UN-Gipfel zur Gesundheitsforschung und -entwicklung vergibt historische Chance - Dringend benötigte Reformen zu Gesundheitsförderung und -forschung bleiben aus

UN-Konferenz Forschung und Entwicklung

Untersuchung von Tuberkulose-Kulturen im Kampong Cham Provincial Hospital.

Der UN-Gipfel zur Gesundheitsforschung und -entwicklung (IGWG-Prozess) ist ohne konkrete Reformvorschläge zur besseren Versorgung von Kranken in ärmeren Ländern zu Ende gegangen. Vom 28. April 2008 bis zum 3. Mai 2008 trafen sich Vertreter von mehr als 100 Regierungen, um Vorschläge zu entwickeln, wie der Zugang zu medizinischen Produkten in Entwicklungs- und Schwellenländern sichergestellt werden kann. Dringend benötigte Medikamente sind für Millionen von Patienten unerschwinglich. Für viele Krankheiten gibt es überhaupt keine wirksamen Behandlungsmöglichkeiten, da Forschung aufgrund fehlender Profitaussichten nur unzureichend stattfindet.

"Die Verhandlungen sind vielfach von den Industrieländern blockiert worden", sagt Oliver Moldenhauer, Koordinator der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland und Beobachter des IGWG-Prozesses. "Zentrale Fragen wurden auf die Vollversammlung der Weltgesundheitsorganisation Ende Mai vertagt. Hierzu gehört insbesondere die Frage der Finanzierung von Forschung und Entwicklung."

Seit Mai 2006 arbeitet eine Arbeitsgruppe, die sogenannte Intergovernmental Working Group on Public Health, Innovation and Intellectual Property (IGWG) an einer globalen Strategie zu einer bedürfnisorientierten Gesundheitsforschung und -entwicklung für Krankheiten, die hauptsächlich Entwicklungsländer betreffen. Leider wurde die historische Chance verpasst, um sich auf konkrete Vorschläge zum dringenden Bedarf alternativer Anreizsysteme für Forschung und Entwicklung zu einigen.

Wichtige Instrumente wie Forschungsprämien als Anreiz zur Erforschung vernachlässigter Krankheiten wie Tuberkulose, Malaria oder tropische Infektionskrankheiten werden von den verhandelnden Staaten zwar unterstützt, konkrete Aktionen wurden jedoch nicht vereinbart.

Zudem wurden während der IGWG-Verhandlungen die Barrieren für den Zugang zu Medikamenten, die aus dem internationalen Patentrecht resultieren, nicht ausreichend diskutiert. Dies galt auch für längst etablierte Lösungen wie die Nutzung der sogenannten TRIPS-Flexibilitäten zum Schutz der öffentlichen Gesundheit.

Einige Entwicklungsländer haben hart dafür gekämpft, ihre Vorschläge für Forschungs- und Entwicklungsreformen zu thematisieren. Die meisten Entscheidungen liegen nun bei der Ende Mai stattfindenden Vollversammlung der Weltgesundheitsorganisation (World Health Assembly/WHA). Sie muss die mutigen Ideen in konkrete Handlungen umsetzen, da die IGWG-Konferenz darin versagt hat.

"Es müssen nun konkrete Pilotprojekte zur innovativen Forschungsförderung gestartet werden", fordert Oliver Moldenhauer. "Gerade Deutschland, das bisher bei der Erforschung vernachlässigter Krankheiten im internationalen Vergleich weit zurück gefallen ist, sollte diese Gelegenheit nutzen, endlich aktiv zu werden", macht Moldenhauer mit Blick auf die kürzlich veröffentlichte Studie "Forschungszwerg Deutschland" von Ärzte ohne Grenzen zu diesem Thema deutlich.