiten Teilen des Landes wurden Krankenhäuser, Gesundheitseinrichtungen und Einrichtungen von Hilfsorganisationen geplündert und zerstört. Die Sterblichkeitsrate liegt auf dem Niveau einer akuten Krise. Erschreckend viele Kinder sterben an Malaria und Mangelernährung. Nach Angaben der UN benötigt ein Drittel der Einwohner (1,6 von 4,5 Millionen) dringend humanitäre Hilfe. Wegen der prekären Sicherheitslage haben viele Hilfsorganisationen ihre Arbeit jedoch stark eingeschränkt und sind außerhalb der Hauptstadt Bangui kaum präsent.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1997 im Land und betreibt dort derzeit sieben Krankenhäuser mit mehr als 800 Betten, zwei Gesundheitszentren sowie etwa 40 Gesundheitsposten. Die Einrichtungen stellen für eine Bevölkerung von 400.000 Menschen die Basisgesundheitsversorgung bereit. Daneben gehören die Behandlung von mangelernährten Kindern und Malaria-Patienten, chirurgische Versorgung, Geburtsbegleitung, Impfkampagnen und die Versorgung von Vertriebenen mit Trinkwasser und Latrinen zu den Programmen.

Pélagie N. aus Bouca, geflohen nach Batangafo:

„Als die Kämpfer kamen, haben wir uns in einer Hütte versteckt. Die Bewaffneten haben wild umher geschossen und Häuser niedergebrannt. Als wir keine Detonationen mehr hörten, sind wir nach draußen gegangen und sahen, dass unser Haus komplett niedergebrannt war. All unser Besitz war verbrannt, auch die Waren, die wir verkaufen – und selbst unsere Betten. Wir flohen, um uns in der Savanne zu verstecken. Wir hatten nur noch unsere Kleider am Leib. Aber die Kämpfer folgten uns 15 Kilometer weit. Unterwegs haben sie Menschen umgebracht und weitere Dörfer niedergebrannt.

Am Ufer eines Flusses haben wir uns zum Schutz ein kleines Zelt gebaut. Wir lebten dort wie Tiere und hatten keinen Schutz gegen die Mücken. Ich habe mit meinen Eltern und dem Rest meiner Familie zwei Wochen lang dort gelebt, bevor wir uns getraut haben, in das Dorf zurückzukehren.

Die Soldaten haben erklärt, die Vertriebenen sollten zurückkehren. Aber sie haben weiterhin Häuser niedergebrannt, auch die Vorräte an Getreide, die wir gerade geerntet hatten. Mein Baby wurde krank, deshalb habe ich mich auf den Weg nach Batangafo gemacht. Ich weiß nicht, was jetzt werden soll.“

Zahlen:

  • 620.000 Menschen sind innerhalb des Landes oder in die Nachbarländer geflohen. (UN)
  • 1,6 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe (UN).
  • 60 Prozent der Gesundheitseinrichtungen wurden seit Dezember 2012 zerstört oder geplündert.
  • 90 Prozent der  Gesundheitseinrichtungen außerhalb Banguis haben nicht mehr genügend Medikamente und medizinische Ausrüstung.
  • Die Lebenserwartung lag schon vor der aktuellen Krise bei nur 48 Jahren, einer der niedrigsten Werte weltweit. (WHO)

 

Vergessene Krisen 2013